Regensdorf

Traktorpiloten sind wieder auf Achse

Unter Geknatter und gehüllt in Dieselqualm sind «General» Viktor Gerussi und zwei Getreue am Montag zu ihrer 21. Pässefahrt aufgebrochen.

Die Chauffeure mit ihren knatternden Kisten sind wieder Richtung Tessin unterwegs. Andreas Wagner, Viktor Gerussi (1. und 2. von links) sowie Adolf Huchler (rechts) fahren wie jedes Jahr über den Gotthard. Regensdorfs Gemeindpräsident Max Walter wünschte viel Glück.

Die Chauffeure mit ihren knatternden Kisten sind wieder Richtung Tessin unterwegs. Andreas Wagner, Viktor Gerussi (1. und 2. von links) sowie Adolf Huchler (rechts) fahren wie jedes Jahr über den Gotthard. Regensdorfs Gemeindpräsident Max Walter wünschte viel Glück. Bild: Francisco Carrascosa

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Mit ernster Miene steuert Viktor Gerussi seinen 57er-Bührer zum Treffpunkt auf den Parkplatz gegenüber dem Einkaufszentrum. Im Schlepptau hat der Regensdorfer einen Anhänger mit Sprit, Öl, Wasser, Wagenheber, Unterlagshölzer, Schraubenschlüssel, Drahtschere, Drahtseil zum Abschleppen und Heckenschere. Die Sonnenblumen am Kühlergrill des 1900 Kilo schweren Veteranen wirken bereits vor der Fahrt ein wenig schlapp. «Merkwürdig», sagt Viktor, «ich habe sie doch in heisses Wasser gelegt, damit sie länger halten.»

Er persönlich fühle sich fit. In seinen handgestrickten Socken steht der Mann mit Baujahr 1932 da wie eine Eins. Es ist ihm schon zuzutrauen, dass er die Kameraden über alle Berge und wieder zurück ins Furttal führt. Er wird darüber wachen, dass im Konvoi der Abstand von 30 Meter eingehalten wird und wenn der Weg frei zum Überholen ist, werden seine Männer es den Automobilisten mit dem Blinken nach rechts signalisieren. «Vor allem aber verlange ich Disziplin», sagt der «General» und in seinen Augen flackert die List.

Ende Woche wieder zurück

Der Gotthardtunnel ist aktuell wegen Arbeiten gesperrt und auf der Passstrasse wird die Schlange hinter Viktors Gefolge wohl lang werden. Für fünf Tage aufatmen dürfen hingegen die Unterländer. Das Fehlen der personifizierten Verkehrsberuhigung werden Zahlreiche als positiv registrieren. Doch für all diejenigen, die das Original auf seinem mit Fähnchen geschmückten Traktor, vermissen werden: Viktor «Traktor» Gerussi wird, wenn alles gut geht, ab Freitag die Menschen der Region wieder glücklich machen.

Zweiköpfige «Armee»

2016 gab Gerussi zum 20-Jahr-Jubiläum der Truppe den Generalposten ab. «Inzwischen habe ich geputscht und bin wieder General», sagt er und lacht schallend. Ob er sich als «General» nicht mehr «Soldaten» wünsche, möchte man von ihm wissen. «Ach was! Die Schweizer Armee hatte ja auch mal 650 000 Mann und jetzt sind es nur eine Handvoll», sagt er und klopft sich auf den Schenkel.

Youngster seiner Truppe ist der 72er-Deutz von Adolf Huchler. Der 77-Jährige ist im Morgengrauen im Deutschen Donaueschingen, dem Land der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei, abgefahren. Inhaber dieser Institution war einst Joachim Egon Fürst zu Fürstenberg. Ihrer Durchlaucht hat Gerussi schon die Hand geschüttelt und schwärmt nun von dessen Tugenden. «In Brauerei und Büro immer da, wenn Not am Mann war», sagt er und pfeift durch die Zahnlücke. Mit von der Partie ist auch der 60-jährige Andreas Wagner aus Linden auf seinem gleich alten Britischen Flugzeugschlepper, David Brown «Taskmaster».

Gemeindepräsident vor Ort

Die erste Etappe über 146 Kilometer führt das Trio auf den Gotthardpass. Am zweiten Tag geht es hinunter ins Tessin und dann hinauf auf den San Bernadino. Zurück nach Regensdorf gehts über die Pässe Splügen und Klausen. Total legen die drei Kameraden 583 Kilometer zurück.

Diese reife Leistung würdigt auch Gemeindepräsident Max Walter. Er ist mit seinem Fahrrad gekommen, um sich das Spektakel anzuschauen. Er sagt: «Es ist immer schön, wenn eine Tradition aufrecht erhalten wird. Da komme ich doch gerne um eine Gute Reise zu wünschen.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 19.06.2017, 15:07 Uhr

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