Wettkampfmässiges Auslaufen

Pfadi Winterthur erfreute mit dem 40:21 über den RTV Basel die Zuschauer, tat etwas fürs Torverhältnis und steht auf Platz 2 der NLA.

Oliver Scheuner fliegt: Der Linkshänder überzeugte gestern mit seinen diversen Wurfvarianten und Zuspielen.

Oliver Scheuner fliegt: Der Linkshänder überzeugte gestern mit seinen diversen Wurfvarianten und Zuspielen. Bild: Heinz Diener

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Gezweifelt daran hatte eigentlich niemand: Diesen RTV Basel würden die Pfader in der Eulachhalle schlagen. Und bei Spielbeginn war die Sache noch ein bisschen klarer. Denn die Basler waren nur mit neun Feldspielern und ohne ihren Coach nach Winterthur gereist. Wenn man pingelig sein möchte, könnte man bemängeln, dass die Pfader in den ersten fünf Minuten zweimal in Rückstand gerieten. Oder dass sie vor der Pause den einen oder andern Ball zu viel verschossen. Oder dass sie in der zweiten Hälfte in der Abwehr nicht mehr immer dezidiert zugriffen.

Aber wer mochte schon kleinlich urteilen nach 60 Minuten, die den Besuchern und den Pfadi-Spielern (nicht den Baslern) viel Spass bereitet hatten. Es war quasi ein wettkampfmässiges Auslaufen nach der grossen Leistung in Polen, die doch auch sehr viel Ener­gie­ gekostet hatte.

Jeder – ausser Michelin Celestin, der geschont wurde – durfte sich bewegen, schon bald Handball spielen ohne jeglichen Druck. Denn nach dem 3:3 nach fünf ­Minuten war für die Basler während knapp einer Viertelstunde Schluss mit Toreschiessen. Pfadi ging 12:3 in Führung. Und mit ein bisschen mehr Konsequenz im Abschluss wäre es sehr wohl möglich gewesen, bereits in einer Halbzeit so viel Tore zu erzielen wie bei jener unerklärlichen 19:21-Niederlage vom 19. September in Basel. Es waren nur 18, das 19. fiel dann nach 32 Minuten.

Dafür standen am Ende 40 Treffer auf dem Pluskonto. Die 19 Tore Unterschied schlugen sich auch im Torverhältnis nieder. Die Pfader sind nun, punktgleich mit Kriens-Luzern, erster Verfolger der Kadetten.

«Spass haben, versuchen, die Pace durchzuziehen, und das Publikum unterhalten» – das hatte Trainer Adi Brüngger der Mannschaft in der Pause mitgegeben. Sie erfüllte die Vorgaben, spielte praktisch in allen Aufstellungsvarianten. Und sorgte für einige aussergewöhnliche Ausrufezeichen.

Marcel Hess wurde bereits vor dem Match für sein 454. NLA-Spiel geehrt, mit dem er den bisherigen Rekordhalter Antoine Ebinger einholte. Ein Album mit Fotos von seinen Handballanfängen bis heute erhielt er. Und später durfte er gar im Spiel eine Halbzeit einfach zuschauen (nachdem er in der ersten Hälfte vier Tore erzielt hatte).

Pascal Vernier stand erstmals seit rund zwei Jahren in der Startaufstellung eines NLA-Teams. Der Linkshänder erzielte das erste Tor des Abends.

Arunas Vaskevicius kam in 45 Minuten nicht nur auf 14 Paraden, sondern er leistete zwei höchst spektakuläre Assists – in Zusammenarbeit mit Marvin Lier. Der Flügel nahm das Zuspiel des Goalies an, machte (höchstens) noch einen Schritt – und schon war der Ball im Tor.

Oliver Scheuner, erst für die zweite Hälfte aufs Feld gekommen, legte eine beinahe schon einzigartige Serie hin. In der 34. Minute erzielte er mit seinem ersten Schuss das 20:11. 12 Minuten später traf er zum letzten Mal (31:15) – aber: Er erzielte in dieser Phase sieben Treffer, nur einmal verschoss er. Und nur vier Treffer gingen in dieser kurzen Zeit nicht auf sein Konto. Dazu leistete der Rechtsaussen den Assist des Abends beim doppelten Flieger, den Roman Sidorowicz in der 57. Minute zum 39:20 abschloss.

Marvin Lier schliesslich war bester Schütze des Abends und wohl doch nicht ganz so richtig glücklich. Denn er musste den 40. Treffer mit einem Penalty in der letzten Minuten erzielen. Wer das 40. Tor erzielt, ist angehalten, die Kollegen zu einer Getränkerunde einzuladen. Der Penalty war ihm vom Trainer «verordnet» worden, weil sich der Linksaussen nach dem 39:20 zweimal im Gegenstoss ein bisschen zu offensichtlich zurückgehalten hatte.

Die Ener­gie­, welche die Pfader gestern gespart haben, können sie in den nächsten Aufgaben, zum Beispiel am Samstag in Thun, gut gebrauchen.

Eine einzige Frage nur war es, die gestern Abend unbeantwortet blieb – und sie wird es wohl noch jahrelang bleiben: Wie nur war es möglich, dass Pfadi im September gegen den RTV nur 19 Törchen hat erzielen können?

Geschäftsführer gesucht

Eine andere Frage neben dem Handballfeld hat sich diese Woche auch noch aufgetan. Wer wird Geschäftsführer bei Pfadi? Denn Joel Scheidegger, der erst im Oktober die Nachfolge Sacha von der Crones angetreten hatte, kündigte innerhalb der Probezeit sein Engagement. Die Pfader sind also bereits wieder auf der Suche nach einem Geschäftsführer. Um das ordentliche Tagesgeschäft weiterhin erledigen zu können, hat der Verein kurzfristig Massnahmen getroffen ...

Für die Durchführung der Europacup-Gruppenphase, welche ab Februar 2016 zusätzlich sechs internationale Spiele mit sich bringt, wird ohnehin eine Spezialorganisation aufgebaut. Das war schon in der letzten Saison so. (Landbote)

(Erstellt: 03.12.2015, 14:02 Uhr)

Stichworte

EHF-Cup

Mit der Auslosung der Gruppen im EHF-Cup steht heute für Pfadi bereits der nächste Termin an, wenn auch nur als Beobachter aus der Ferne. Pfadi ist zusammen mit Nantes, Dinamo Bukarest und Ystads IF in Pott 3 eingeteilt. Viel voraussagen lässt sich allerdings nicht. Denn die 16 Teams stammen aus nur neun Nationen, Frankreich und Dänemark stellen je 3, Deutschland, Spanien und Rumänien je zwei Teams. Bei der Auslosung geht es nicht in erster Linie ­darum, die Mannschaften den Töpfen gemäss in Gruppen ­einzuteilen, sondern es wird – nach klaren Vorgaben – ver­mieden, dass zwei Teams aus dem gleichen Land in einer Gruppe spielen.

HANDBALL NLA

Pfadi Winterthur – RTV Basel 40:21 (18:8)

Eulachhalle. – 350 Zuschauer. – SR Meier/Hennig. – Torfolge: 1:0, 3:3, 12:3, 12:5, 14:6, 17:6, 18:8; 18:10, 19:11, 20:12, 24:12, 24:14, 29:14, 29:15, 33:15, 35:17, 38:20, 39:21, 40:21. – Strafen: 3×2 gegen Pfadi, 1×2 gegen den RTV Basel. – Pfadi Winterthur: Vaskevicius (45. Bringolf); Jud (3), Vernier (1), Sidorowicz (3), Tynowsky (2), Gavranovic (2), Hess (4/1), Freivogel (3), Svajlen (2), Maros (2/1), Corovic (2), Lier (9/1), Scheuner (7/1). – RTV Basel: Ullrich (31. Steiner, 55. Kujan); Ebi (2), Langhein, Wessner (1), Basler (1), Vukelic (4), Kozina (7), Dannmeyer (3), Kaiser (1), Schröder (2). – Bemerkungen: Pfadi ohne Meier. RTV ohne Hylken, Goepfert, Stamenov, Martinez (alle verletzt) und Jurca (krank). – Bringolf hält Penalty von Kozina (47./31:15).

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