Wenn Männer Papitag feiern

Sollen Väter, die sich einen Tag in der Woche um den Nachwuchs kümmern, das auch zeigen dürfen? SP-Kantonsrätin Mattea Meyer hat sich auf Facebook kritisch geäussert- und eine Debatte ausgelöst.

«Der Muttertag sollte eigentlich ‹Elterntag› heissen», sagt die SP-Kantonsrätin Mattea Meyer. Und löst damit eine Debatte aus.

«Der Muttertag sollte eigentlich ‹Elterntag› heissen», sagt die SP-Kantonsrätin Mattea Meyer. Und löst damit eine Debatte aus. Bild: pd

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«Liebe Männer», schrieb SP-Kantonsrätin Mattea Meyer auf Facebook, «hört auf, das Wort Papitag so zu zelebrieren, und lebt Gleichberechtigung 24 h/7.» Dass das gleich so eine grosse Debatte auf der Social-Media-Plattform auslösen würde, hat Meyer überrascht. «Es sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Väter sich genauso um ihre Kinder kümmern wie die Mütter. Ich verstehe nicht, war­um der Papitag immer so betont werden muss.»

Sie nehme in ihrem Umfeld wahr, dass viele Väter sehr stolz auf ihren Papitag seien. «Dass Väter Teilzeit arbeiten, finde ich richtig. Es darf einfach nicht ausgeblendet werden, was an den restlichen sechs Tagen passiert.» Häufig bleibe nämlich die Doppelbelastung von Beruf und Familie immer noch an den Müttern hängen. Besonders stört Meyer, dass Frauen und Männer nach wie vor unterschiedlich beurteilt werden. «Väter, die 80 Prozent arbeiten, gelten als fortschrittlich. Mütter mit einem 80-Prozent-Pensum bekommen hingegen oft kritische Fragen zu hören.»

Anderer Bezug der Kinder durch Papitag

Parteikollege und Gemeinderat Fredy Künzler hat sich über Meyers Facebook-Post geärgert. «Jetzt muss ich mich für den Papitag auch noch rechtfertigen», sagt er. Dabei würden alle von einem Papitag profitieren. «Viele Kinder bekommen ihre Väter nur im Doppelpack mit der Mutter zu sehen.» Durch den Papitag habe das Kind einen anderen Bezug zum Vater. Und das gebe es immer noch zu selten. Oft seien die Arbeitgeber zu wenig offen für Teilzeitarbeit.

«Idealbild aus feministisch-linker Optik»

Künzler hat eine eigene Firma in Winterthur und ist deshalb flexibel in seiner Zeiteinteilung. Seine Frau ist freischaffend. Beide teilen sich die Betreuung ihres Sohnes. Solange er also eine Ausnahme sei, werde Künzler seinen Papitag zelebrieren und stolz dar­auf sein, sagt er. Um Gleichberechtigung gehe es dabei nicht. «Wir tun einfach unser Möglichstes. Mattea Meyer zeichnet ein Idealbild aus feministisch-linker Optik. Die Realität sieht eben oft ganz anders aus.»

Für Jürg Wiler, Leiter des schweizweiten Projekts Teilzeitmann, haben in dieser Diskussion beide Seiten recht. «Die Schweiz ist ein Ort, wo die Männer immer noch Mut brauchen, wenn sie Teilzeit arbeiten und sich ihren Kindern widmen wollen.» Nur neun Prozent der Väter arbeiten Teilzeit – «ein verschwindend kleiner Teil». Deshalb unterstützt Wiler es, wenn Männer ihren Papitag zelebrieren und es eben anders machen als die vorherige Generation. «Die Väter dürfen das zeigen und sie dürfen auch zeigen, dass es ihnen guttut.» Schliesslich profitieren auch Mütter vom Papitag: «Sie dürfen dann die Verantwortung abgeben und sind weniger belastet.»

Vom Muttertag zum «Elterntag»

Mattea Meyer findet, das Thema Gleichstellung müsse auch bei den Linken immer wieder diskutiert werden. Vom Muttertag, der am Sonntag gefeiert wird, hält sie wenig: «Er sollte ‹Elterntag› heissen.» (Landbote)

(Erstellt: 07.05.2015, 20:48 Uhr)

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