Sprache und Sein

Die Winterthurer Hip-Hopper Eigänabou feiern am Samstag ihren zehnten Geburtstag mit dem Doppelalbum «Wenn s’Läbe sich reimt».

Die fünf Mitglieder von Eigänabou sind zusammen in Oberseen aufgewachsen und gründeten die Band vor zehn Jahren in einem kleinen Gartenhäuschen.

Die fünf Mitglieder von Eigänabou sind zusammen in Oberseen aufgewachsen und gründeten die Band vor zehn Jahren in einem kleinen Gartenhäuschen. Bild: pd

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Sie reimen druckvoll und mit Fantasie und bringen Lebensgefühle mit einer Frische und Unmittelbarkeit zum Ausdruck, wie es in diesem Genre selten zu hören ist: Die fünf Rapper der Winterthurer Band Eigänabou.

Gründung in einer Gartenhütte

Da wird, um zwei Beispiele zu nennen, in «Diesdassäb» mit feinen Raps und geschmeidigen Rhythmen und immer nahe an der Alltagssprache die Verbreitung von Gerüchten in der Szene geschildert. «Übäräm Schnitt» wiederum ist eine ironisch-kritische Reflexion des hierzulande herrschenden Wohlstands.

Beim Start vor zehn Jahren waren noch sieben Mitglieder beteiligt, und auch auf dem ersten Album «Jahräsärnti» von 2009, von dem die meisten Stücke auf der neuen Best-of-CD stammen, war das noch so. Ein Mitglied zog sich seither zurück, ein weiteres wanderte nach Costa Rica aus.

Am Samstag nun taufen Eigänabou im Salzhaus das Doppelalbum «Wänn s’Läbe sich reimt», das eine weitere CD mit 16 überwiegend neuen Stücken aus dem letzten Jahr enthält. Erschienen ist es bereits am 24. Dezember, genau zehn Jahre nach der «Gründungsversammlung» in einer kleinen Gartenhütte. Mit dabei sind Wiitundbreit aus der Schweiz und Matt Mac aus Deutschland.

Auf dem Boden bleiben

Stolz und Selbstbewusstsein gehören im Hip-Hop selbstverständlich dazu, die Eigänabouer sind allerdings im Vergleich mit den notorischen Grossmäulern des Genres bescheiden, sie wollen sich nichts auf ihre Kunst einbilden und «uf em Bode bliibe», wie es in «Dialäkt» heisst, einer Hymne auf «eusi gliebti Sprach»: «Das was i schriib isch im Grundsatz was i bi.»

Wie souverän und locker sie ihre Reime vortragen, wird einem im intensiven «Säg wieso» klar, wo sogar «Herz» auf «Schmerz» gereimt wird, ohne dass es peinlich wirkt. Leer sei das Leben ohne Gefühle, diese aber seien ohne Schmerzen nicht zu haben, lautet hier die gar nicht triviale Einsicht.

Die neusten Stücke wirken im Vergleich etwas abgeklärter: Die Liebe ist stets begleitet vom Bewusstsein, dass sie nicht ewig hält, und schneller, als man denkt, ist man sich «näch und doch so fern» («Luftschlösser»). Das Leben bringt eben immer Veränderungen mit sich, wie es im energisch sich steigernden «Buch­gfühl» heisst: «Alles isch im Wandel, / ich weiss, es goht wiiter, / ob i will oder nid.» Gleich geblieben ist die Überzeugung, das Richtige zu tun: «Mer rettät villicht nid d’Wält, aber s’Quartier», heisst es in «Zrugg i dä Tag».

Zusammen aufgewachsen

Die Mitglieder von Eigänabou, alle mit Jahrgang 1989, sind zusammen aufgewachsen, und zwar «am Chrebsbach», wie es im Song «Merci» heisst, also in Oberseen. Alle wichtigen Entscheidungen würden «basisdemokratisch» gefällt, sagt Jonas Trechsel, der sich um Booking und Finanzen kümmert, aber selbst keine Musik macht.

In den Jahren, in denen ein Album erscheint – das neue ist bereits Nummer 16, wobei die Solo-Alben der Mitglieder mitgezählt sind –, tritt die Band zwischen St. Gallen und Aarau rund fünfzehn Mal auf, regelmässig auch beim «Rap im Stadtpark», den Trechsel 2008 zusammen mit DJ Jesaya ins Leben gerufen hat.

Die Mitglieder arbeiten heute im Sozialwesen, als Journalist, Marketingfachmann und Umweltingenieur. «Wir sind wohl alle etwas ruhiger geworden», meint Trechsel. «Erwachsen sind wir noch immer nicht und wollen dies auch nicht sofort werden.» Im Hip-Hop sei zurzeit eine Rückkehr zum Stil der 1990er Jahre festzustellen, «weg von elektronischen Einflüssen, zurück zu Sample-Raw-Beats» – auf dieser Schiene sei Eigänabou eigentlich schon immer gefahren, mit der Zeit allerdings sei man offener und experimentierfreudiger geworden.

(Erstellt: 19.01.2016, 10:48 Uhr)

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Veranstaltungshinweis

Eigänabou: Samstag, 23.1., 21 Uhr, Salzhaus, Untere Vogelsangstrasse 6. Mit Wiitundbreit und Matt Mac.

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