Wildpark

Drei junge Luchse im Bruderhaus angekommen

Der 17-jährige Bruderhaus-Luchs Aaron hat auf seine alten Tage Gesellschaft erhalten. In einem separaten Gehegeteil sind drei junge Kater eingezogen. Die Jungluchse aus München und Wien haben sich in Winterthur schon eingelebt.

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Grosses Staunen gab es letztes Wochenende vor dem Luchsgehege des Wildparks Bruderhaus: Wo sonst der scheue alte Kater Aaron nur mit Glück und guten Augen zu entdecken war, spielten gleich drei junge Luchse auf den Kletterbäumen des zweiten Gehegeteils, sonnten sich und guckten die Besucher neugierig an.

Seit Montag letzter Woche sind die drei Luchse, alles Männchen, im Bruderhaus angekommen. Tierpfleger Thomas Rothlin holte sie persönlich im Münchener Tierpark Hellabrunn ab, begleitet von einem Tierarzt. In drei stabilen Holzkisten reisten die Wildkatzen in die Schweiz, im Heck eines Kleintransporters. Rothlin kümmerte sich um die Zollformalitäten. «Viel Papierkrieg», sagt er und lacht.

Richtig beschnuppern konnten sich die Luchse erst in Winterthur. Denn nur zwei von ihnen sind verwandt, der zweijährige Pep ­– benannt nach dem früheren Bayern-München-Trainer Pep Guardiola – und sein einjähriger Bruder Quinn. Der ebenfalls einjährige Imba stammt aus dem Tierpark Schönbrunn in Wien.

Ein fotogenes Dreiergespann

Die Zusammenführung glückte. Die beiden Halbwüchsigen, Quinn und Imba sind bereits unzertrennlich und haben Pep als Chef des kleinen Rudels akzeptiert. Der wiederum hat den Umzug sehr gelassen hingenommen und das neue Gehege gleich in Beschlag genommen. Eines haben alle die neuen Luchse gemeinsam: Als Zootiere sind sie Zuschauer gewöhnt und deshalb nicht so scheu wie Wildfang Aaron. Um ihnen trotzdem ein Minimum an Schutz vor dem Trubel zu gewähren, hat man im Bruderhaus an weiten Stellen des Zauns einen Sichtschutz angebracht.

 «Luchse sind zwar Einzelgänger, doch gleichgeschlechtliche Gruppen können gut funktionieren.»

Und der alte Aaron? «Er ist viel aktiver geworden», berichtet Tierpfleger Rothlin. «Er kommt oft zum Zaun, um zu schauen, was die Jungs da machen.» Mit 17 Jahren ist der Kater mit dem Knickohr zwar schon am oberen Ende seiner Lebenserwartung, aber immer noch topfit. «Wenn wir ihm Fressen in Kartonkisten oder einem ausgehölten Kürbis verstecken, zerfetzt er diese wie ein junger Luchs», sagt Rothlin.

Nach sieben Jahren alleine im Gehege erhält Aaron nun also wieder Gesellschaft. Dass es drei Männchen statt dem einst versprochenen Weibchen geworden sind, liegt teilweise am Basler Tierpark, welcher das reservierte Weibchen nach der langen Wartefrist doch nicht mehr hergeben wollte. Es liegt aber auch an Thomas Rothlin. Bis vor gut einem halben Jahr war der heutige Tierparkleiter im Zoo Zürich tätig gewesen und brachte von dort Erfahrung mit grossen Katzen mit. Sein Fazit: «Luchse sind zwar Einzelgänger, doch gleichgeschlechtliche Gruppen können gut funktionieren.»

Nachwuchs nicht erwünscht

Dass es im Bruderhaus auch künftig keinen Nachwuchs geben wird, ist gewollt. «Bei Luchsen gibt es in Gefangenschaft eher zu viele als zu wenige Jungtiere», sagt Rothlin. «Es ist schwer, sie zu platzieren und auswildern kann man Zootiere nicht.» Drei solch «überzähligen» Luchsen, die für die Zucht nicht benötigt werden, kann das Bruderhaus nun eine neue Heimat bieten.

«Katzen sind sehr speziell und haben alle ihre eigene Persönlichkeit»

Ob das Tor, das die drei Neuankömmlinge vom alten Aaron trennt, dereinst geöffnet wird, hat der Wildparkleiter noch nicht entschieden. «Katzen sind sehr speziell und haben ihre eigene Persönlichkeit», weiss Rothlin. «Es kann sein, dass sie einander problemlos akzeptieren, es kann sein, dass sie sich auf den Tod bekämpfen.» Im Moment bleiben Pep, Quinn und Imba also noch in ihrem eigenen, gut einsehbaren Gehegeteil. Gross genug für eine artgerechte Haltung sei dieser allemal, beruhigt Rothlin.Für den Moment sei es ganz gut, wenn die zwei jüngeren Luchse noch etwas zahmer würden – denn im grösseren Gehegeteil, wo Aaron wohnt, gibt es so viele Möglichkeiten, sich zu verstecken, dass die Jungluchse vielleicht bald wieder so schwer zu finden wären wie der alte Herr.

Bitte nicht zu viel Trubel!

Stadtgrün-Chef Beat Kunz hofft, dass das Bruderhaus trotz seiner neuen Attraktion nicht von Besuchern überrannt wird. Die Luchse sollen sich in Ruhe an ihre Umgebung gewöhnen können. Wer ihnen doch einen Besuch abstatten möchte, kommt mit Vorteil mit dem Bus, die Parkplätze sind am Wochenende meist sehr knapp.

(Der Landbote)

Erstellt: 08.03.2017, 18:14 Uhr

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Das lange Warten aufs neue Gehege

Als 2010 das andere Männchen Luv starb, wurde beschlossen, Luchs Aaron eine Gefährtin zu organisieren. Doch der Prozess zog sich arg in die Länge. Früh hatte man im Basler Tierpark Lange Erlen das junge Weibchen Andromeda reserviert und im städtischen Budget 2012 war Geld für eine Unterteilung des Luchsgeheges vorgesehen. Gebaut wurde aber nicht, und zwei Sparpakete später hatte die Stadt kein Geld mehr für Ausbauten.
Vorwärts ging es 2014, als grössere private Spenden eingingen. Die Baugenossenschaft GWG spendete zu ihrem Jubiläum 75 000 Franken an die Unterteilung des Geheges. Weitere Beiträge kamen von der Carl Hüni-Stiftung, von Eisen Optik sowie von weiteren Privatpersonen. Doch auch so dauerte es noch über zwei Jahre, bis das Gehege ganz fertig eingerichtet war. Der Grossteil der Arbeiten wurde von Mitarbeitern des Forstbetriebs und Wildparks geleistet, neben der sonstigen Arbeit. «Mir ist lieber, es dauert etwas länger, dafür ist das Ergebnis gut», sagt Stadtgrün-Leiter Beat Kunz. Und erklärt: «Es musste gebaut werden während Luchs Aaron im Gehege war, das war nur in Begleitung des Wildparkpersonals möglich». Er sei froh, den Unterstützern nun etwas vorzeigen zu können. Geschadet habe Aaron die Zeit alleine jedenfalls nicht. «So leben Luchse auch in freier Wildbahn. Sie begegnen einander nur zur Paarungszeit.»

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