WINTERTHUR

Casinotheater first

Einmal im Jahr denkt das Casinotheater nur an sich selbst. An der Gala am Samstag lachten, speisten und tanzten 335 Gäste. So great.

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Mucksmäuschenstill im Theatersaal. Auf der Bühne steht ganz alleine er. Mit seinem Cüpliglas. Mit dem knallbunten Irokesenschnitt. Der Umstrittene. Andreas Thiel. Es ist eine jener Sekunden, die länger dauern als andere, weil alle denken: Was macht er jetzt? Er macht Comedy. Poetisch. Surreal. Manchmal bissig. Es geht um Eskimos in der Wüste und Pinguine in Gaza. Er knallt seine Nummer hin. Einfach so. Und ganz egal, was sonst alles war: Diesmal ist er so richtig gut. Er hat nie aufgehört, und doch ist es ein Auftritt wie ein Comeback. Eines mit viel Applaus.

Die grösste Gala der Welt

Angekündigt hat Thiel und den ganzen Abend Viktor Giacobbo, der Hausherr im Casinotheater und heute Gastgeber. Es sei die grösste Gala im Kanton. Am Opernball in Zürich waren 89 Gäste. So schade. In Winterthur sind es 15 000. Giacobbo gibt den Trump. Make the Casinotheater rentabel again. Die mächtigsten Witze der Welt. Doch auch die muss man gut erzählen.

Es ist der Start in einen Abend mit Feuerwerk. Das Slam-Kabarett-Duo Interrobang bestehend aus Valerio Moser und Manuel Diener besingt das Fondue. Die Schweiz ist geil. Die Berlinerin Julia Gámez Martin und die Schwäbin Ariane Müller machen als Suchtpotenzial Musik wie ein Chamäleon. Das Duo Fischbach kann es noch immer. Wie auch Patrick Frey, er moderiert den zweiten Teil des Showblocks ziemlich schräg. Evangelikale Gruppen verteidigen Winterthur, das zum Mekka der Ostschweiz zu werden droht.

Mit Humor geht auch Kack und Pimmel

Mit Humor geht eben alles. Sogar Johnny Armstrong, Komödiant mit Wikinger-Salafisten-Bart. Der macht keinen Witz, der in der Zeitung zitierfähig wäre. Alles Kack und Pimmel. Grausam gruusig, aber jeder Satz eine Pointe. Das Glanzlicht zum Schluss ist Sina. Sie singt drei wunderbare Songs. Da wird auch noch Pfungen geadelt.

Dabei ist das Bühnenprogramm für einmal nur Nebensache. Die Gala ist Apéro, Promitreff, Tombola, Kleinkunstszene, Dinnerbuffet und sogar ein bisschen Modeschau. An der Garderobe nehmen Schauspielerin Denise Geiser und Buchautor Beni Thurnheer die Mäntel und Regenschirme in Empfang. Den Willkommenstrunk reicht Bauer-sucht-Frau-Moderator Marco Fritsche.

Claudio Zanetti vergisst sogar das Twittern

Der Festsaal ist dann zum Dinner in grün geschmückt. Die Stadt Zürich ist in Form von Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) und Bernhard-Theater-Chefin Hanna Scheuring vertreten. Bundesbern ist auch da, zum Beispiel die Grande Dame der FDP, Christine Egerszegi, Ständerat Ruedi Noser (FDP) und, als einzige Winterthurer Nationalrätin, Maja Ingold (EVP). Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) und Stadträtin Yvonne Beutler (SP) sind bester Laune. SVP-Nationalrat Claudio Zanetti ist sogar so gut drauf, dass er am ganzen Abend nur ein einziges Mal twittert.

Egal wie illuster das Publikum: Die Tombola ist immer ein Renner, vor allem wenn sie Mike Müller moderiert. Zuerst wird noch Starautor Martin Suter als neuer Casinotheater-Aktionär gehörig geneckt. Dann gewinnt Kathrin Bänziger einen Besuch für Zwei am Festival da Jazz in St. Moritz inklusive Übernachtung im 5-Sterne-Hotel Kulm. Müller versucht sich dazu einzuladen, obwohl Ex-Stadtpräsident Ernst Wohlwend im Publikum sitzt.

Ein Töggelikasten für den Kulturmanager

Kulturmanager Pascal Mettler gewinnt einen edlen Töggelikasten. Coletta Zwimpfer vom Ademas, dem Laden für schöne Sachen in der Altstadt, wird ein Bio-Büffelledersessel zugelost, gesponsert ausgerechnet von einem Online-Konkurrenten. Domenico Blass, Headwriter der Fernsehshow Giacobbo/Müller, holt sich einen 3000-Franken-Schmuckgutschein ab, und platziert die schnulzigste Zeile des Abends: «Der ist für meine Frau, denn sie ist sowieso mein schönster Schmuck.» Jemand hat das unverschandte Glück gleich zwei der zwölf Hauptpreise einzusacken. Und der Hauptpreis ist zum Abheben: ein 8000-Franken-Business-Class-Gutschein der Schweizer Fluggesellschaft. Man sagt, da stecke Ex-Swiss-Präsident Bruno Gehrig dahinter, der auch im Publikum sitzt.

Erdbeer-Mojito in der Disco

In der Geisterstunde beginnt die Disco mit den DJs Lara Stoll und Röbi Koller, wobei letzterer aus unklaren Gründen fehlt. Es wird getanzt, geplaudert und getrunken, SP-Frau Jacqueline Badran lässt sich von ein paar Einheimischen einen Virgin-Erdbeer-Mojito organisieren. Die Casiontheater-Gala ist ein All-Inclusive-Angebot: Show, Schmaus, Trank und alles drum herum für 450 Franken. So betrachtet ist erstaunlich, dass auch gegen den Morgen zu nicht mehr gebechert wird. Ab 03 Uhr beginnt DJ Stoll-Hitkiste dann doch noch, Stücke aufzulegen, die jünger sind als sie selbst. Das stört unterdessen keinen mehr. Es tanzen Bühnenvolk und Publikum. Eine Nacht wie das Casinotheater: Makes Winterthur great again. (Der Landbote)

Erstellt: 19.03.2017, 13:27 Uhr

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