Winterthur

An vielen Posten keine Lotsinnen mehr – Eltern haben Angst vor Unfällen

Von den 14 in der Stadt noch verbliebenen Lotsenposten schliessen nach den Sportferien acht weitere. Stadträtin Barbara Günthard (FDP) sagt, diese Übergänge seien sicher. Betroffene Eltern im Schlosstalquartier sehen dies anders.

Ein rares Bild nach den Sportferien: Bei der Tösstalstrasse, Höhe Schleife, werden weiterhin Lotsinnen eingesetzt um die Kinder sicher über die Strasse zu geleiten.

Ein rares Bild nach den Sportferien: Bei der Tösstalstrasse, Höhe Schleife, werden weiterhin Lotsinnen eingesetzt um die Kinder sicher über die Strasse zu geleiten. Bild: Madeleine Schoder

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«Wir sind enttäuscht, dass die Stadt finanzielle Überlegungen höher gewichtet als die Sicherheit der Kinder», sagt Marc Wyler. Er ist Vater und Präsident des Elternrates Rebwiesen. Der Fussgängerübergang an der Schlosstalsstrasse, auf der Höhe des Kindergartens, wird künftig nicht mehr von Lotsinnen überwacht. «Betrachtet man objektive Kriterien, handelt es sich um einer der sichersten der bislang noch bewachten Übergänge», sagt Stadträtin Barbara Günthard (FDP). So sei dort die Geschwindigkeit angemessen, es herrsche gute Übersicht, es habe einen Fussgängerstreifen samt Mittelinsel und der Übergang sei als Schulweg erkennbar.

«Vierjährige überfordert»

Der Elternrat ist mit dem Entscheid gar nicht glücklich. «Man muss doch die Nutzer anschauen. Hier überquerenVierjährige Kindergartenkinder die Strasse», sagt Wyler. Er beruft sich auf die Beratungsstelle für Unfallverhütung. Diese hält in der Broschüre «Kinder auf dem Schulweg» fest: «Kinder realisieren erst ab 5 bis 6 Jahren, was eine Gefahr ist.» Der Elternrat Rebwiesen habe deshalb um ein unabhängiges Gutachten gebeten, aber kein Gehör gefunden.

Der Elternrat Rebwiesen hält den Übergang an der Schlosstalstrasse beim Kindergarten für problematisch. Die Strasse sei stark befahren und die breite, gerade Linienführung verleite die Autofahrer zu überhöhter Geschwindigkeit.

Immerhin gab es aber eine Begehung mit der Stadtpolizei vor Ort und in der Folge eine Besprechung mit Stadträtin Günthard. Man einigte sich darauf, beim Weg, der zum Fussgängerstreifen führt, eine so genannte Umlaufschranke anzubringen, damit Kinder nicht direkt auf die Strasse laufen können. Die Stadt hat gegenüber den Eltern klar signalisiert, dass man dies aus Entgegenkommen tue und nicht, weil es die Situation unbedingt erfordere.

«Ampel oder Tempo 30»

Trotz dieses Entgegenkommens ist der Elternrat mit der Lösung nicht glücklich. «Wir sind in unserer Risikobeurteilung klar zum Schluss gekommen, dass ein Wegfall der Schulweghilfen ohne Verbesserungsmassnahmen nicht verantwortet werden kann», so Wyler. Als wirksame Massnahmen sähe der Elternrat entweder ein Lichtsignal oder eine Tempo 30-Zone mit Fahrbahnschwellen. «Die Umlaufschranke ist höchstens eine flankierende Massnahme. Am liebsten wäre es uns, die Lostsinnen blieben erhalten», sagt Wyler.

Doch die Schliessung der acht Lotsenposten ist längst beschlossene Sache. Den betroffenen Frauen wurde gekündigt; nach den Sportferien bleiben die Posten unbewacht. Neben dem Übergang an der Schlosstalstrasse sind seiben weitere Kreuzungen vom Abbau betroffen (siehe Karte):

  • Unterer Deutweg / Mattenbachstrasse
  • Wieshofstrasse / Rappstrasse
  • Rychenberg- / Talackerstrasse
  • Talacker- / Römerstrasse
  • Hegifeld- / Rümikerstrasse
  • Rümikerstrasse / Im Gern
  • Landvogt-Waser-Strasse /Hinterdorfstrasse

Um die Sicherheit zu verbessern, habe man bei diesen Posten noch einzelne kleinere Massnahmen realisiert oder zumindest angedacht, sagt Günthard. So habe man beispielsweise eine Abbiegespur bei der Kreuzung Hegifeld- / Rümikerstrasse aufgehoben. Und beim Schulhaus Römerstrasse soll die Tempo-30-Zone bis unter das Schulhaus verlängert werden.

Posten Römerstrasse bleibt

Eigentlich hätte laut ersten Plänen nach den Ferien auch der Posten an der Kreuzung Römer - / Adlerstrasse verschwinden sollen. Hier machte die Polizei jedoch eine Kehrtwende, der Posten bleibt erhalten. Die angedachte Mittelinsel liess sich nicht realisieren. «Der Übergang bleibt deshalb problematisch», sagt Günthard. Ebenfalls vorläufig erhalten bleiben folgende Posten:

  • Tösstalstrasse, Höhe Schleife
  • Breitestrasse / Turmstrasse
  • Lindenplatz
  • Lindstrasse, Höhe Kindergarten
  • Frauenfelderstrasse / Talackerstrasse

Bei all diesen Übergängen sei die Situation noch zu wenig sicher, sagt Günthard. «Wir schliessen diese Posten nicht, so lange die nötigen baulichen Massnahmen nicht umgesetzt sind», verspricht sie.

Zu den konkreten baulichen Massnahmen könne sie noch Stellung nehmen, da noch Abklärungen mit dem Tiefbauamt stattfänden. Der Chef Verkehrsinstruktion bei der Stadtpolizei sagte im Herbst 2016 gegenüber dem Landboten, bei einigen dieser Übergänge brauche es ein Lichtsignal, um einen sichere Überquerung zu ermöglichen. Allerdings fehle dafür das Geld. eine Lichtsignalanlage kostet schnell mehrere Zehntausend Franken. Das Ziel sei, die Massnahmen bis 2018 umzusetzen und dann alle verbleibenden Posten zu schliessen, hiess es damals.

«Zuerst Massnahmen»

Gemäss Günthard müssen die nötigen Bauvorhaben in die üblichen Budgetierungsprozesse aufgenommen werden. Dass sich die Massnahmen bis 2018 umsetzen lassen, ist eher unrealistisch. Doch Günthard verspricht: «Die restlichen sechs Posten werden erst geschlossen, wenn der Übergang als sicher beurteilt werden kann. Dies kann auch länger dauern als bis 2018, vor allem dann, wenn noch viel gebaut werden muss.»

(Der Landbote)

Erstellt: 17.02.2017, 16:52 Uhr

Übersicht der Lotsenposten auf Stadtgebiet. (Für eine vergrösserte Ansicht auf Bild klicken)

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