Winterthur Winterthur

Kunst für die Menschen von hier

Eine schöne Winterthurer Angelegenheit, diese Ausstellung mit Winterthurer Kunst aus Winterthurer Privatbesitz: Sie spiegelt lokale Kunstgeschichte und private Sammlerleidenschaft.

Farbklang und Atmosphäre: Blick  in den Salon mit Pastellen von Werner Meyer (1896–1981) und dem Bronzekopf von Robert Corti (um 1948), einer Arbeit von Hans U. Eduard Bühler (1893–1967).

Farbklang und Atmosphäre: Blick in den Salon mit Pastellen von Werner Meyer (1896–1981) und dem Bronzekopf von Robert Corti (um 1948), einer Arbeit von Hans U. Eduard Bühler (1893–1967). Bild: Enzo Lopardo

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Dornröschenschlaf? Von wegen! In der Villa Flora blüht die Kunst auch in Abwesenheit der Meisterwerke der ehemaligen Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser, anders zwar, aber sie blüht eben doch. Drei Ausstellungen haben es bereits bewiesen, die vierte beweist es nun erneut. Natürlich nicht mit so grossen Namen, wie man sie von den hauseigenen Werken der Stiftung Hahnloser/Jaeggli kennt, dafür mit Namen, die vor ein, zwei oder drei Generationen jedem kunstinteressierten Winterthurer vertraut waren. Von A wie Jean Affeltranger bis Z wie Rudolf Zender reichen die in der aktuellen Ausstellung vertretenen Künstler; 18 Männer sind es und eine Frau. Im zweiten Teil von «Wohlbehütet – Wertgeschätzt», der ab Ende Juni gezeigt wird, werden von 23 Kunstschaffenden immerhin vier Frauen sein.

Engagierte Frauen

Eine Frau steht auch am Beginn dieser Schau – und das in doppeltem Sinn. Gleich im Entrée fällt der Blick auf das zeichnerisch bewegte «Portrait Hedy H.» von Rudolf Zender, um 1940 gemalt. Das nicht sehr grosse Ölbild zeigt Hedy Hahnloser-Bühler, die zusammen mit ihrem Mann Arthur die «Flora» zu einem eigentlichen Haus der Kunst machte, als Frau von knapp siebzig: ein ungeschöntes Bild in Grün, Grau und Rosa – die markante Nase, die hohen Brauen, der ernst-verlorene Blick. Durch seine Schulkameradin Lisa, Tochter der Hahnlosers, war Zender zum ersten Mal mit Kunst in Kontakt gekommen. Das drei Jahrzehnte später entstandene Porträt stammt, wie zwei weitere von insgesamt sieben Gemälden Zenders, aus dem Besitz der Nachfahren des Sammlerpaars.

Eine Frau steht auch hinter dieser Schau, die nun grössere und kleinere verborgene Schätze von Winterthurer Kunst aus Winterthurer Privatbesitz an die Öffentlichkeit bringt: Gastkuratorin Lucia Angela Cavegn, seit langem für die Kunst in Winterthur und Winterthurer Kunst im Einsatz und vielen Museumsbesuchern als Kunstvermittlerin vertraut, hat die Idee gehabt, das private Kunstsammeln ins Zentrum einer Ausstellung zu stellen.

Die Idee zu einer Schau mit ausgeprägt lokalem Bezug kam beim Trägerverein der Villa Flora gut an, und nachdem sich Cavegn bei zehn Sammlern umgesehen hatte, begann das Projekt «Wohlbehütet – Wertgeschätzt» immer grössere Formen anzunehmen. Aus etwa 30 Häusern kam zusammen, was jetzt in zwei aufeinander folgenden Ausstellungen gezeigt wird: zweimal je rund 100 Werke von insgesamt 42 Künstlerinnen und Künstlern. Die älteren, bis auf wenige Ausnahmen alle im 19. Jahrhundert geboren, werden zuerst gezeigt; die jüngeren, einige von ihnen wie Manfred Schoch erst jüngst verstorben, folgen in gut drei Monaten.

Kunstgeschichte – Geschichten

Mögen die Künstler, von denen viele zu Lebzeiten die städtische und regionale Kulturlandschaft entscheidend mitprägten, heute auch zum Teil vergessen oder manchen nur als Namen ein vager Begriff sein: Bei den privaten Liebhabern und Sammlern leben sie weiter und schreiben, direkt oder indirekt, mit an der lokalen und regionalen Kunstgeschichte.

Das Persönliche, ja das Naheliegende, das Fassbare und Verständliche machen denn auch den Reiz der Ausstellung aus. Wiedererkennen spielt eine grosse Rolle, ebenso das Erzählerische in manchen Werken, die Erinnerungen und Geschichten, die sie gerade im nicht mehr ganz jungen Betrachter wachrufen. Die Frage, wie bedeutend dieses oder jenes Kunstwerk sei, rückt dabei in den Hintergrund. Natürlich geht es auch um Qualität und historische Relevanz, nicht weniger aber darum, ob ein Werk unser Interesse hervorruft.

Fernes und Vertrautes

Das darf auch ein ganz anekdotisches Interesse sein, wie es einen packen mag beim Anblick des selbstsicher, fast trotzig wirkenden Buben in kurzen Hosen, einer Bronzefigur des vielseitigen, für seine Pferdeskulpturen bekannten Hans U. Eduard Bühler, die den nicht weniger vielseitigen Patrick Frey als Kind darstellt. Oder oben im Eckzimmer, wo man in mehreren kleinen Ölgemälden dem Kind W. V. mit den grossen, fragenden Augen begegnen kann, auch dem repräsentativen Bildnis von G. V., in der man sofort die Mutter von Christine Geiser-Vogel und damit auch von Wolfgang Vogel jun. erkennt. Mit attraktiven Zirkusbildern leistet Hans Schoellhorn diesen Gemälden von Robert Wehrlin Gesellschaft.

Andere wieder mögen sich erfreuen am stimmigen, still faszinierenden Realismus der vor 100 Jahren entstandenen Winterlandschaft von Alfred Kolb oder der Kleinandelfinger Thurbrücke, wie sie vor über 60 Jahren Adolf Robert Holzmann gesehen hat.

Landschaften begegnet man immer wieder, einheimischen und fremden – bei Albert Bosshard, Jakob Herzog, Gustav Weiss ... Auch bei Fritz Bernhard, der hier jedoch besonders durch erzählerische Arbeiten fasziniert: das eigenartige «Bild in trüber Stimmung» mit seinen zerbrochenen Beziehungen und das Spätwerk mit Motiven zu «Spiegel das Kätzchen», die stark an Albert Welti erinnern.

Kann sein, dass vieles in dieser Ausstellung harmlos ist, doch harmlos in einem positiven Sinn: nicht Leid, nicht Weh, nicht Kummer bereitend. Lauter Werke also, mit denen Menschen zusammengelebt und ihren Alltag geteilt haben und es oft bis heute tun.


Villa Flora, Tösstalstrasse 44, bis 18. Juni. Fr bis So 14–17 Uhr.
(Der Landbote)

Erstellt: 17.03.2017, 10:49 Uhr

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