Unterwegs für Radio Rot Weiss –von Ajoie bis Visp

Seit fünf Jahren kommentieren die freiwilligen Macher von Radio RWW jedes Auswärtsspiel des EHC Winterthur für die Daheimgebliebenen. Morgen Abend zum letzten Mal in dieser Saison.

Christian Arnold (vorne) und Christian Möckel (hinten) bei der Arbeit auf der Pressetribüne.

Christian Arnold (vorne) und Christian Möckel (hinten) bei der Arbeit auf der Pressetribüne. Bild: Radio RWW

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«Nein, Geld verdienen wir so nicht», sagt Michi Weber, Präsident des Radio RWW (Rot Weiss Winterthur) und lächelt bescheiden, «aber die Spesen sind gedeckt. Und wir wollen dem Verein bestimmt nicht auf der Tasche liegen».

Der 35-Jährige und seine vier Kollegen sind Radiomacher auf eigene Faust. Sie betreiben das EHC Winterthur Fanradio «Radio RWW» und sind bei jedem Auswärtsspiel ihres Vereins mit dabei. Sie kommentieren zu zweit oder dritt die Spiele, ohne Unterbruch. Einzig in den Drittelspausen gibt’s für die Hörer und Hörerinnen Musik auf die Ohren. Heute Abend senden sie aus der Ajoie. Zum letzten Mal in dieser Saison.

Inspiriert von Bündnern

«Die Idee eines Fanradios hatten wir, als der EHC Winterthur vor fünf Jahren in Arosa ein wichtiges Auswärtsspiel in einer Playoff-Serie bestritt. An einem Donnerstagabend», sagt Weber. Nicht alle Fans konnten unter der Woche abends ins Bündnerland reisen, wollten aber trotzdem irgendwie dabei sein. «Deshalb standen wir vor einem Problem».

Und wie es der Zufall will – eine Lösung für dieses Problem wurde noch an diesem Abend gefunden. Eingefleischte Fans des Bündner Traditionsclubs betrieben schon damals ein Internet-Radio. Und kommentierten die Spiele ihres Clubs. Für alle Daheimgebliebenen. «Das mussten wir auch haben», sagte Michi Weber und gründete das Radio RWW.

Das Radio RWW-Team. Von links: Dominik Siegrist, Eric Schwarz, Christian Möckel, Michi Weber (auf dem Foto fehlt Christian Arnold) Bild: Philipp Brändle

Die Spesen sind durch Sponsoren und kleine Beiträge von Passivmitgliedern gedeckt. Und ab und zu zahlt ihnen der EHCW bei Auswärtsspielen ein Nachtessen . Das Reisen per Zug kostet die Bähnler nichts, da bis auf ein Mann aus dem Team alle bei der SBB ihre Brötchen verdienen. Falls die Reise mal nicht per Zug stattfindet, kommt, selbstredend, das Mobility-Angebot der SBB zum Zug.

Abenteuer NLB

Nicht nur für die Spieler des EHC Winterthur war die erste Saison in der zweithöchsten Spielklasse eine neue Erfahrung. Auch die Macher des Fanradios spüren die Auswirkungen des letztjährigen Aufstiegs in die National League B. «Wir sitzen nun ausschliesslich auf gut ausgestatteten Medientribünen» schwärmt Michi Weber, «wir werden von Medienbetreuern ernst genommen und sitzen zum Teil in schönen, grossen Stadien».

Die Kehrseite des Aufstiegs ist der sportliche Misserfolg. «Wenn du fast nur noch verlierst, wird das Kommentieren zur Herkulesaufgabe», lacht Weber, «aber da wir zu zweit oder gar zu dritt kommentieren, finden wir immer wieder Nebenschauplätze, über die wir uns dann unterhalten. Im Vordergrund steht der Spass».

Die Sicht von der Medientribüne in Visp. Stehend: Christian Arnold, sitzend: Christian Möckel) Bild: Radio RWW

Zu Beginn der NLB-Saison hörten noch bis zu 400 Fans zu, wenn die Sportreporter über Tore, Checks und Schlägereien berichteten. Im Laufe der Saison und der (erwarteten) sportlichen Talfahrt, wurde das Interesse kleiner. In den letzten Spielen interessierten sich noch um die 150 Fans für den Live-Stream. Zu den besten Zeiten in der 1. Liga hingen übrigens regelmässig weit über 1000 Hörerinnen und Hörer an den Lippen der Sportreportern aus Leidenschaft.

Nachwuchs gesucht

«Wir nehmen Saison für Saison», sagt Weber auf die Frage, wie es mit Radio RWW weiter geht. «Wir suchen aber immer nach Leuten, die unser Team verstärken». Es gehe an die Substanz, bis zu drei Auswärtsspiele in der Woche abzudecken. Und das Team werde auch nicht jünger. Wenn der eine oder andere Mal kürzer treten möchte, zum Beispiel, weil andere Prioritäten im Leben auftauchen, sei das im Moment fast nicht zu stemmen.

Darum würden sich Michi Weber und sein Team freuen, wenn sich der eine oder andere Eishockey-Begeisterte mal als Sportreporter bei Radio RWW versuchen möchte. Mitbringen müssen Aspiranten nicht viel: Herzblut für den EHC Winterthur, Kondition beim Reden und die Bereitschaft, einiges von ihrer freien Zeit zu opfern. (landbote.ch)

(Erstellt: 11.02.2016, 15:23 Uhr)

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Der Radio RWW Live-Stream

Morgen Samstagabend kommentiert das Team von Radio RWW das letzte Spiel der Saison. Hier könnt ihr mithören.

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