Turmhaus

«Das Turmhaus ist wie ein zweites Zuhause»

Krebsbetroffene und Angehörige finden im «Turmhaus» Unterstützung. Dieses Jahr feiert die Institution ihr fünfjähriges Bestehen. Zwei Betroffene erzählen.

Antje Mirwald, Co-Leiterin  des Turmhauses: «Bei uns können Krebsbetroffene und Angehörige neue Kraft schöpfen und sich mit anderen Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen, austauschen».

Antje Mirwald, Co-Leiterin des Turmhauses: «Bei uns können Krebsbetroffene und Angehörige neue Kraft schöpfen und sich mit anderen Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen, austauschen». Bild: Madeleine Schoder

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Das «Turmhaus» liegt im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Brauerei Haldengut und wird von der Krebsliga des Kantons Zürich in Kooperation mit dem Kantonsspital Winterthur (KSW) betrieben. «Bei uns können Krebsbetroffene und Angehörige neue Kraft schöpfen und sich mit anderen Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen, austauschen», sagen die Co-Leiterinnen Cornelia Keller und Antje Mirwald. Das könne Patientinnen und Patienten bei der Bewältigung ihrer Krankheit helfen. «Wenn jemand die Diagnose Krebs erhält, ist er nicht nur mit Ärzten, Pflegepersonal, Untersuchungen und Therapien konfrontiert. Die Diagnose verändert die Welt der erkrankten Menschen auf einen Schlag», sagt Keller.Die Geschichten, die man im «Turmhaus» zu hören bekommt, haben viele Gemeinsamkeiten – und doch sind sie alle anders: Jeder und jede erlebt die Krebserkrankung individuell, geht aanders damit um. «Wenn erst einmal die Operation überstanden ist und die Patienten sich der Therapie unterziehen, geht es darum, wieder ins Leben zurückzufinden», sagt Mirwald. Dazu biete das «Turmhaus» den Rahmen.

Unheilbarer Brustkrebs

Marianne Ruesch (57) besucht das «Turmhaus» seit November 2013 wöchentlich ein- bis zweimal oder auch häufiger. Sie leidet seit Oktober 2012 an unheilbarem Brustkrebs. «Da ich alleinstehend bin, kann ich im Turmhaus meine Sorgen und medizinischen Fragen besprechen. Die Begegnung mit anderen krebskranken Menschen gibt mir das Gefühl, nicht allein zu sein», sagt sie. Die Kursangebote im Bereich Bewegung und Sport oder Gedächtnistraining, die Spielnachmittage und der einmal pro Monat stattfindende Brunch helfen ihr, den Alltag zu bewältigen. «Für mich ist das Turmhaus wie ein zweites Zuhause», sagt Ruesch.

Marianne Ruesch hat bereits eine lange Krankengeschichte. Von Januar bis Mai 2013 bekam sie eine Chemotherapie, mit der die Krankheit eingedämmt werden konnte. Von Mai 2013 bis Januar 2017 folgte eine Erhaltungstherapie mit drei verschiedenen Medikamenten, die alle drei Wochen per Infusion ambulant im Kantonsspital Winterthur verabreicht wurden. Nun werden aufgrund eines Bruches des zweiten Lendenwirbels durch einen Ableger Bestrahlungen sowie eine weitere Chemotherapie folgen.

Präparate für zehn Jahre

Bei Mirta Jarisch wurde im November 2014 ebenfalls Brustkrebs festgestellt. Es handelte sich um einen hormonabhängigen Tumor, der im Dezember 2014 entfernt wurde. Die 67-Jährige wurde unter anderem mit einer Radiotherapie und einer Antihormontherapie behandelt. Das Antihormonpräparat muss sie voraussichtlich zehn Jahre einnehmen. Um die Nebenwirkungen der Medikamente zu verringern, bewegt sich Jarisch viel an der frischen Luft und achtet auf eine kalziumreiche Ernährung. «Zudem treffe ich mich mit Menschen, die mir gut tun und höre vermehrt auch auf meinen Körper.»

«Wenn die Operation überstanden ist, geht  es darum, wieder ins Leben zurückzufinden.»Antje Mirwald, Co-Leiterin  des Turmhauses

Es gebe viele Gründe dafür, dass sie das «Turmhaus» regelmässig besuche, sagt sie. «Es ist ein Ort, wo ich einfach ‹sein› darf. Zudem ist das Angebot an informativen Veranstaltungen und Kursen gross.» Sie selber besucht wöchentlich die Yoga-Lektionen, die spezifisch auf die Teilnehmenden abgestimmt werden. «Nach den Lektionen können wir ungezwungen noch zusammensitzen, uns austauschen und oft auch zusammen lachen.»

Auch für Angehörige gedach

Meist seien die Patientinnen und Patienten, die im «Turmhaus» Rat und Unterstützung suchen, mit grundsätzlichen Fragen beschäftigt, während der Alltag so gut wie möglich bewältigt werden wolle, sagt Cornelia Keller. Das «Turmhaus» versteht sich aber auch als Anlaufstelle für Angehörige. Beide, Krebskranke und Angehörige, sollen sich hier gegenseitig unterstützen können. «Das gibt ihnen meistens die Kraft, auch schwere und belastende Phasen durchzustehen», sagt Keller. (Landbote)

Erstellt: 20.04.2017, 16:49 Uhr

Informationszentrum «Turmhaus»

Jeweils von Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Haldenstrasse 69, T: 052 214 80 00 (Zentrumsleitung), T: 052 212 39 39 (Beratungsstelle Krebsliga Zürich in Winterthur). Das Jubiläums-Sommerfest am Mittwoch, 28. Juni (14 bis 18 Uhr), ist für alle Interessierten offen.

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