Fussball

Der Abstiegskampf wird immer härter

Ein frühes Elfmetertor brockte dem FCW die 0:1-Heimniederlage gegen den Tabellenzweiten Neuchâtel Xamax ein. Erfreulich war, dass er vor 4800 Zuschauern klar besser spielte als zuletzt. Für einen Abstiegskandidaten typisch ist, dass auch das nicht zu einem Punkt reichte.

Ohne Fortune im Abschluss: Silvio hadert nach einer verpassten Chance.

Ohne Fortune im Abschluss: Silvio hadert nach einer verpassten Chance. Bild: Johanna Bossart

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Michel Decastel, der altgediente Xamax-Trainer, verabschiedete sich lange nach Spielschluss von Umberto Romano, dem neuen FCW-Chef, mit diesen Worten: «Wenn ihr immer so spielt, dann kommt ihr bald hinten raus.» Decastel wird das ehrlich gemeint haben. Aber Komplimente von Gegnern nach einer Niederlage sind gefährlich, schon gar, wenn man am Tabellenende steht. Denn nichts weiss Romano besser als dies: Nicht Komplimente braucht seine Mannschaft, sondern Punkte.

Am Ende trieben nahezu 5000 Zuschauer, von denen manche (auch) gekommen waren, sich Tickets für den Cup-Halbfinal gegen den FC Basel zu ergattern, den FCW nach vorne. Die Stimmung war gut, die Mannschaft fightete – und sie hätte einen Punkt auch verdient. Oder wie es Decastel sagte: «In der ersten Halbzeit hätten wir das 2:0 machen können, ja müssen. Aber in der zweiten haben wir gelitten, da sind sie immer wieder mit ihren weiten, hohen Bällen gekommen. Sie spielten in ihrem Abstiegskampf wie in einem Cupmatch. Aber unsere Abwehr hielt stand.»

Die Episoden: Elfmeter . . .

Die Spitzenmannschaft aus Neuenburg, die stark begonnen hatte, in der zweiten Halbzeit allerdings in der Tat untendurch musste, hielt sich also schadlos. Und der Abstiegskandidat aus Winterthur «belohnte sich nicht», wie es sein Trainer Romano formulierte. «Wie die Mannschaft in der zweiten Halbzeit spielte und kämpfte – da kann ich ihr keinen Vorwurf machen.» Anfangs allerdings hatte auch er «zu viele Fehler im Spiel von hinten heraus» gesehen.

Es war insgesamt also ein typisches Spiel für einen Tabellenzweiten, dem es gut läuft, der sich sicher fühlt, und einem Zehnten, der unter Druck ist und gewiss auch deshalb nicht die förderliche Lockerheit besitzt. Es war aber auch ein Spiel, in dem der lockere Tabellenzweite mehr Glück hatte als der verkrampftere Zehnte. Es begann nach wenigen Minuten mit einem Handselfmeter, als Zlatko Hebib einen Schuss Samir Ramizis ganz knapp innerhalb des Strafraums an die Hand bekam. Der Schiedsrichter pfiff Elfmeter, Raphael Nuzzolo, mit seinen bald 34 Jahren der älteste Neuenburger, verwertete ihn. «Ich hatte den Ball an der Hand», sagte Hebib später, «aber es war keine unnatürliche Handbewegung.» Auf jeden Fall führte Xamax und war mindestens eine halbe Stunde lang die klarere, vor allem torgefährlichere Mannschaft.

. . . und aberkanntes Tor

Als sich die Winterthurer in der zweiten Halbzeit zu einer in den meisten Beziehungen respektablen Leistung zusammenrissen, vergaben sie ihre paar guten Chancen – vor allem mal Karim Gazzetta nach einer perfekten Vorlage Silvios mit der Brust. Auch Gianluca Frontino traf aus guter Position nicht. Und als der Ball einmal, in der 70. Minute, doch im Tor lag, griff der Schiedsrichter wieder ein: Frontino hatte einen Eckball geschlagen, Hebib mit dem Kopf per Aufsetzer in die tiefe rechte Ecke des Tores von Laurent Walthert getroffen. Aber Nicolas Jancevski, der Mann in Grellgelb, pfiff Foul. «Er sagte», berichtete Hebib nachher, «ich hätte mich aufgestützt. Aber ich bin einfach früher abgesprungen als mein Gegner.»

«Wir wollen nicht über den Schiedsrichter reden», sagte Romano, «manchmal ist es so, manchmal anders.» Was so viel heisst wie: Manchmal hat man Glück, manchmal keines. Es war diesmal so: Der Schiedsrichter liess eine gewisse Tendenz zugunsten von Xamax erkennen. Es hätte sich keiner auch von Xamax gross aufgeregt, wenn der Elfmeter nicht gepfiffen worden wäre. Es wäre auch für die Neuenburger kaum ein grosses Thema gewesen, wäre das Tor anerkannt worden. Diesmal lief es eben für sie, die doch vor wenigen Wochen in Zürich klare Benachteiligungen wie einen ungerechtfertigten Platzverweis hinnehmen mussten. In Bern lief jüngst im Cup vieles für den FCW, gestern wenig bis nichts.

Mangold schon wieder out

Am bedauerlichsten war ohnehin nicht, was sich vor den Toren zutrug, sondern in der 25. Minute im Mittelfeld, etwa 30 Meter vor dem Xamax-Tor: Da verletzte sich Marco Mangold in seinem erst zweiten Match seit seinem Fussbruch im Spätherbst schon wieder gravierend. Nach ersten Diagnosen ist ein Kreuzbandriss im Knie zu befürchten. Erlitten hat Mangold die Blessur, als er Gegner Pietro Di Nardo daran hindern wollte, einen Gegenangriff auszulösen. Er foulte ihn hart und blieb selbst so liegen, dass jeder sofort wusste, es ist schwerwiegend. Als Mangold dann auf der Bahre vom Platz getragen wurde, schwenkte der Schiedsrichter noch die Gelbe Karte über seiner Nase.

Nach weniger als einer halben Stunde – und bevor die Mannschaft richtig ins Spiel gefunden hatte – wars also schon wieder vorbei mit dem «Schaffhauser Duo» im Winterthurer Mittelfeld, mit Mangold als «Sechser», der sofort wieder eine gute Rolle spielte. Und mit Frontino als Offensivmann davor. Frontino spielte nicht schlecht, seine Ballsicherheit tut der Mannschaft des FCW gut. Aber der Frontino der besten Tage war noch nicht zu sehen. Der hätte nämlich ein Tor geschossen.

Wie Umberto Romano und Partner Dario Zuffi allgemein aufgestellt hatten, entsprach den Erwartungen, vielmehr dem verfügbaren Personal: Das Zentrum der Viererabwehr musste von Nachwuchsmann Julian Roth und Hebib besetzt werden, andere waren verletzt oder, wie Guillaume Katz, gesperrt.

Roth zeigte einen guten, zunehmend selbstsicheren Auftritt – er rehabilitierte sich zu einem ordentlichen Teil für die Patzer gegen Servette und gegen YB. Hebib dagegen hatte nicht nur Pech bei den zwei entscheidenden Szenen, er war geraume Zeit auch zu fehlerhaft im Aufbauspiel.

Von den Aussenverteidigern war Michel Avanzini der wirkungsvollere – bis ihn Schwindel zum Ausscheiden zwang. Im Mittelfeld wurde zwar gekämpft, auch Kreso Ljubicic war besser als zuletzt. Aber von Karim Gazzetta und Luca Radice kamen insgesamt etwas wenige Impulse. Vorne wurde hart gearbeitet, aber Silvio und Manuel Sutter fehlte es im entscheidenden Moment dann halt doch an der Klarheit im Abschluss, auch gegen harte Verteidiger.

Cup-Stehplätze schon weg

Mag ein Punkt für den FCW nach dieser zweiten Halbzeit auch gerechtfertigt gewesen sein. Er ist zurzeit eben auch in einer Phase, in der er es immer wieder fertigbringt, so zu spielen, dass es ihm zur Niederlage reicht. Das ist gefährlich. Immerhin, es siegte an diesem Wochenende keiner auf den Plätzen 5 bis 10 – allerdings verlor auch nur einer. Der FCW.

«Wir dürfen jetzt nicht Trübsal blasen», sagte Realist Romano noch. Aber der Abstiegskampf wird immer härter, die Mannschaft muss 90 Minuten so arbeiten wie gestern in der zweiten Halbzeit. Immerhin, viele Sieger gabs gestern ja doch: all jene, die mit Stehplatztickets für den Cup-Halbfinal gegen den FCB heimgingen. Rund 5500 wurden gestern verkauft, es sind also alle weg. Die 1800 für den Gästesektor werden via FCB vergeben. Tribünenkarten in den freien Kauf zu geben, ist ja nicht möglich.

Die Schützi wird am 5. April also wie erwartet voll sein. Aber wichtiger ist, bis dahin das Punktekonto in der Liga zu äufnen. Wenn nicht in einer Woche gegen den FCZ, dann daheim gegen den FC Wil, der auch sportlich immer mehr serbelt. (hjs)

Erstellt: 09.03.2017, 10:09 Uhr

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