Winterthur

Sex-Filme – Polizei greift an Schulen ein

Immer mehr Jugendliche machen sich strafbar, weil sie Pornografie und Gewaltdarstellungen mit dem Handy verbreiten. Der Jugenddienst der Stadtpolizei bearbeitete 2016 etwa ein Dutzend Verfahren – vor allem an den Oberstufen.

Gewalt und Pornographie: Die Grenze zwischen «noch lustig» und strafbar ist klein. Es gibt immer mehr Verfahren gegen Jugendliche.

Gewalt und Pornographie: Die Grenze zwischen «noch lustig» und strafbar ist klein. Es gibt immer mehr Verfahren gegen Jugendliche. Bild: Keystone

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«Gerade diese Woche hatten wir einen solchen Fall», sagt Roger Peter, Chef des Jugenddienstes der Stadtpolizei Winterthur. Eine Oberstufe habe Meldung erstattet, dass in einem Chat Filme mit pornografischem Inhalt verschickt worden seien. Der Jugenddienst habe daraufhin vor Ort Beweise gesammelt.

Zwischen 2013 und 2015 gab es im Kanton Zürich 205 Verfahren gegen Jugendliche, die illegale Gewaltdarstellungen oder verbotene Pornografie per Handy oder mit dem Computer verbreiteten. In den drei Jahren zuvor waren es gerade einmal 26, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Der Jugenddienst bearbeitete 2016 laut Stadtpolizei etwa ein Dutzend solcher Verfahren. «Die Zunahme lässt sich durch die Verfügbarkeit der neuen Medien erklären», sagt Vera Vogt, Abteilungsleiterin der Schulsozialarbeit Winterthur. Viele Jugendliche hätten heute schon sehr früh ein Mobiltelefon.

Selten in den Kantonsschulen

In den Volksschulen Winterthurs intervenieren Polizei und Schulsozialarbeit. «Insbesondere in der Oberstufe, seltener in der Mittelstufe gibt es immer wieder solche Fälle», sagt Felix Müller, Präsident der Kreisschulpflege Stadt-Töss. Auch Ruedi Ehrsam, Präsident der Kreisschulpflege Seen-Mattenbach bestätigt solche Vorkommnisse. «Die Berichte zu den Vorfällen sind so schlimm, dass ich sie nicht einmal ganz lesen kann.»

Lediglich im Schulkreis Veltheim-Wülflingen gab es keine Interventionen. «Gravierende Verstösse kenne ich nicht. Wenn, dann wurden diese intern gelöst», sagt der zuständige Präsident René Schürmann.

«Die Berichte zu den Vorfällen sind so schlimm, dass ich sie nicht einmal ganz lesen kann».

Ruedi Ehrsam, 
Präsident Kreisschulpflege  
Seen-Mattenbach

In den drei Winterthurer Kantonsschulen sind in den vergangenen Jahren hingegen wenige Fälle bekannt, bei denen Jugendliche illegale Inhalte digital verbreiteten. Im «Büelrain» konnten sie intern gelöst werden, im «Rychenberg» gab es einen Fall, bei dem der Jugenddienst dazugezogen wurde, und «Im Lee» ist gar kein Fall bekannt. Ein Verfahren gab es in keiner Kantonsschule. «Das Thema ist bei den Schülerinnen und Schülern, die direkt nach der Primarschule kommen, am grössten», sagt Christian Sommer, Leiter der Kantonsschule Rychenberg, dem einzigen Langzeitgymnasium der Stadt.

Die Winterthurer Schulen reagieren auf die Häufung der Vorfälle mit Prävention. Die Stadtpolizei organisiert zwei Lektionen in der fünften Primarklasse, für Schulen, die interessiert sind. «Früher boten wir die Lektionen in der Oberstufe an. Wir haben aber gemerkt, dass der richtige Umgang mit neuen Medien schon früher zum Thema wird», sagt Roger Peter von der Stadtpolizei. Im Langzeitgymnasium Rychenberg gibt es für die Neulinge schon früh einen Vortrag des Jugenddienstes.

Der Lehrplan 21, der in der Oberstufe im Sommer 2019 startet, legt einen Schwerpunkt auf Informatik und Medien. «Ich nehme an, dass wir die Nutzen und Gefahren des Internets dann vertiefter thematisieren können», sagt Felix Müller, Präsident der Kreisschulpflege Stadt-Töss.

(Der Landbote)

Erstellt: 11.01.2017, 19:58 Uhr

Fälle oft unerkannt

Der externe Notfallpsychologe Michael Freudiger berät die Winterthurer Volksschulen in Krisensituationen - zusätzlich zu Polizei und Schulsozialarbeit. Zu seinen Einsatzgebieten gehört auch Internet-Mobbing. «Wichtiger als ein Verfahren ist, dass die Klasse wieder einen guten Umgang findet», sagt er. Ein Problem sei, dass Schüler, die von den Inhalten wissen, nichts melden. So dauere es lange, bis die Fälle ans Tageslicht kommen. Für Michael Freudiger spielt die Zusammenarbeit mit den Eltern eine wichtige Rolle: «Sie können vor allem in der Mittelstufe Interesse zeigen, was auf dem Handy geschieht und auch mal kritisch nachhacken, ob jemand fertiggemacht werde.»

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