Winterthur

Der Reisekünstler

Seit 25 Jahren tourt Corrado Filipponi durch die Schweiz und zeigt seine Reisefotos und Videos aus aller Welt. Zurzeit entführt er sein Publikum nach Island. Hinter dem vermeintlichen Traumberuf steckt eisere Disziplin.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sein Geschäft ist die Unterhaltung, die Zerstreuung, eine Aufwiegelei der Träume. Corrado Filipponi, 48, Multivisions-Urgestein, ist im Showbusiness wie andere auch. Doch etwas ist in seiner Vorstellung anders als im Theater oder im Kabarett: Die Leute kommen mit Notizblöcken, wie in eine Vorlesung, und schreiben eifrig mit.«Im Internet bekommst Du kein solches Konzentrat wie bei mir», sagt Filipponi.

Und der Satz sagt eben so viel über ihn wie über die Show. Filipponi ist ein Kommunikationstalent. Er vermarktet sich und seine Show gezielt, aber glaubwürdig und ohne Übertreibung. Das ist ein Grund, warum er sich über 20 Jahre in einem Geschäft halten konnte, das angesichts der digitalen Bilderflut fast etwas aus der Zeit gefallen scheint – ein Grund, aber längst nicht der einzige.

Paparazzo einer schönen Welt

Island ist das Thema seiner neuen Show, der bislang elften, mit der er nächste Woche auch in Winterthur gastiert. Vier Mal hat er die Insel auf dem Atlantik bereist. Einmal für drei Monate mit dem eigenen Kleinbus, der ihm auch Schlafplatz und Materialtransporter war. Dann war er dreimal mit dem Flugzeug da und mietete einen Wagen fürs grobe Gelände.

Er müsse mit der Linse immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, sagt Filipponi. «Ich schaue mir die Sonnenstände an, verfolge das Wetter – und manchmal muss ich eben improvisieren.» Eine Woche hat er in Island allein für Fotos von Papageientauchern eingesetzt. «Die verbringen nur drei Monate pro Jahr an Land.» Überhaupt: Tieraufnahmen bräuchten Zeit.

«Es gibt Dinge, die kannst Du nur in einem Film zeigen»

Früher arbeitete Filipponi bei seinen Shows nur mit Dias. Heute arbeitet er auch mit Filmen. Quelle: www.dia.ch

Filipponi ist ein Paparazzo. Er lauert er auf das grosse Naturschauspiel wie andere auf ein Bikinibild von Kate Middleton. Seine Route bereitet er minutiös vor, recherchiert auf dem Internet, in Büchern, Bildbänden. Wenn er los reist, dann mit einer Checkliste. «Ich mache mir ein Storyboard», sagt Filipponi. Etwa 40 Kapitel haben in jeder Show Platz. Etwa 55 Kapitel erarbeitet er, rund ein Viertel wird gestrichen.

Waren es am Anfang nur Dias, die er mit parallelen Projektoren zeigte, arbeitet Filipponi heute multimedial. «Es gibt Dinge, die kannst Du nur in einem Film zeigen», sagt er. Der Nachteil: Ein Video benötig etwa 30 Sekunden, ein Bild steht in seiner Show etwa sechs Sekunden still. «Mit jedem Video fallen also fünf Bilder weg.»

Für die Aufnahmen in Island hat Filipponi einen Helikopter gemietet und eine Drohne eingesetzt. Weit wichtiger aber seien Geschichten. «Es reicht nicht, nur einfach Fotos zu zeigen, da hängt der Zuschauer ab.» Für die Show über Island hat er deshalb eine Treibhausfarm besucht, für die über Norwegen Lachse von der Zucht bis auf den Teller begleitet. Und in Kuba folgte er einen Fumigador – einen Kammerjäger.

Keine Fahrstuhlmusik

«Die Kunst ist, dass der Vortrag einfach wirkt», sagt Filipponi. Der Aufwand dahinter werde entsprechend unterschätzt. Aus 20 000 Bildern wählt er 500 aus und schreibt das Skript dazu, mit auf die Sekunde getimten Sätzen. Dann wähle er die Musik aus – keine Fahrstuhlmusik, sondern «richtige Musik», wie er betont. «Ich zahle lieber 5000 Franken Urheberrechtsgebühren und kann dafür aus dem vollen schöpfen.» Wenn die Show steht, wird trainiert, in einem Vortragssaal der ZHAW, allein vor der Kamera – bis alles sitzt.

Es gebe einige Referenten in der Szene, die eine solche Perfektion an den Tag legen, sagt Filipponi. Leider aber längst nicht alle. «Und jemanden, der nur einmal eine Diashow gesehen hat, und dann gleich eine schlechte, bringt man fast nicht mehr in eine Show.»

Der Deal mit der Freundin

Die grosse Freiheit des Reisekünstlers, sie ist relativ. Dreieinhalb Monate dauert der Produktionsprozess in der stillen Kammer, jeweils kurz vor Weihnachten will Filipponi fertig sein. Im Januar startet die Tournee. Rund 40 bis 50 Säle, zwei Jahre im Voraus gebucht, um die 10 000 Zuschauer. Dann wird 4,5 Monate gereist – und alles beginnt von vorn. Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Buchungen, Rechnungen, um alles kümmert sich Filipponi selbst. Er sagt auch, er sei eine «One-Man-Show».

«Man kann den Leuten so eine Freude machen. Ich bekomme ellenlange Briefe.»

Mit seiner Freundin, mit der er seit zehn Jahren zusammen ist, hat er ein Abkommen. «Der Deal ist, dass ich nie länger als zwei Monate am Stück weg bin.» Jeweils die letzten vier Wochen reise sie mit ihm mit. «Dann habe ich alle Leerläufe schon durchgemacht und bin der beste Reiseführer.» Sein Lebensentwurf habe viele Vorteile, sagt Filipponi. «Du bist manchmal auf dich zurückgeworfen. Und du freust dich jedes Mal aufeinander.»

«Das glaubst du nicht»

Auf die Frage, wie lange er noch weitermacht, sagt Filipponi: «Ich muss noch 15 Jahre, dann bin ich pensioniert» – und aus seinen jungendhaften Augen leuchtet der Schalk. Schon mehrmals habe er angekündigt: noch fünf Jahre und dann sei Schluss. Aber irgendwie kann er es nicht lassen. «Ich trete gerne auf vor Publikum», sagt er. Und dann in seiner typischen kollegialen Art: «Man kann den Leuten so eine Freude machen, das glaubst Du nicht. Ich bekomme ellenlange Briefe.»

Corrado Filipponi hat übrigens auch schon Pauschalferien gemacht. Einmal in seinem Leben. 2012. Fünf Tage Ägypten. «Es war gut, um die Batterien aufzuladen», sagt er. Aber er habe nicht recht gewusst, wie das alles funktioniert. «Am Flughafen ist schon alles für dich geregelt– ich war fast ein wenig überfordert.»

(Der Landbote)

Erstellt: 17.02.2017, 11:46 Uhr

Island – Wunderland der Natur.


  • Vorstellung im Hotel Banana City: Am 23., 24. (20.00) und 26. Februar (16.00)

  • Vorstellung im Stadthaussaal Effretikon am 2. März (20.00).



Alle Infos und Tickets unter www.dia.ch

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.