Ein junger Winterthurer Architekt baute in Sumatra eine Bambusbeiz

Lukas Zollinger ist erst 32 und hat schon ein Meisterwerk abgeliefert: Auf der Insel Sumatra baute er im Auftrag von Regina Frey aus Berg am Irchel eines der grössten Bambusgebäude.

Lukas Zollinger auf dem Dach des Kapal-Bambu-Restaurants in Sumatra. Er war dort Architekt, Projektleiter und zu Beginn Zivildienstleistender.

Lukas Zollinger auf dem Dach des Kapal-Bambu-Restaurants in Sumatra. Er war dort Architekt, Projektleiter und zu Beginn Zivildienstleistender. Bild: pd

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Als Lukas Zollinger vor anderthalb Jahren als Zivildienstleistender nach Bukit Lawang kam, traf er auf ein marodes Restaurant aus Holz und Backstein. Jetzt steht dort «eines der grössten Bambusgebäude Südostasiens», wie es in einer Mitteilung heisst, und Zollinger ist seit Weihnachten zurück in der Schweiz. Er stammt aus Winterthur, hat Zimmermann gelernt, dann an der ZHAW Architektur studiert und hat heute ein Büro in Rap­pers­wil-Jona. Bambus als Baustoff, das war für ihn neu, aber er konnte auf die Hilfe des Bambusspezialisten Jörg Stamm zählen, der die Statik prüfte. «Es war eine unglaubliche Zeit», blickt Zollinger zurück, «aber ich wusste: Das ist eine grosse Chance für mich.»

110 000 Laufmeter Bambus

Die Zahlen des Bauwerks sind ebenso beeindruckend wie der optische Eindruck: 13 Meter hoch, 1300 Quadratmeter Dachfläche. 110 000 Laufmeter Bambus wurden verbaut mit einem durchschnittlichen Durchmesser von 15 Zentimetern. 90 Prozent sind aus Bambus gebaut, der zum grössten Teil in der engeren oder weiteren Region wuchs und vor Ort aufbereitet wurde. Selbst die Lampen und Möbel sind aus Bambus, entworfen hat sie Zollinger.

Donnie und Moses halfen

Besonders knifflig sei die Kommunikation mit den 55 Arbeitern gewesen: «Vor allem die kulturellen Unterschiede machten mir zu schaffen.» Die Kommunikation funktioniere ganz anders als in der Schweiz. Doch mithilfe von Donnie und Moses, zwei Arbeitern, die gut Englisch verstehen, sei alles zu bewältigen gewesen.Das neue Restaurant gehört zu einer ökologisch ausgerichteten ­Lodge, aus deren Gewinn es auch finanziert wurde. In Schweizer Geld kostete der Bau rund 300 000 Franken. Er bietet Platz für 120 Gäste, Küche, Bar und Réception; im Obergeschoss unter dem riesigen Dach liegt ein 450 Quadratmeter grosser offener Raum, der für Konferenzen und Bildungskurse genutzt werden kann. Denn die ganze Stiftung, zu der die Anlage gehört, hat das Ziel, Umweltbildung, Bio-Landbau und Öko-Tourismus zu fördern. Mitgründerin ist Regina Frey aus Berg am Irchel, zu deren Engagement als Biologin auch die Rettung der Sumatra-Orang-Utans gehört. Sie war es auch, die Zollinger engagierte – und total begeistert ist von seiner Arbeit.

Botschaft: Bambus für alle

Bambus war laut Mitteilung von Freys Stiftung in Indonesien während Jahrhunderten ein zen­tra­ler Bau- und Werkstoff auch für Möbel, Werkzeuge und Musikinstrumente. Doch ging viel Know-how vergessen. Heute aber gelte es ­ als Arme-Leute-Holz und sei wirt­schaftlich unbedeutend. ­Frey und Zollinger hoffen, mit dem modernen Restaurant «Bambus als güns­tiges, starkes und schnell nach­wachsendes Baumaterial zu fördern», auch für weitere Verwendungszwecke. Die Botschaft des Baus heisst: Bambus für alle! (Landbote)

(Erstellt: 08.01.2016, 21:39 Uhr)

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