Fussball

Die (miese) Geschichte wiederholt sich

Der grosse FC Basel steht nach dem Gastspiel beim FC Winterthur, dem Letzten der Challenge League, im Cupfinal. Er siegte 3:1, was erwartet werden konnte. Aber die Enstehung dieses Ergebnisses ist völlig unbefriedigend, wie das 2:1 des FCB vor fünf Jahren.

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So gut wie jeder in Fussball-Winterthur kann sich noch an den Cup-Halbfinal 2012 erinnern, als ein krasser Fehler des Schiedsrichters Alain Bieri dem FCB den Weg in den Final ebnete. Er übersah kurz vor Halbzeit ein klares Foul des Basler Torhüters Yann Sommer am Winterthurer Kris Kuzmanovic. Statt auf Elfmeter und Rote Karte zu entscheiden liess Bieri weiterspielen. Es blieb beim 1:0 für den FCB, der FCW war seiner grössten Chance beraubt, sich für eine erstaunlich gute Leistung zu belohnen.Und nun gestern, wieder Halbfinal auf der Schützenwiese, wieder FCW – FCB. Mit dem Unterschied, dass die Winterthurer, anders als vor fünf Jahren, keine Spitzenmannschaft der Challenge League sind, sondern als Tabellenletzter mitten im Abstiegskampf. Aber der FCW, der schon in den Viertelfinals mit einem Coup gegen die Young Boys, die Nummer 2 des Landes, überrascht hatte, spielte gegen die Nummer 1 aus Basel gut, ja sehr gut. Er spielte jedenfalls eine klar bessere erste Halbzeit als damals im Stade de Suisse.

Aber dann, ein paar Minuten nach der Pause, ein paar Minuten, nachdem sein Linksaussen Luca Radice bei einer erstklassigen Chance am Basler Goalie Tomas Vaclik gescheitert war, kam jedem im Stadion wieder 2012 in Erinnerung. Diesmal nicht, weil ein Elfmeter nicht gepfiffen wurde, sondern weil einer gegeben wurde. Es war nach einem Tackling des Winterthurer Captains Patrik Schuler gegen den FCB-Österreicher Marc Janko. Schuler, der vorher mit ungeschicktem Verhalten Janko hatte ziehen lassen müssen, grätschte seinem Gegner den Ball vom Fuss, und zwar eindeutig. Er erwischte dann auch noch sein Bein, aber Elfmeter dafür zu geben, das war doch schwer zu begreifen. Aus Sicht der Winterthurer gar unbegreiflich.

Amhof fragte Janko

Amhof pfiff, fragte danach aber Janko, ob er berührt worden sei. Und Janko sagte ihm, was ja auch den Tatsachen entsprach, er sei berührt worden. «So war es,» sagte später auch Schuler, «aber das war ja nicht die Frage.» Immerhin reichte Jankos Antwort dem Schiedsrichter, bei seinem Entscheid zu bleiben. Und er sollte weit später, nach der Konsultation der Fernsehbilder, sagen: «Ich würde nochmals gleich entscheiden.» Schuler habe zwar in der Tat «mit dem einen Bein zuerst den Ball getroffen, dann aber mit dem andern Janko.» Diese Sicht der Dinge in einen Elfmeterentscheid umzusetzen, war sicher nicht mehrheitsfähig. Das ganze Verhalten Amhofs war eigentümlich, dem armen Janko gleichsam die Verantwortung über einen so gravierenden Entscheid aufzuhalsen.

Das ganze Verhalten Amhofs war eigentümlich, dem armen Janko gleichsam die Verantwortung über einen so gravierenden Entscheid aufzuhalsen.

Und es war mehr als begreiflich, dass die Winterthurer grösste Mühe hatten, diesen nächsten «FCB-Halbfinal-Entscheid» zu verdauen. «Nie und nimmer» seis Penalty gewesen, sagte Schuler stellvertretend. Was man verstehen konnte, auch wenn er Partei war. Sein Trainer Umberto Romano formulierte es so: «Es ist sehr bitter, nach einer solchen Leistung so zu verlieren.» Und er denke nicht, «dass in einer solchen Szene ein Elfmeter für uns gepfiffen worden wäre.»

Dario Zuffi, sein Partner auf der FCW-Bank, war unmissverständlich: «Ich war von Anfang an überzeugt, es sei kein Penalty – und so sehe ich es auch, nachdem ichs im Fernsehen gesehen habe.» Daneben stand Sohn Luca, der als Basler an diesem Abend ein Sieger war, aber sehr wohl mit seinem Vater und allen andern Winterthurern mitfühlen konnte. Denn er war ja auf ihrer Seite dabei gewesen, als sich die Winterthurer von einem Schiedsrichter um ihre Chance auf einen Coup gebracht gefühlt hatten.

Janko und der «Türöffner»

Spezialist Matias Delgado, der sonst wie die meisten Basler wenig bis nichts zeigte, verwertete den Elfmeter so souverän wie üblich. Er wurde fortan ausgepfiffen, bis ihn Trainer Urs Fischer nach ein paar Minuten erlöste und durch den Slowenen Andraz Sporar ersetzte. «Ich wurde natürlich zum Buhmann, ich hörte auch einige Beleidigungen über meine Mutter, dabei konnte ich nichts dafür. Ich war getroffen worden.» Aber er sagte auch, was wesentlich war: «Dieses Tor war natürlich schon ein Türöffner für uns.» Nun lag der FCB voran, der bis dahin keinerlei Überlegenheit hatte erkennen lassen, die eine Führung nahegelegt hätten.

 «Es ist sehr bitter, nach einer solchen Leistung so zu verlieren.» FCW-Trainer Umberto Romano

Die Pfiffe des Schiedsrichters wurden in der aufkommenden Hektik immer wirrer. Die Basler spielten weiterhin nicht gut, die Winterthurer bemühten sich weiterhin mit allen Mitteln. Aber es war nicht zu übersehen: Ihre Kräfte hätten womöglich gereicht, einen Vorsprung gegen den hohen Favoriten über die Zeit zu bringen. Aber einen Rückstand wettzumachen, dafür langte es nicht mehr. Aber sie gaben nicht auf, selbst nach dem 0:2 nicht, das in der 86. Minute die definitive Entscheidung zu sein schien. Es fiel nach einem Freistoss. Zuerst scheiterte Zuffi noch an Torhüter Matthias Minder, dann traf Manuel Akanji, ein anderer FCB-Winterthurer.

Aber kurz darauf stands 1:2, kam doch noch Hoffnung auf: Torhüter Vaclik leistete sich einen monmenalen Fehlpass, Arxhend Cani, die eingewechselte FCB-Leihgabe des FCW, nutzte die einmalige Gelegenheit aus 20 Metern kühl. Ein paar hohe Bälle flogen nun noch in den Basler Strafraum, der FCB musste tat-sächlich nochmals zittern. Das 3:1 des Schweden Alexander Fransson fiel dann noch, in der letzten Sekunde.

Als das Spiel schon eine halbe Stunde vorbei war und die Penaltyszene immer noch heiss diskutiert wurde, liefen sich die Winterthurer auf dem Rasen aus – erste Vorbereitung für das sonntägliche Meisterschaftsspiel in Aarau, das – für einen Tabellenletzten – wichtiger sein wird als dieser Cup-Halbfinal. Aber gefeiert wurden sie von ihren Zuschauern auch da noch, und das entsprach ihrer Leistung.

Sie war in der Tat sehr erstaunlich gewesen. Wer beispielsweise den Match am Samstag gegen den FC Wil gesehen hatte, vor allem die erste Halbzeit, der wird nicht geglaubt haben, dass da die Auswahl des selben Vereins aus Winterthur auf dem Platz stand. Es war kein auf Abwehrkampf und schliesslich auch Glück ausgerichteter Cupfight wie in Bern, es war eine in jeder Beziehung gute Leistung. «Wir hatten auch einen andern Matchplan als in Bern,» sagte Romano, «wir wollten mutig und aggressiv beginnen.» Das taten sie.

FCW ohne Schwachpunkt

Sie taten es mit einer Mannschaft, die wegen kurzfristigen Krankheiten auf zwei Positionen anders besetzt war als Romanos ursprünglichen Plänen entsprochen hätte: Rechter Innenverteidiger war anstelle des Nachwuchsmanns Julian Roth, der sich nachmittags um drei abgemeldet hatte, Zlatko Hebib. Rechter Aussenläufer war, anstelle Michel Avanzinis, Leandro Di Gregorio. Und die beiden «Neuen» fügten sich bestens ein, beide, vor allem der bisher sehr blasse Di Gregorio, spielten gut. «Aber man kann keinen herausheben, es waren alle gut,» stellte auch Romano fest.

Natürlich war ein Gewinn, das – anders als gegen Wil – Gianluca Frontino wieder im offensiven Mittelfeld stand. Es war auch Sturmspitze Silvio ein ganz anderer als am Samstag. Nur eines war dann eine Schwächung: Dass der sehr kampfstarke, zeitweise gar besonders auffallende Karim Gazzetta durch Robin Kamber ausgewechselt wurde. Das sei, sagte Romano, mit Rücksicht darauf geschehen, dass Gazzetta mit einer gelben Karte belastet war.

Es war also, vom Resultat abgesehen, so ziemlich alles erfreulich für den FCW – von der Stimmung im Stadion bis zur Leistung, mit welcher der Aussenseiter seine Fans überzeugte. Nur eine Frage stellt sich jetzt noch: Bringt die Mannschaft endlich die Kopfarbeit auf, auch dann einigermassen so gut zu spielen, wenn sie – wie am Sonntag in Aarau – unter Erfolgsdruck steht. Und nicht, wie gegen YB, den FCB und zwischendurch auch gegen den FC Zürich, als krasser bis sehr krasser Aussenseiter frei aufspielen kann.

«Schlechter Match von uns»

Die Basler Sicht auf die Dinge ist ziemlich umgekehrt: Für den FCB stimmt das Resultat, sicher aber nicht die Leistung. «Es war sicher ein schlechter Match von uns,» gestand Zuffi, «wir waren weder spielerisch noch läuferisch auf der Höhe gewesen.» In der Tat war keiner positiv herauszuheben, einzelne fielen gar ab, Janko oder vor allem der dritte FCB-Winterthurer, Davide Callà.

«Er ist gepfiffen worden.» FCB-Trainer Urs Fischer zum Penalty

Und was sagte Fischer, der Trainer. Zum Penalty: «Er ist gepfiffen worden.» Und: «Es war das erwartet schwere Spiel. Am Ende zählt aber, dass wir uns für den Cupfinal qualifiziert haben.» So reden eben Sieger, die gelassener mit strittigen Entscheiden umgehen können, zumal wenn sie nun ihren 21. Cupfinal vorbereiten dürfen. Immerhin, in einem durfte sich Fischer eben bestätigt fühlen: In seinen Warnungen vor dem FCW. Notabene dem Letzten der Challenge League, der Nummer 20 des Landes, welche die Nummer 1 hart forderte. Und dennoch im fünften Cuptreffen zum fünften Mal verlor. (Der Landbote)

Erstellt: 05.04.2017, 23:19 Uhr

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