Fussball

Ein guter Punkt – schliesslich für beide

Der FC Winterthur spielt als Tabellenletzter stark beim Leader FC Zürich. Er geht zweimal in Führung und fährt dann mit einem 2:2 heim, das ein korrektes Resultat ist. Unterhaltsam war der ganze Anlass mit gut 10 000 Zuschauern, worunter etwa 1200 aus Winterthur.

Winterthurs Luca Radice, Mitte, jubelt nach seinem 0:1.

Winterthurs Luca Radice, Mitte, jubelt nach seinem 0:1. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie die FCW-Fans das Unentschieden werteten, war am Samstagabend leicht zu erkennen, als sie nach ihrer Rückkehr vom Letzigrund auf dem Bahnhofplatz feierten und tanzten. Aus ihrer Sicht war das – nach zwei 0:2-Niederlagen im Herbst – zweifelsfrei ein «guter» Punkt.

Trainer Umberto Romano kämpfte mit seinen unterschiedlichen Eindrücken. Er berichtete aus der Kabine, wo «alle unzufrieden» gewesen seien. Er selbst sei «schon leicht enttäuscht. Aber schliesslich wird es doch ein guter Punkt sein.» Er fand, seine Mannschaft habe «umgesetzt, was wir wollten – mutig spielen und etwas investieren. Die erste Halbzeit war fast perfekt.» Aber er sah auch, «dass wir ganz am Schluss noch hätten verlieren können – wenns blöd gelaufen wäre». So «blöd», wie es im Fussball eben manchmal läuft.

Fast wie einst in Bern

Und die Zürcher? Sie waren eigentlich nicht zufrieden, denn das ist grundsätzlich nicht, wer als souveräner Leader daheim gegen einen Tabellenletzten zwei Punkte abgibt. Aber mit Blick auf die Realitäten mussten sie doch erkennen, dass sie knapp mehr als dem Verlust zweier Punkte entgangen waren, nämlich der ersten Heimniederlage in dieser Meisterschaft. Also sagte ihr Trainer Uli Forte: «Wir müssen diesen Punkt akzeptieren.» Er fühlte zum einen bestätigt, «was ich vor dem Spiel sagte: Nämlich, dass die Tabelle keine Rolle spielt, dass Winterthur im Cup in Bern gezeigt hat, was möglich ist – und heute hätte sich das beinahe wiederholt.» Geärgert habe ihn, «dass wir in der ersten Halbzeit nicht gut spielten. Da spielten wir zu viele weite Bälle. Erst nachher hielten wir den Ball am Boden, und es ging besser.»

Umkämpft und umstritten: Auch in dieser Szene schenken sich der zweifache FCZ-Torschütze Dwamena und Winterthurs Guillaume Katz nichts.

Am knappsten fasst man es so zusammen: Der FCW war in der ersten, der FCZ in der zweiten Halbzeit besser, das Unentschieden absolut korrekt. Der FCW hatte etwas Schiedsrichterpech, der FCZ erarbeitete sich dafür allmählich ein Chancenplus. Aber es war auch so: Vor dem Match wäre jeder Zürcher mit einem Punkt unzufrieden gewesen, jeder Winterthurer zufrieden – nach diesem Spielverlauf war es eher umgekehrt. Die Zürcher konnten damit leben, zu deutlich ist ihr Vorsprung noch immer. Sie hatten in der ersten Halbzeit nur so gespielt wie schon zu Beginn der Rückrunde, als sie mühevoll in die Gänge gekommen waren. In der zweiten allerdings traten sie mit ihrer Offensivpower auf wie im Herbst so oft – eben wie die beste Mannschaft der Liga. Was sie bestätigt erhielten: Raphael Dwamena, der erst 21-jährige Ghanaer aus Vorarlberg, ist ein guter Transfer. Er schoss im Stil des Skorers im erst sechsten Match schon seine Tore Nummer drei und vier.

Romano sieht «gute Zeichen»

Romano wiederum wertete als «gutes Zeichen», dass seine Spieler mit dem Erreichten nicht zufrieden seien. Das liess ihn zumindest auf Ansätze jener Winnermentalität schliessen, die zuletzt oft vermisst wurde. Jetzt muss sie der FCW nur noch bestätigen, wenn die psychologische Ausgangslage nicht so günstig ist für einen Aussenseiter wie in Spielen gegen die Young Boys und nun den FCZ. «Wir müssen nun jene schlagen, die in unserer Reichweite sind», sagte Romano. Was ihn am meisten freute: «Die Art und Weise unseres Auftretens», die nun wirklich nicht die eines Tabellenletzten war – wie schon beim 0:1 gegen Neuchâtel Xamax. «Also wars ein nächster Schritt nach vorne», denkt Romano.

Eine Parallele zum – unglücklich verlorenen Match gegen Xamax – gab es allerdings: Wieder mussten sich die Winterthurer benachteiligt fühlen. Wieder wurde ihnen ein korrektes Tor nicht zugestanden, denn Verteidiger Guillaume Katz stand keineswegs im Abseits, als er in der 9. Minute eine Freistossball Gianluca Frontinos mit dem Kopf ins Tor lenkte. Später wurde auch Julian Roth im Abseits gesehen, obwohl er es klar nicht gewesen war. Und zehn Minuten vor Schluss mähte das Duo Umaru Bangura / Alain Nef Manuel Sutter um, ohne dass Elfmeter gepfiffen wurde.

An YB wiederum gemahnte nicht nur das Schlussresultat, sondern die Entstehung des zweiten Tores, diesmal das 2:1, damals das 2:2: Manuel Sutter schlug wieder einen erstklassigen Querpass Tobias Schättins ins Tor. Es war Schättins erst zweiter Ballkontakt, und das Tor fiel 81 Sekunden nach dem 1:1 des FCZ. Es war also sehr bedeutend. Das war auch der zweitletzte Pass. Mit dem spielte Tiziano Lanza, auch er erst kurz auf dem Platz, überraschend Schättin frei; es war der vielleicht feinste Pass im ganzen Spiel.

Das 1:0 hatte Luca Radice mit einer seit seiner Rückkehr aus Aarau kaum gesehenen Entschlossenheit erzielt. Radice war an diesem Abend erstmals wieder linker Aussenläufer; in dieser Rolle oder, wenns das System erfordert, als linker Aussenverteidiger ist er eindeutig besser als anderswo. Wie das eigentlich schon immer war. Beim FCZ war Dwamena gar zweimal entschlossener Torschütze. Das 2:2 allerdings war nur möglich, weil der zuvor beeindruckende David von Ballmoos patzte: Der FCW-Goalie hätte einen «einfachen» hohen Ball entweder fangen können oder dann entschlossen wegboxen sollen – aber nicht dem ein paar Meter vor ihm lauernden Dwamena in die Füsse . . .

Fortes Abschiedsgruss

Zum FCW wäre noch zu sagen: Die Verteidiger spielten gut, Zlatko Hebib so gut wie noch nie für den FCW. Er bot – endlich – eine über ein ganzes Spiel haltende ­solide Kombination aus Spiel­kultur, guter Organisation und Kampfbereitschaft, obwohl doch mit Silvio die beste Offensivkraft fehlte. Aber Romano wird schon in zwei Wochen im Schlüsselspiel gegen Wil wieder umstellen müssen: Silvio kehrt zwar zurück, dafür sind nun Verteidiger Roth und Frontino gesperrt. Beide wurden im «Eins» des FCW erstmals verwarnt, aber Roth hatte schon drei Gelbe Karten aus der U21 auf dem Konto, Frontino brachte gar sieben aus Schaffhausen mit.

Nach 90 Minuten, die in dieser Saison wohl die spannendsten und unterhaltsamsten mit dem FCZ im Letzigrund waren, verabschiedete Forte den Kollegen Romano mit diesen Worten: «Spielt ihr so weiter, steigt ihr sicher nicht ab.» Das hatte eine Woche zuvor schon Michel Decastel von Xamax getan. Damals hatte der FCW verloren, diesmal nahm er wenigstens einen Punkt mit. Letzter ist er noch immer.

Ärgerlich für Winterthur bloss, dass es sich bei den gegen siegreichen Tessinern ebenfalls um einen Konkurrenten im Abstiegskampf handelt, der mit diesem Sieg seinen Vorsprung auf den FCW auf drei Punkte auszubauen vermag. (hjs)

Erstellt: 18.03.2017, 21:38 Uhr

Umfrage

Der FCW ist als Letzter akut vom Abstieg bedroht, steht nach dem Coup gegen YB allerdings sensationell im Cup-Halbfinal. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison?

Ein spannender Abstiegskampf und die Jahrhundertchance auf den Cup-Sieg. Fussball-Herz was willst du mehr?

 
17.2%

Zufrieden? Sicher nicht! Die Meisterschaft hat Priorität und ein Abstieg wäre eine Katastrophe.

 
57.0%

Solang die Schützi steht, die Bier-Kurve bebt und die Libero Bar geöffnet hat, bin ich mit dem FCW immer zufrieden.

 
25.8%

151 Stimmen


Matchtelegramm

Zürich - Winterthur 2:2 (0:1)
10'260 Zuschauer. SR Hänni.

Tore: 39. Radice 0:1. 73. Dwamena 1:1. 75. Sutter 1:2. 86. Dwamena 2:2.

Challenge League

Resultate und Tabelle

25. Runde. Samstag:
Wil - Chiasso 1:3 (0:1)
Zürich - Winterthur 2:2 (0:1)

Sonntag:
Aarau - Servette 15.00
Schaffhausen - Wohlen 15.00

Montag:
Le Mont - Neuchâtel Xamax FCS 19.45

Rangliste:
1. Zürich 24/59 (61:16).
2. Neuchâtel Xamax FCS 24/49 (42:24).
3. Servette 24/43 (39:32).
4. Aarau 23/36 (39:38).
5. Le Mont 24/29 (20:28).
6. Wil 25/27 (26:35).
7. Chiasso 25/25 (29:36).
8. Schaffhausen 24/24 (34:46).
9. Wohlen 24/23 (26:44).
10. Winterthur 25/22 (24:41).

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!

Kommentare

Werbung

KIWI

Kiwi Kinos Winterthur