Winterthur

«Brühlbergschule verliert ihr Profil»

Das Unterrichtskonzept des Schulhauses Brühlberg wird neu ausgerichtet. Die Eltern sind frustriert über die Informationspolitik der Schulpflege.

Die Stelleninserate verraten es: Das Unterrichtskonzept wird neu ausgerichtet.

Die Stelleninserate verraten es: Das Unterrichtskonzept wird neu ausgerichtet. Bild: mif

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Endlich sind nun die Stelleninserate für die künftigen Brühlberg-Lehrpersonen im Netz aufgeschaltet. Und die Anzeigen sind aufschlussreich. So erfährt man aus dem Inseratetext, dass das Unterrichtskonzept im Schulhaus Brühlberg neu ausgerichtet werden soll. Dies war bislang nicht bekannt und wird den Eltern wohl am geplanten Infoabend vom Montag mitgeteilt.

Bisher wurde im Brühlberg altersdurchmischt unterrichtet. Es gab zwei gemischte Unterstufenklassen (1. bis 3. Klasse) sowie zwei Mittelstufenklassen (4. bis 6. Klasse). Jede Klasse wurde von zwei Personen unterrichtet. Ab August 2017 ist ein Kurswechsel vorgesehen. Laut Stelleninserat soll es im Brühlberg künftig nur noch drei Klassen mit jeweils zwei Jahrgängen (1./2. Klasse, 3./4. Klasse, 5./6. Klasse) geben.

«Für eine echte Altersdurchmischung braucht es drei Jahrgänge, sonst sind die Unterschiede zu klein.»

Die ehemalige Schulleiterin Mengia Isenbügel sagt auf Anfrage, dies komme einer Abkehr des altersdurchmischten Lernens gleich. «Für eine echte Altersdurchmischung braucht es drei Jahrgänge, sonst sind die Unterschiede zu klein, die Kinder profitieren nicht im gleichen Mass voneinander.» Sie bezweifelt auch, dass drei Lehrpersonen für das Schulhaus Brühlberg ausreichen. «Es wird darauf hinauslaufen, dass das Brühlberg noch stärker zur Dependance des Schulhauses Neuwiesen wird.»

Schon länger geplant

Das Modell, das nun umgesetzt wird, ist überdies nicht neu. Müller habe sein Konzept mit den Doppelklassen schon früher ins Auge gefasst, sagt Isenbügel. «Er liess uns immer wieder wissen, wir seien zu teuer, zu eigenständig, zu besonders.

Da Müller damals erkannte, dass mit seinem Doppelklassen- Konzept das gut beurteilte Profil der Brühlbergschule nicht mehr umgesetzt werden kann, sah er wieder von der Umstrukturierung ab». Es sei unbestritten, dass die Schule nach den neuen Plänen rein rechnerisch ranker und schlanker werde. «Aber sie verliert auch ihr ganz eigenes Profil. Von einer Mehrklassenschule aus pädagogischen Gründen wird sie zur Doppelklassenschule aus organisatorischen Gründen», sagt Isenbügel.

«So wie die Stelleninserate nun formuliert sind, ist die Brühlbergschule nachher eine ganz normale Schule. Müller hat dann erreicht, was er schon länger plante.»

Auch die ehemalige Brühlberg-Lehrerin Lucia Agosti bestätigt, dass Müller schon länger an der Idee tüftelt, die Schulhäuser Neuwiesen und Brühlberg enger zusammenzuführen. Sie ist der Meinung, dass das pädagogische Konzept der Brühlbergschule mit den Parallelklassen steht und fällt. «So wie die Stelleninserate nun formuliert sind, ist die Brühlbergschule nachher eine ganz normale Schule. Müller hat dann erreicht, was er schon länger plante.»

Der Elternrat ist über die Umstellung ebenfalls nicht glücklich. Unter anderem befürchte man, dass aufgrund des neuen Modells einzelne Kinder die Schule wechseln müssten, sagt Elternratspräsident Marcel Vosswinkel. Die Kreisschulpflege Stadt-Töss will sich jedoch zu den Änderungen und deren Auswirkungen noch nicht äussern, zuerst würden sie den Eltern kommuniziert.

«Pro-forma-Einladung»

Bislang wissen die Eltern nur aus der Stellenausschreibung von der Systemänderung. «Erneut wurde katastrophal kommuniziert», kritisiert Vosswinkel. Beat Meier, Vizepräsident der Kreisschulpflege und Leiter der Taskforce Brühlberg, hat zwar eine Delegation des Elternrats zu einem Gespräch mit Vorinformation für gestern Freitagabend eingeladen.

Doch der Elternrat hat beschlossen, diese Einladung auszuschlagen. «Wir sind grundsätzlich gesprächsbereit. Doch hier handelt es sich um eine Pro-forma-Einladung. Einerseits ist inzwischen alles schon bekannt, andererseits haben die Eltern ohnehin kein Mitspracherecht», erläutert Vosswinkel die Überlegungen. Zudem habe die Kreisschulpflege «unannehmbare Bedingungen» gestellt. So können nur vier Mitglieder des Elterrats teilnehmen und Infos aus der Sitzung dürfen weder an die Medien noch an Dritte gelangen. «So spaltet man den Elternrat von den andern Eltern ab», sagt Vosswinkel.

Meier bedauert den Entscheid des Elternrates: «Es wäre für mich wichtig gewesen, die Argumente und Bedenken der Elternschaft zu hören. Zudem hätten wir im Gespräch das neue Modell und die damit verbundenen Änderungen erklären können.»

Er befürchtet, dass der Elternrat über ein falsches Selbstverständnis verfüge: «Es ist klar Sache der Schulbehörden und nicht der Eltern, das Schulsystem festzulegen.» Trotzdem sei er weiter gesprächsbereit. «Unser Ziel ist eine gute Lösung.» (Der Landbote)

Erstellt: 12.05.2017, 16:54 Uhr

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