Youth America's Cup

Der etwas andere Segelgenuss

Der 23-jährige Hettlinger Florian Trüb ist einer von sieben Schweizern, die sich seit Monaten auf den Youth America’s Cup im Juni auf Bermuda vorbereiten.

Bei der Hauptprobe zum Youth America's Cup Anfang April flogen die Schweizer (im Boot links) vor Bermuda über das Wasser.

Bei der Hauptprobe zum Youth America's Cup Anfang April flogen die Schweizer (im Boot links) vor Bermuda über das Wasser. Bild: Alex Schneiter/MaxComm

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Bermuda tönt nach Ferien. Ist es aber nicht. Zumindest nicht für Florian Trüb und seine Bootskameraden. «Gemütlich ist es eigentlich nie», lächelt der ­23-Jährige, «sondern brutal physisch.» Der Katamaran AC45F mit einer Mastlänge von gut 21 Metern gleitet nicht durchs Wasser. Er fliegt, bis zu 70 Stundenkilometer schnell.

Als Vorsegeltrimmer, seine bisher häufigste Aufgabe, sieht sich Florian Trüb mit enormen Kräften konfrontiert. «Der grosse Gennaker zieht schon ziemlich», bemerkt er. Ist dieses Segel dicht geholt, lasten rund 1,5 Tonnen auf dem Seil, das er zu bedienen hat. Mit einer Hand hält er es, mit der zweiten bedient er die Winch. Den Job noch anspruchsvoller macht, dass während des Segelns «der Oberkörper selten stabil ist». Welche Funktion er am Youth America’s Cup letztlich übernimmt, steht noch nicht fest. Von den sieben Mitgliedern des Teams Tilt, das von Swiss Sailing unterstützt wird und talentierte Segler fördert, können nur sechs die Rennen bestreiten.

Florian Trüb, der Hettlinger, ist der Deutschschweizer unter sechs Romands. Teamsprache ist Französisch. Ein Fach, das zu Schulzeiten nicht zu seinen Stärken zählte. «Eine knappe Vier» habe er an der Matur geschafft, lächelt er. «Aber wenn man es immer hört und spricht, geht es schnell besser.»

Von 33 auf 7

Ausgewählt wurde das Septett – alle zwischen 19 und 24 Jahre alt – aus 33 Kandidaten, die sich verschiedenen Tests gestellt hatten. Es begann Ende 2015 mit der Ausschreibung via Swiss Sailing. Zuerst ein Fragebogen per ­E-Mail, dann ein Gespräch mit dem Coach sowie Trainings auf dem Genfersee. Im September 2016 blieben acht Segler übrig, auf Anfang 2017 musste auf sieben reduziert werden. Trüb überstand alle Cuts und die happigen Fitnesstests. «Es war kein Genuss», beschreibt er. «Unser Konditionstrainer kam immer wieder auf so komische Ideen …» Dazu gehörte ein 14 km langer Traillauf im Schnee.

Das Resultat: Florian Trüb wirkt so austrainiert wie ein Hand­baller, der er auch hätte werden können. Bei Pfadis U17-Elite verletzte er sich am Knie, legte eine lange Pause ein und begann immer mehr zu segeln. Angefangen hatte es einst in Romanshorn auf dem Boot des Grossvaters. «Gemütlich, mit einer Cola in der Hand» seien jene Törns gewesen, erinnert er sich.

Der Techniker

2012 bestritt Florian Trüb die ersten Rennen. Über Christian Scherrer, den Winterthurer, der 2003 im Team war, als Alin­ghi in Neuseeland erster Schweizer ­Sieger des America’s Cup wurde, stieg er bei Sportboot-Regatten ein. 2013 arbeitete er zudem als technische Hilfskraft für Scherrers selbst konzipiertes Boot. 2015 half er dem Offshore-Segler Simon Koster, einen Prototyp für ein Transatlantikrennen einzurichten.

Jedes Crewmitglied des Teams Tilt übernimmt eine zweite Aufgabe ausserhalb des Segelns. Gemäss seinen Vorkenntnissen kümmert sich Florian Trüb um technische Arbeiten. Das Maschinentechnikstudium hat er derzeit unterbrochen. Wegen des Ame­rica’s Cup habe er «keine Zeit».

Oman, Bermuda, Gardasee

Kein Wunder, denn eigentlich ist der Hettlinger seit Monaten nur noch unterwegs: Trainingsfahrten in Oman und vor Bermuda, kurze Radferien mit der Familie über Ostern in der Toskana und ab Ende dieser Woche die letzten Trainings und Testrennen auf dem Gardasee, die einen Monat dauern. «Dort werden wir sehen, wo wir stehen», erklärt Florian Trüb. Auch andere Equipen, die ab 12. Juni am Youth America’s Cup antreten, werden auf dem Gardasee trainieren. Am 31. Mai dann geht die Reise los zum grossen Rennen.

Anfang April haben sich die Schwei­zer vor Bermuda dar­auf vorbereitet. Zum ersten Mal segelten sie da einen AC45F, einen eindrucksvollen America’s-Cup-Katamaran. Die Premiere auf ­diesem grösseren und reicher ausgestatteten Boot sei schwierig gewesen, blickt Florian Trüb zurück. «Wir sind die Manöver zuerst zu kompliziert angegangen. Nachher lief es recht gut, und in den letzten Tagen konnten wir am Finetuning arbeiten.»

Ferien verbrachten er und ­seine sechs Kollegen allerdings in der Tat nicht. «Bermuda ist richtig mitten im Atlantik», beschreibt der Hettlinger. Und entsprechend windig.

Treffen mit der Weltelite

Zum zweiten Mal nach 2013 wird der Youth America’s Cup ausgetragen – am gleichen Ort und zur gleichen Zeit wie der «richtige» America’s Cup, das bedeutendste Segelrennen der Welt. Je sechs Nachwuchsteams in zwei Gruppen stehen sich im Great Sound vor Bermuda in den Qualifikationsrennen vom 12. bis 16. Juni gegenüber, jeweils die Top 4 stossen in den Final vom 20. und 21. Juni vor. Der Veranstalter stellt die weltweit einzigen acht AC45F-Katamarane zur Verfügung; jener des Teams Tilt wurde aus Neuseeland eingeschifft.

2013 bei der Premiere vor San Francisco schlossen die Schweizer auf dem 4. Platz ab, nur ein Punkt fehlte ihnen zu Rang 3. Das Ziel für 2017 ist klar: «Wir wollen es noch besser machen und aufs Podest kommen», betont Florian Trüb. Die Kon­kurrenz stammt aus den USA, Bermuda, Dänemark, Österreich, Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Spanien, Schweden, Japan und Neuseeland. Die Nachwuchssegler absolvieren den gleichen Kurs wie die America’s-Cup-Elite und stehen mit ihr auch an Land in engem Kontakt. Boote der J-Klasse (mit Christian Scherrer) sowie Superjachten befinden sich ebenfalls im Einsatz. «Das wird sicher spannend», freut sich Florian Trüb auf die Rennen und die Kontakte mit der Segelelite. «Es hat so viele Segler dort, die schon den America’s Cup oder Olympiamedaillen gewon­nen haben.» ()

Erstellt: 20.04.2017, 09:10 Uhr

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