Fussball

Und wieder hat der FCW keine Chance

Nach der Nummer 2 des Landes, den Young Boys, spielt der FC Winterthur im Cup gegen die Nummer 1, den Serienmeister aus Basel. Steht heute Abend der FCB nicht als erster Finalist 2017 fest, wäre von einer der grössten Überraschungen der Cupgeschichte zu reden.

FCW-Trainer Umberto Romano war einst Urs Fischers Teamkollege.

FCW-Trainer Umberto Romano war einst Urs Fischers Teamkollege. Bild: Madeleine Schoder

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Geht man die Sache mit einer ­gewissen Ironie an, dann ist zu sagen: Der FCB ist in grösster Gefahr, denn der Gegner war in dieser, insgesamt ziemlich missglückten Saison genau dann gefähr­lich, wenn er nominell keine oder doch nur eine ganz kleine Chance hatte. So ging er als «chancenloser» Aussenseiter in den Viertelfinal gegen die Young Boys – es war das Spiel des Zweiten der Super League gegen den Neunten der Challenge League. Aber der Aussenseiter triumphierte, nach einem 0:2, im Elfmeterschiessen. Zwei­ein­halb Wochen später trotzte er, mittlerweile Tabellenletzter, dem «FCB der Challenge League», dem FC Zürich, im Letzi­grund ein 2:2 ab.

Zehnter der Challenge League gegen souveränen Ersten der Super League – das also ist heute die Ausgangslage, und die Chancen der Winterthurer wirken noch kleiner als gegen YB und ­natürlich den FCZ. Allerdings ist der FCB ein Gegner, der auch mit solch heiklen Fällen besser fertig zu werden pflegt als andere, vor allem als Berner. Er ist an Winnermentalität allen überlegen, und er hat in diesem Jahr auch besonderes Interesse an einem Cupsieg. Denn seit 2012 hat er den Cup nicht mehr gewonnen, aber dreimal den Final verloren. 2012 überstand er den Halbfinal in ... Winterthur.

Ob sie den Cup diesmal gewinnen, wird aber auch darüber entscheiden, ob die Basler von einer wirklich guten Saison reden können oder doch nur eine mittelprächtige bilanzieren müssen. Denn nicht mehr als mittelprächtig ist, wenn sie zwar ein weiteres Mal Meister wurden, im Europacup aber ihr Ziel verpassten – und dann auch im Cup. Natürlich würde sich das langjährige Erfolgsduo an der Vereinsspitze, Präsident Bernhard Heusler und Sportchef Georg Heitz, nur so gerne mit dem Double verabschieden.

Die Trainer. Winterthurs Umberto Romano (44) ist erst seit sieben Pflichtspielen Chef; Urs Fischer (51) steht in seiner zweiten Saison beim FCB und hat deutlich mehr Erfahrung. Das galt schon, als die beiden im Frühjahr 1994 beim FC St. Gallen zusammenspielten – und in die Nationalliga A aufstiegen. Zusammen mit dem FCB übrigens. «Er hat mich, den Jüngling aus Zürich, damals an die Hand genommen», sagt Romano über Fischer, der in St. Gallen als Abwehrchef zu einem Leader gereift war. Ro­mano beginnt in diesem Frühjahr erst, die Uefa-Pro-Lizenz zu erwerben. Und es braucht nicht die Routine Fischers, um die Tage vor dem einen Spiel wie diesem auch damit zu verbringen, Warnungen auszusenden – auf dass dieser Gegner nicht unterschätzt wird. Ro­mano sagt seinen Spielern: «Geniesst diesen Match einfach, setzt euch nicht unter Druck.» Der wird schon am Sonntag in Aar­au wieder kommen, im beschwer­lichen Abstiegskampf.

Die FCB-Winterthurer. Zu den Pikanterien dieses Spiels gehört, dass im meisterlichen Kader gleich drei aus Winterthur stehen – und heute allesamt beginnen. Luca Zuffi (27) ist in seinem dritten FCB-Jahr längst eine gewichtige Stütze, auch wenn diese Saison nicht seine beste ist. Dennoch steht er mit vier Toren und acht Assists in der Liga zu Buche. Und der sagt: «Natürlich ist das etwas Besonderes, wir werden auch häufig ­darauf angesprochen.»

Der Innenverteidiger Manuel Akanji (21) hat sich, kaum von einem Kreuzbandriss genesen, so schnell wieder in die Startelf gespielt, dass Sportdirektor Heitz sagt: «Er ist das grösste Vertei­digertalent in der Schweiz.» Neun Jahre älter ist Davide Callà, in der Regel Ergänzungsspieler, heute auf der rechten Flanke Stellvertreter des erkrankten Mohamed Elyounoussi.

Beim FCW sitzen die beiden Jünglinge mit FCB-Vergangenheit, die Leihgabe Arxhend Cani (19) und Robin Kamber (20), auf der Bank. Dort wird, wie üblich, auch Dario Zuffi Platz nehmen, Vater Lucas und ehemaliger Basler Aufstiegsspieler.

Die Personalien. Der FCW hat auf einer Position keine Probleme, im Tor. Am Samstag ret­tete David von Ballmoos (22) den Punkt gegen Wil; heute spielt Cup-Goalie Matthias Minder (24), der gegen YB den entscheidenden Elfmeter hielt. Captain Patrik Schuler ist nach einer Verletzung rechtzeitig fit, um im Abwehrzentrum den gesperrten Guillaume Katz zu ersetzen. Die Offensive verstärkt, nach verbüsster Sperre, Gianluca Frontino.

Der FCB unterstreicht die Ernsthaftigkeit seiner Absichten damit, dass er in Bestbesetzung antritt – abgesehen vom gesperrten Taulant Xhaka und eben Elyounoussi. Genesen ist Tomas Vaclik, der Goalie erster Wahl.

Die Finanzen. Das Stadion ist, erstmals mit 9400 Zuschauern, ausverkauft. Das gibt ein bisschen Geld. Was aber vom Verband an Prämien ausgeschüttet wird, ist in dieser Saison schlicht vernachlässigbar, noch ein Drittel früherer Erträge. Für den Platz in den Halbfinals gab es sage und schreibe 50 000 Franken, für einen im Final werden es 100 000 sein. Dazu der kurze Blick nach Deutschland: Dort erhält schon jeder der 64 Vereine in der 1. Hauptrunde 155 000 Euro. Für einen Halbfinalplatz gibts 2,55 Millionen. (Landbote)

Erstellt: 04.04.2017, 22:51 Uhr

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