Winterthur

Eine Geldrevolution in Winterthur

Winterthur soll eine eigene Regionalwährung bekommen. Der Eulachtaler ist ein ehrgeiziges Projekt, dass erst begonnen hat.

Der Name «Eulachtaler» wurde von einem Käse übernommen. Daher steht auf den Geldscheinen der Winterthurer Alternativwährung nun auch «kein Käse».

Der Name «Eulachtaler» wurde von einem Käse übernommen. Daher steht auf den Geldscheinen der Winterthurer Alternativwährung nun auch «kein Käse». Bild: pd

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Der Verein «Living Room» will in Winterthur eine Regionalwährung etablieren. Den Eulachtaler gibt es schon seit zwei Jahren. Im Dezember 2014 kamen die Scheine raus, mit dabei waren sechs Geschäfte, die meisten aus der Neustadtgasse. «Damals wollten wir in der Vorweihnachtszeit mit einer Aktion auf die ansässigen kleinen Geschäfte der Neustadtgasse aufmerksam machen».

Für Sabine Heusser Engel, die den Verein «Living Room» mit ihrem Mann gründete. war der Launch ein Erfolg. «Nur schon, weil das Interesse vonseiten der Läden da war». Dann versandete das Projekt zwischenzeitlich, auch weil die Regionalwährung nie wirklich in Umlauf gebracht worden war. Mittlerweile sind die Scheine abgelaufen. Mit dabei war etwa der Guitarrenladen «Backstage». Bezahlt hat bei mir noch nie jemand mit Eulachtalern», sagt Geschäftsführer Ivo Trachsel auf Anfrage. Trotzdem würde er wieder mitmachen. Denn: «Gekostet hat es mich bis jetzt noch nichts».

Zweiter Versuch

Mit einem Relaunch am 23. September, anlässlich des Events «Filme für die Erde», soll der Eulachtaler nun wiederbelebt und die ersten Taler der zweiten Generation verteilt werden. Bis jetzt haben sieben lokale Geschäfte zugesagt. Die Läden des ersten Versuchs frage man an, sobald die neuen Scheine gedruckt seien, um sie gegen die alten einzutauschen, sagt Heusser Engel.

Die Geschäfte verpflichten sich per Vertrag, ihre Produkte oder Dienstleistungen bis zu einem gewissen Wert gegen Eulachtaler zu verkaufen. 70 Prozent dieses zugesicherten Betrags werden ihnen dann in Talern ausgezahlt. Der Rest bleibt beim Verein Living Room, als Rückversicherung. Der Eulachtaler ist so durch die Leistungsversprechen der Unternehmen gedeckt und nicht durch die Hinterlegung in Franken. «Der Gegenwert der Taler in Franken liegt daher nirgends auf einem Konto», sagt die 47-Jährige. Eine übliche Vorgehensweise bei Regionalwährungen, die es in der Schweiz bereits in Bern (Bonobo), Basel (NetzBon) und Genf (Léman) gibt.

Lokale Wertschöpfungskette

In Umlauf bringen die beteiligten Geschäfte die Alternativwährung selbst. Sie können zudem steuern, ab welchem Betrag sie die Währung annehmen wollen. Zum Beispiel können die Kunden ab 50 Franken mit 10 Eulachtalern bezahlen. Die Idee ist schliesslich, dass die Geschäfte auch bei ihren Lieferanten mit Talern einkaufen und so eine lokale Wertschöpfungskette entsteht. Daher liegt der Fokus auf lokalen Kleingeschäften, die sich bestenfalls auch für Nachhaltigkeit einsetzen. «Grosse Unternehmensketten sind nicht erwünscht», sagt Heusser Engel.

Da es gesetzlich verboten ist, Geld zu drucken, sind die Taler als Gutscheine konzipiert. Diese sind bis Ende 2017 gültig. Danach können Hologramm-Aufkleber mit neuem Ablaufdatum auf die bestehenden Taler geklebt werden, um so das Ablaufdatum zu verlängern. Der Verein will das Projekt eng begleiten, um zu sehen, was noch verbessert werden kann. «Vor allem zu Beginn, ist es wichtig, dass wir immer wieder nachhacken und schauen, dass der Taler im Umlauf bleibt», sagt sie.

Heusser Engel und ihr Mann setzen sich seit Jahren mit dem Geldsystem auseinander. «Geld hat heutzutage nichts mehr mit der realen Wirtschaft zu tun», sagt Heusser Engel. Das Kreieren einer eigenen Geldwährung sei ein Experiment und brauche eine viel Idealismus. Wichtig sei ihnen, aufzuzeigen, dass es auch Alternativen zum jetzigen Geldsystem gebe. (Landbote)

Erstellt: 08.09.2016, 18:16 Uhr

Sabine Heusser Engel (47) hat gemeinsam mit ihrem Mann den Verein «Living Room» gegründet, der auch den Eulachtaler initiiert hat. (Bild: Anna Berger)

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