Kurzfilmtage

Kurz eingenickt, kurz Tränen gelacht

Zum 20-Jahr-Jubiläum wurden dieWinterthurer Kurzfilmtage von über 17 000 Zuschauern besucht.Wer nicht 30 Minuten vorher da war, bekam im Festsaaldes Casinotheaters kaum mehr einen Platz.

Erhielt an den Winterthurer Kurzfilmtagen den Publikumspreis: Der Schweizer Film «Digital Immigrants» von Dennis Stauffer und Norbert Kottmann.

Erhielt an den Winterthurer Kurzfilmtagen den Publikumspreis: Der Schweizer Film «Digital Immigrants» von Dennis Stauffer und Norbert Kottmann. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was ist ein Kurzfilm? Alles unter 30 Minuten. Alle Sparten und Formen zu allen Themen. Ausaller Herren Ländern. Oder alles miteinander verknüpft. Das bringt Überraschungen mit sich. Es werden Eindrücke, Stimmungen und Momentaufnahmen präsentiert, die einen staunen lassen. Doch auch Absurdes wird ertragen, es dauert ja nicht lange.Die zeitliche Begrenzung erlaubt Filmemachern und Künstlern, sich in besonderen Ausdrucksmöglichkeiten zu versuchen. Weniger kommerzielle Auflagen bedeuten mehr künstlerische Freiheit. Da kreuzen sich dann experimentelle Projekte mit Erzählungen, dokumentarische Interviews mit Fiktion. Das konnte den Zuschauer kurz überfordern, empören oder einschlummern lassen.

Schlafendes Kind – 25 Minuten

Bei der anschliessenden Fragerunde erklärten die Regisseure jeweils auf sympathische Weise ihre Ideen oder berichteten über Erlebnisse während des Drehs.

Die dänische Regisseurin Eva Marie Rødbro beispielsweise erzählte, wie sie Jugendlichen Haschisch gebracht habe, um sie für ihre Sache zu gewinnen. Darüber regte sich wiederum der Zürcher Filmemacher Simon Schenk auf: «Ich finde es verwerflich, wenn auf solchen Wegen Dinge provoziert werden, die sonst nicht geschehen wären. Niemand stopft sich in nüchternem Zustand einen Wellensittich in den Mund!»

Auch die portugiesische Künstlerin Salomé Lamas («Person im Fokus») polarisierte kurz. Sie zwang den Zuschauer 25 Minuten lang, die statische Aufnahme eines einschlafenden Kindes (sie selbst als kleines Mädchen) anzuschauen, und versetzte das Publikum dadurch selber in Schlummerzustand. Im Anschluss erklärte sie ihre Motivation. Das half ein wenig.

Lachen über Opas am PC

Sofort hellwach und quietsch­fidel wurde man dagegen beim Schweizer Film «Digital Immi­grants» von Dennis Stauffer und Norbert Kottmann. Der Film dokumentiert, wie Senioren in einem Kurs «Computeria» an die ihnen fremde, digitale Welt von Tablets, E-Mails und Apps geführt werden. Parallel dazu wird Archivmaterial aus den 80ern gezeigt, als der erste Heimcomputer in die Wohnzimmer kam.

Schon damals wurde die Gesellschaft in «Digital Natives» und «Digital Immigrants» gespalten. Die Zuschauer schüttelten sich vor Vergnügen. Im Fokus standen die nordischen Länder, die sich unter anderem mit dem nordischen Licht und Dunkelheit («In the Mood for Light») auseinandersetzten. In «Mot Nord» skaten Extrem-Skateboarder nachts (oder bei Tag?) auf Eis und gefrorenem Strand vor einer atemberaubenden Kulisse des norwegischen Meers – Bilder in einem Lichtspektrum von Weiss zu Blau, die schlicht überwältigen.

Riesige Vielfalt

Andererseits lassen Drogen und Alkohol die von der permanenten Dunkelheit erdrückten Gemüter vermeintlich erhellen («What­everest»). Und moderne Rentierhirten, von Kopf bis Fuss in Fell eingepackt, rauchen auf ihren Schneefahrzeugen inmitten prächtigster Eislandschaften («Sami boddu»). Ein Stückchen fremde Welt wurde dem Publikum nähergebracht, ästhetisch umgesetzt, mit grossem Verständnis und Liebe zu den Menschen in ihren Gegebenheiten.

Kurz und intensiv waren sie, die Eindrücke dieses Festivals. Und einmal mehr wurde eine riesige Vielfalt an filmischen Möglichkeiten präsentiert. Lange lebe der Kurzfilm! (Der Landbote)

Erstellt: 13.11.2016, 20:45 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Werbung

KIWI

Kiwi Kinos Winterthur

Kommentare

Blogs

Weltall «Ich bin überzeugt, es gibt Leben auf einem fernen Planeten»

Wanderung am Obersee Im Zigerland ­– ein Gefühl fast wie in Kanada

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben