Ein Manager sorgt für klare Verhältnisse im Winterthurer Nachtleben

Seit rund einem Jahr hat die Stadt Winterthur einen «Kultur- und Gastromanager», der für klare Verhältnisse im Nachtleben sorgen soll. Eingesetzt wurde er wegen der eskalierten «Tanz dich frei«-Demo.

Ziehen nach einem Jahr eine positive Bilanz: Fritz Lehmann, Kommandant Stadtpolizei Winterthur (links), Barbara Günthard - Maier, Stadträtin Winterthur und Hans Wüst, Kultur- und Gastromanager.

Ziehen nach einem Jahr eine positive Bilanz: Fritz Lehmann, Kommandant Stadtpolizei Winterthur (links), Barbara Günthard - Maier, Stadträtin Winterthur und Hans Wüst, Kultur- und Gastromanager. Bild: Heinz Diener

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Die Stelle des «Kultur- und Gastromanagers» (KGM) wurde von der Stadt wegen der Ausschreitungen im September 2013 geschaffen. Bei der Kundgebung «für mehr Freiräume» wurden 93 Personen verhaftet und 11 verletzt, unter anderem erlitt eine damals 19-Jährige einen bleibenden Schaden am Auge. Die Ausschreitungen beschäftigen die Gerichte bis heute.

Seit rund einem Jahr steht der KGM im Einsatz. Seine Aufgabe ist es, zwischen den verschiedenen Ansprüchen zu vermitteln. «Wir wollen grundsätzlich im Dialog stehen und Hand für Lösungen bieten», sagte Stadträtin Barbara Günthard-Maier (FDP) heute Donnerstag vor den Medien. Die Verantwortlichen von Stadt und Nachtleben sind zufrieden. Es werde jetzt mehr miteinander geredet.

«Es herrscht jetzt eine offene Haltung»

Hans Wüst heisst der Manager für das Nachtleben, seit 32 Jahren ist er im Dienst der Stadtpolizei. Er wendet heute ein 50-Prozent-Pensum für die Funktion auf. Wüst sucht den Kontakt zu den Gastrobetrieben und hilft bei Fragen weiter.

Er habe schon verschiedentlich bei der Vorbereitung verschiedener Anlässe beratend zur Seite gestanden. Bei einer Grossveranstaltung habe er zudem bei der Organisation eines Shuttledienstes geholfen, sagte Wüst.

Martin Kaiser, Präsident der Club- und Barvereinigung Winterthur, begrüsst die zentrale Anlaufstelle bei der Stadtpolizei. «Es herrscht jetzt eine offene Haltung vor.» Ideen würden nicht von Anfang an abgeblockt, sondern man höre zu und suche gemeinsam nach Lösungen, sagte er.

Austausch kam zu kurz

Das ist auch Polizeikommandant Fritz Lehmann wichtig. Der gegenseitige Austausch sei in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen, räumte er ein.

Einerseits sei die Zahl der Gastrobetriebe seit 1996 um mehr als die Hälfte von 225 auf 489 gestiegen. Andererseits sei wegen des Spardrucks der Stellenplan der Verwaltungspolizei nicht ausgebaut worden. «Das war ein Ressourcenproblem.»

Mit der KGM-Stelle «haben wir nun ein Minimum an Zeit freigeschaufelt, um im direkten Kontakt stehen zu können», sagte Lehmann. Das betonte auch Günthard-Maier: «Miteinander im Gespräch zu sein, ist die beste Prävention.»

Keine spontanen, aber einfachere Bewilligungen

Spontane, bewilligungsfreie Veranstaltungen wie eine Tanz-Demo sind aber auch mit dem KGM nicht möglich. «Es gibt den gesetzlichen Rahmen», sagte die Sicherheitsvorsteherin.

Dank Checklisten, die die Stadt überarbeitet und vereinfacht hat, sei es für Veranstalter aber transparent und verlässlich ersichtlich, welche Vorgaben zu erfüllen seien. «Das erleichtert die Zusammenarbeit.» In den kommenden Wochen will die Stadt zudem ein neues System vorstellen, mit dem Veranstalter verschiedene öffentliche Flächen einfach reservieren können. (anb/sda)

(Erstellt: 18.02.2016, 13:45 Uhr)

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