Mit Flüchtlingen kochen, töpfern, singen

Zahlreiche Organisationen engagieren sich für Flüchtlinge. Bei einem Austausch zeigte sich: Sprachkurse sind viele im Angebot, bei Projekten für Jugendliche besteht dagegen noch Bedarf.

Das Angebot der Freiwilligenorganisationen ist besonders bei Deutschkursen gross. Trotzdem gibt es Wartelisten.

Das Angebot der Freiwilligenorganisationen ist besonders bei Deutschkursen gross. Trotzdem gibt es Wartelisten. Bild: Michele Limina

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In Winterthur gibt es seit kurzem zwei neue Unterkünfte für Flüchtlinge: in der Zivilschutzunterkunft Mattenbach und in der Kirche Rosenberg. Das spürt auch Benevol, die Fach- und Vermittlungsstelle für Freiwilligenarbeit.

«Wir erhalten derzeit viele Anfragen von Leuten, welche ihre Unterstützung für Flüchtlinge anbieten wollen», sagt Benevol-Präsident Jürg Rohner. Doch man habe gemerkt, dass niemand eine Übersicht über die Angebote habe. Deshalb hat Benevol vor kurzem die lokalen Freiwilligenorganisationen zu einem runden Tisch eingeladen.»

Wartelisten bei Sprachkursen

Im Rahmen der Veranstaltung stellten die Anwesenden ihr Angebot kurz vor. Gleich sechs Organisationen bieten Deutschkurse an, teils in Kombination mit Kinderhüte, Mittagstisch oder Aufgabenhilfe. Doch trotz des grossen Angebots an Deutschkursen, finden nicht alle Flüchtlinge einen Unterrichtsplatz. «In diesem Bereich kann es fast nicht genug Angebote geben», sagt Rohner. So stehen bei der GvC Chile Hegi, die total über 200 Schüler unterrichtet, mehrere Personen auf der Warteliste. Bei den Kursen der AOZ in Winterthur hat es dagegen aktuell noch freie Plätze.

Ebenfalls mehrere Angebote gibt es für Treffpunkte mit Kaffeestube oder Mittagstisch. Auch das gemeinsame Kochen ist hoch im Kurs. Das Gaswerk plant zudem am 6. März ein Fest mit Flohmarkt, Musik und Essen. Die Organisatorin ist allerdings unsicher, ob auch Flüchtlinge mit N-Status als Freiwillige mithelfen dürfen. Laut Martin Gfeller vom der Sozialberatung sind einmalige Einsätze jedoch problemlos möglich.

Mit Liedern Brücken bauen

Ein grosses Thema ist die Freizeitgestaltung. So gib es eine Keramikwerkstatt oder ein Handarbeitsatelier sowie Möglichkeiten zum gemeinsamen Singen. Der Verein stimmvolk.ch will «mit Liedern Brücken bauen» und bietet dafür Geschlechter getrennte Chöre an, die sich zweimal monatlich treffen. Und die Pfadi öffnet ihre Angebote auch für Flüchtlingskinder.

Es gibt zwar es sehr viele unterschiedliche Angebote, aber eine Gruppe kommt etwas zu kurz: die Jugendlichen. Nur gerade ein Projekt ist für diese Altersgruppe gedacht. Die Begleitgruppe für die Unterkunft Mattenbach hat mit Unterstützung der Chile Grüze versucht, ein Sportangebot auf die Beine zu stellen. Weil keine Hallen frei sind, habe man verschiedene Vereine angefragt, ob sie bereit wären, Flüchtlinge in den Trainings aufzunehmen. «Mehrere Vereine haben zugesagt», sagt Koordinator Sämi Müller. So können junge Männer bereits Fussball, Unihockey oder Smolball spielen. Gesucht sind noch weitere Clubs, die ihr Training öffnen.

Übersicht im Internet

Ebenfalls erst ein Angebot gibt es für so genannte Tandems. Die Idee ist, dass Einzelpersonen Flüchtlinge regelmässig begleiten und unterstützen. Zwei Organisationen haben sich des Themas Wohnen angenommen. Homeasyl.ch vermittelt zwischen Wohnungsbesitzern und Flüchtlingen, die Wohnraum suchen. Auch der Verein Viwo unterstützt Flüchtlinge bei der Wohnungssuche, will aber darüber hinaus auch bei der Integration helfen. Viwo gibt Vermietern gewisse Garantien ab und tritt als Ansprechpartner auf. Teils ist der Verein auch selbst Mieter.

Im ersten halben Jahr sind monatlich Gespräche vorgesehen, so dass die Flüchtlinge auch nach ihrem Einzug nicht auf sich alleine gestellt sind. Gemäss Zita Haselbach von Viwo konnte man auf Februar bereits für vier Familien eine Wohnung finden. «Aber wir brauchen dringend mehr Freiwillige, und zwar in allen Bereichen, für Transporte, Reparaturen oder auch Administratives,» sagte sie.

Damit solche, die sich engagieren möchten mit Organisationen zusammen kommen, will Benevol künftig als Drehscheibe agieren. «Wir wollen eine Liste erstellen, auf der ersichtlich ist, wo Freiwillige gesucht werden», kündigte Jürg Rohner an. Die vollständige Liste ist ab sofort auf der Website von Benevol unter dem Stichwort «Engagement für Flüchtlinge» abrufbar. Sie zeigt, wer was anbietet und wo es Lücken gibt. Auch die Koordinaten der Kontaktperson sind ersichtlich. (Landbote)

(Erstellt: 08.02.2016, 14:00 Uhr)

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