Winterthur

Reise in Schatzmanns Gedankenwelt

Schon lange schreibt der Künstler Erwin Schatzmann Dinge für sich auf. Nun hat ein Verleger aus seinen Texten ein Buch gemacht.

Schreibt alle Texte auf einer alten Hermes Ambassador: Der Künstler Erwin Schatzmann.

Schreibt alle Texte auf einer alten Hermes Ambassador: Der Künstler Erwin Schatzmann. Bild: Nathalie Guinand

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit seiner Kunst, seinem Wohn- und Schaffensort «Morgenland», mit seinen Kleidern, seinem Auftreten, seiner Weltanschauung hat sich Erwin Schatzmann konsequent seine eigene Welt erschaffen. Diese Leistung macht ihn definitiv zum Künstler. Und nun ist dieser Tage also auch noch «Unverblümt» erschienen, ein Buch mit Schatzmanns «aphoristischer Denkprosa». Es versammelt Texte, die Schatzmann in den vergangenen Jahrzehnten geschrieben hat. Denn der Künstler notiert schon zeit seines Lebens, was ihm so durch den Kopf geht. Und wie wichtig ihm die Sprache ist, zeigt sich ja auch in seinem Werk: Holzskulpturen tragen lateinische Inschriften, und in seinem «Morgenland» sind überall Sprüche aufgehängt.

Philosophisches und «Träfes»

«Unverblümt» ist in elf Themenbereiche gegliedert. Sie reichen von Leben, Liebe und Tod über Religion und Politik bis hin zu Kunst, Architektur und Kleidung – den Kernkompetenzen von Schatzmann, quasi. Formal präsentiert sich das Buch als Mix von längeren Prosatexten, Aphorismen und vereinzelten Gedichten. Und inhaltlich reicht die Bandbreite von den philosophischen Gedankengängen eines Suchenden bis hin zu kurzen Denkanstössen, die oft in träfe Sprüche gefasst sind (gelegentlich aber auch mal etwas platt geraten können).

Trotzdem ist das sehr schön ­gestaltete, mit Fotos ergänzte Buch eine wahre Lesefreude – die man sich am besten portionenweise gönnt: Wenn einem das Philosophische mal zu anstrengend ist, blättert man einfach weiter und findet sich bei den kürzeren Gedanken wieder, die einen manchmal nachdenklich stimmen – aber auch zum Schmunzeln bringen können.

Der Gang zur Toilette

Das Springen und Blättern im Buch passt bestens zu seiner Entstehung. Anlässlich der Vernissage erzählt Verleger Christoph Pfluger, wie er auf Schatzmanns Schriften aufmerksam wurde: Bei einem Besuch im «Morgenland» habe sein Gang zur Toilette – wegen der dort hängenden Schatzmann-Sprüche – viel länger gedauert als üblich. Und als er den Künstler anschliessend fragte, von wem diese stammten, lautete dessen lakonische Antwort: «Von mir.» Da sei sein verlegerisches Interesse geweckt gewesen, zumal Schatzmann andeutete, «ganze Ordner voll» davon zu haben. Auch das verwundert wenig: Seit 35 Jahren hat Erwin Schatzmann vieles aufgeschrieben, was er gelesen hat und was ihm durch den Kopf gegangen ist. Er tat dies – wie er beteuert – «zur Verinner­lichung, nicht zur Veröffentlichung» und «getrieben von der Suche nach dem richtigen Gott», zur Klärung der ihn umtreibenden Fragen. Eine davon lautete: «Welcher Sekte soll ich beitreten?» (Er hat dann beschlossen, selber eine zu «machen» – oder eben: seine eigene, künstlerische Welt zu schaffen ...)

Gedanken als Belästigung

Dementsprechend ist das Schlimmste für Schatzmann, kein Schreibzeug dabei zu haben – um «den Satz aufzuschreiben, der die Welt retten würde». «Die Gedanken belästigen mich manchmal regelrecht», sagt er, «denn das Holzbildhauen ist nicht gerade eine Tätigkeit, die mich geistig auslastet.» Deshalb schreibt er auch eher im Winter, wenn er nicht draussen am Werken ist. Das tut er übrigens auf einer ­alten Hermes Ambassador: «Ich habe ja einst das KV gemacht», sagt er, «und das 10-Finger-System beherrsche ich immer noch!» Einen Computer will er hingegen nicht benutzen: «Meine Texte korrigiere ich ebenso einfach und bequem, indem ich die Manuskripte zerschneide und Neues oder Geändertes hineinklebe.» Gelegentlich schreibt er dann eine aktualisierte oder verdich­tete Fassung davon – das hilft ihm auch, seine Texte auswendig zu behalten. (Landbote)

Erstellt: 11.10.2015, 21:09 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!