Fussball

1000 Liter Bier zum grossen Spiel

Nach dem grossen Match gegen den Meister FCB muss sich der FCW nun endlich in den Niederungen des Alltags beweisen. In Aarau bestreitet er am Sonntag ein Schlüsselspiel im Abstiegskampf.

Die Enttäuschung in den Reihen des FCW, nachdem die gute Leistung gegen den FC Basel nicht belohnt worden war.

Die Enttäuschung in den Reihen des FCW, nachdem die gute Leistung gegen den FC Basel nicht belohnt worden war. Bild: Heinz Diener

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Auf der Schützi wurde gestern Morgen aufgeräumt. Die Spieler aus der Startelf liefen mit Dario Zuffi durch den Brühlbergwald, die andern versammelten sich unter Umberto Romano zu einem leichteren Training. Und Andreas Mösli, der Geschäftsführer, zog eine spezielle erste Bilanz zum Ereignis des Vorabends: 1000 Liter Bier wurden verkauft, eine sehr erstaunliche Zahl «für ein Mittwochspiel ohne Verlängerung», wie Mösli beifügt. Ein Hinweis auch auf gute (Catering-)Einnahmen.

Weitere Gelder aus dem Cup wirds nicht geben, trotz der mit Abstand besten Leistung einer Mannschaft des FCW seit langer Zeit. Fortgeschritten war bereits die Verarbeitung der Enttäuschung, zu bald steht der nächste Match bevor, der – am Sonntag in Aarau – noch wichtiger werden wird. Aber natürlich blickten auch Romano und Zuffi nochmals zurück aufs Spiel gegen den FCB und den Auftritt des Sascha Amhof vom FC Sarmenstorf.

Was die beiden – wie so viele andere – nicht verstanden: dass der Schiedsrichter den vor seinem Penaltypfiff «gefoulten» Marc Janko gefragt hatte, ob er «berührt» worden sei. Natürlich war der das; der log nicht, «aber das war ja auch nicht die Frage», wie Gegenspieler Patrik Schuler schon nach dem Spiel korrekt angemerkt hatte. Vor allem aber störte das Trainerduo, «dass der Schiedsrichter auch nach seinem Fernsehstudium noch sagte, er würde nochmals so entscheiden». Sie denken, es wäre eine Qualität Amhofs gewesen, «einen Fehler einzugestehen».

Das Problem im Kopf lösen

Dass die Basler dann fähig waren, den geschenkten Vorsprung gegen allmählich ermattete Winterthurer einigermassen sicher über die Zeit zu bringen, war einziger halbwegs meisterlicher Leistungsausweis des Abends. Die Winterthurer Analyse wiederum förderte ein weiteres Mal zutage, welche Kluft zu erkennen ist zwischen Leistungen gegen «Kleine» und gegen «Grosse».

Das jüngste Beispiel: der FCW am vergangenen Samstag im Abstiegskampf der Meisterschaft gegen Wil und dann am Mittwochabend gegen den FCB. So wars schon gewesen vor gut einem Monat, als die Cup-Sensation in Bern umrahmt wurde durch zwei ausgesprochen schwache Leistungen, das 1:2 in Schaffhausen und das 0:1 beim FC Le Mont.

Anzumerken ist mal, dass die Leistung gegen den FCB eindeutig besser war als gegen die Young Boys, die allerdings auch besser waren als die Basler. Gegen YB war der FCW nur in der zweiten Halbzeit gut, als er mit grösster Effizienz ein 0:2 wettmachte. In der ersten Halbzeit war er klar dominiert worden, in der Verlängerung beanspruchte er Glück, im Elfmeterschiessen zeigte er Klasse. Gegen den FCB bot er eine nahezu komplette erste Halbzeit, ausgenommen im Abschluss, wo einfach fehlte, dass der sehr starke Gianluca Frontino eine seiner zwei Chancen verwertet hätte. Oder, kurz nach der Pause, Luca Radice die seine.

Ein 1:0 wäre durchaus möglich, ja verdient gewesen. Aber es fiel dann, die Umstände sind bekannt, für den FCB. Jetzt stellt sich die entscheidende Frage: Ist der FCW in den nächsten Wochen, die über seinen Platz in der Challenge League entscheiden, endlich fähig, in Meisterschaftsspielen gegen nominell mindere Gegner seine Stärken auszuspielen? Es kann doch nicht sein, dass er nur dann gut spielt, wenn er krasser bis sehr krasser Aussenseiter ist – wie gegen YB, den FCB oder jüngst auch im Letzigrund gegen den FCZ. Schuler, der Captain, bestätigt, das sei «reine Kopfsache».

Schlüsselspiel in Aarau

Aarau am Sonntag ist in dieser Beziehung dafür ein absolutes Schlüsselspiel. Kann die Mannschaft nachziehen oder reisst sie das Selbstvertrauen, das sie sich mit der Leistung gegen den FCB geschaffen haben müsste, gleich wieder ein. Auch Romano erhielt «bestätigt, dass die Qualität vorhanden ist – wie wir immer sagten. Diese und die Grundtugenden», müssten doch einfach reichen.

Zu den Grundtugenden gehört allerdings «auch die Mentalität, an jedem Tag, in jedem Spiel die richtige Einstellung zu zeigen». Daran hat es der Mannschaft auch unter der neuen Führung zu oft gemangelt. Sie war einfach nicht fähig, unter einem gewissen Druck Leistung zu bringen. Das zu können, ist nun mal ein bedeutendes Erfordernis des Spitzensports.

Im Spiel gegen den FCB hat sich Leandro Di Gregorio mit seiner bisher mit Abstand besten Leistung als rechter Aussenläufer vorderhand am – krank ausgefallenen – Michel Avanzini vor-beigeschoben. Guillaume Katz kehrt nach seiner Sperre in die Abwehr zurück. Aber einer ist, wie in diesem Frühjahr üblich, auch diesmal gesperrt: Stürmer Manuel Sutter. Der könnte wohl auch wegen seiner gegen den FCB erlittenen Verletzung am rechten Bein nicht spielen. Sie bedarf einer genaueren Untersuchung.

Ein Nachspiel könnte der Cupmatch insofern haben, als vom Verband Bussen drohen: Wegen der Pyros, die in der (Winterthurer) Bierkurve gezündet wurden; wegen des «Ballprotests» der Basler Fans, die den Spielbeginn verzögerten – unzufrieden über den vom Fernsehen veranlassten frühen Termin. Es wird sich auch zeigen, ob der Schiedsrichter in seinen Rapport aufgenommen hat, dass er beim Verlassen des Platzes eine Bierdusche über sich ergehen lassen musste.

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Erstellt: 06.04.2017, 23:02 Uhr

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