Winterthur

Hinweise auf Radikalisierungen und auf eine IS-Zelle in Winterthur

Journalist Kurt Pelda weiss von einer weiteren Person, die von Winterthur aus nach Syrien gereist ist. Er vermutet die Drahtzieher im Umfeld einer Moschee in Hegi.

In diesem Gebäude am Stadtrand von Winterthur hat die An'Nur-Moschee ihre Räume.

In diesem Gebäude am Stadtrand von Winterthur hat die An'Nur-Moschee ihre Räume. Bild: Heinz Diener

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Zwei Geschwister im Teenageralter und drei junge Männer schreckten in diesem Jahr die Winterthurer Öffentlichkeit auf. Sie verschrieben sich dem radikalen Islam und dem Islamischen Staat. Vier von ihnen gelang die Reise in den syrischen Bürgerkrieg. Ein Mann wurde am Flughafen Zürich abgefangen. Von einem Winterthurer Jihadismus-Phänomen war die Rede.

Nun berichtet der Syrien-Kenner und Journalist Kurt Pelda von einem neuen konkreten Fall. Ge­gen­über dem «Landboten» sagt Pelda: «Ein Mann aus Winterthur hat sich in den letzten Monaten radikalisiert und ist kürzlich nach Syrien gereist.» Pelda recherchiert in der Sache derzeit selber. «Man weiss nicht genau, was er in Syrien gemacht hat, doch es spricht alles dafür, dass er mit dem IS zu tun hat.» Bekannt seien ihm aus den letzten Monaten zudem weitere Fälle von radikalisierten jungen Muslimen aus Winterthur. «Teilweise ist bei diesen Fällen aber unklar, ob sie tatsächlich nach Syrien reisen wollen oder nur damit angeben.»

«Es besteht kein Zweifel»

Für Pelda, der auch zu den bisher bekannten Winterthurer Jihadisten intensive Recherchen getätigt hat, ist mittlerweile klar: «Der IS hat in Winterthur eine Zelle im Umfeld der An’Nur-Moschee in Hegi, daran besteht kein Zweifel mehr.»

Die Radikalen sässen aber weder im Vorstand noch im Präsidium des Kulturvereins der Moschee. «Es handelt sich um eine ganze Reihe von Predigern und Gebetsleitern, die sich aktiv in der Moschee oder ausserhalb mit Jugendlichen treffen und diese zu radikalisieren versuchen.» Diese Gesprächskreise würden von der Moscheeleitung toleriert, sagt Pelda.

Auf Anfrage wird bei der Moschee jegliche Nähe zu extremistischem, radikalem Gedankengut dementiert. Atef Sahoun, Präsident des islamischen Kulturvereins An’Nur, sagt: «Wenn wir bei einem Mitglied radikale Tendenzen entdecken, dann wird die entsprechende Person sofort ausgeschlossen. Wir schicken sie weg, egal, wer es ist.» Radikalität sei zudem in der Moschee ein Thema, das schon in vielerlei Hinsicht breit diskutiert worden sei. Die An’Nur-Moschee geriet auch schon wegen der bisherigen Jihad-Fälle in die Schlagzeilen. Einem Gastprediger der Moschee wird vorgeworfen, die Winterthurer Jihadisten mitradikalisiert zu haben. Der in der Stadt wohnhafte Mann bestreitet dies. Präsident Atef Sahoun sagt: «Seit den vergangenen Vorfällen in Winterthur haben wir nichts mehr von Radikalisierungen gehört.»

Kurt Pelda wird laut eigenen Angaben in den kommenden Tagen eine Recherche zum Thema publizieren.

«Eine Handvoll Radikale»

Hinweise darauf, dass sich in den letzten Monaten weitere Winterthurer Muslime radikalisiert hätten, gibt auch Blerim Bunjaku. Er machte als Muslim in der EVP von sich reden und fordert schon länger ein Netzwerk gegen Radikalisierungen. «In den letzten Monaten habe ich von einer Handvoll meist junger Radikaler gehört, die nach Syrien zum IS wollen», sagt Bunjaku. «Meine Ansprechpartner sind alle überzeugt, dass die Personen von Leuten in Winterthur radikalisiert wurden», sagt auch er und vermutet ebenfalls «eine islamistische Zelle» in der Stadt.

Vom «Landboten» angefragte Winterthurer Moscheen und Kulturvereine verneinen, etwas von radikalen Mitgliedern oder Moscheebesuchern zu wissen.

Laut Bunjaku wissen die Vertreter der Moscheen nicht, wie sie dem Problem begegnen sollen. «Sie fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen.» Bunjaku hat nun eine überkonfessionelle Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um weitere Radikalisierungen zu verhindern. (Landbote)

Erstellt: 16.11.2015, 21:55 Uhr

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