Oberwinterthur

Waldkindergarten bewohnt «illegale Baute»

Seit drei Jahren trifft sich der Waldkindergarten Rychenberg beim bedeckten Waldsofa – nun könnte damit Schluss sein. Spaziergänger reklamierten und bekamen recht. Das Dach des Unterschlupfs verstösst gegen das Waldgesetz.

Ort der Geborgenheit: Beim Waldsofa suchen die Waldkindergärtler seit vier Jahren Unterschlupf. Doch das Dach verstösst gegen das Gesetz.

Ort der Geborgenheit: Beim Waldsofa suchen die Waldkindergärtler seit vier Jahren Unterschlupf. Doch das Dach verstösst gegen das Gesetz. Bild: Madeleine Schoder

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«Wenn die Kinder nach einem strengen Morgenanfang zum Waldsofa kommen, ist es für sie wie ein Nachhausekommen», sagt Waldkindergärtnerin Jacqueline Büchi. Nun habe «eine Schlange im Paradies zugebissen». Am vergangenen Donnerstag erreichte die Hiobsbotschaft die Eltern der Kinder des Waldkindergartens Rychenberg: Das Dach des Waldsofas sei eine «illegale Baute». Die «feste Installation» müsse entfernt werden. Für die Eltern ist das unverständlich. «Ich sehe nicht ein, wieso das Waldsofa stört. Drei Jahre lange war es nie ein Problem», sagt Joachim Schöck, Vater einer 6-jährigen Kindergärtlerin. Die Kleinen bräuchten einen Unterschlupf im Wald, besonders bei Unwetter.

Kein «Lausbubenhaus» mehr

Die Auslöser des Knatschs sind Spaziergänger. Sie meldeten das unlautere Paradies bei der Abteilung Wald des Kantons Zürich. «Das Waldsofa ist okay. Aber weil das Dach fest verschraubt ist, hat es klar baulichen Charakter», sagt Hanspeter Reifler, der zuständige Kreisforstmeister, nach der Inspektion. Das Waldsofa sei kein «Lausbubenhaus» mehr, sondern ein richtiger Unterstand.

Die städtischen Wälder werden immer mehr in Anspruch genommen: Vita-Parcours trifft auf Orientierungslauf; Biker auf Kindergärtler. Das Waldgesetz sorgt dafür, dass nicht für alles Tür und Tor geöffnet wird. Der Wald sei klar eine Zone, in der nicht gebaut werden dürfe, sagt Hans­peter Reifler. Toni Patscheider, Präsident der Kreisschulpflege Oberwinterthur, bedauert den Entscheid des Forstamts, akzeptiert ihn aber: «Das Waldgesetz gab es schon vor den Waldkindergärten. Wir bewegen uns etwas in einer Grauzone», sagt Patscheider. Für die Kindergärtnerin Jacqueline Büchi ist klar, dass sie sich beim Bau des Waldsofas vor drei Jahren zu wenig mit dem Gesetz befasst hat. «Wir haben bedürfnisorientiert gehandelt», sagt sie.

Ball bei Kreisschulpflege

Zusätzlich zum Waldsofa direkt im Wald hat der Waldkindergarten Rychenberg noch ein zweites Dach über dem Kopf. Im Forstbüro am Waldrand können die Kindergärtler unterkommen, Znüni essen und spannenden Geschichten lauschen. Darum wäre für Jacqueline Büchi auch ein Kindergarten ohne gedecktes Waldsofa möglich. «Sicher sind die Bedingungen momentan ideal. Aber wir könnten uns arrangieren», sagt die Kindergärtnerin. Andere Waldkindergärten hätten ebenfalls keine Unterkunft mitten im Wald. Sie will sich mit diesen austauschen. Von einem Waldrandkindergarten will Jacqueline Büchi nicht sprechen, sagt aber: «Für die Kinder ist schon der Waldrand aufregend. Sie können sogar in kleinen Christbäumen Versteckis spielen.»Etwas anders sieht das Joachim Schöck, Vater einer Kindergärtlerin. Für ihn ist ein Waldkindergarten ohne Dach schwer denkbar: «Ein Unterschlupf im Wald kann für Eltern ein Kriterium sein, ob sie ihre Kinder in den Waldkindergarten schicken oder nicht.»

Klar ist: Ein Waldplatz für die Kindergärtler ist unumstritten. Die Frage ist, ob mit oder ohne Dach. «Wir hatten ein gutes Gespräch mit dem Förster des Kantons», sagt Toni Patscheider, Präsident der Kreisschulpflege. «Wir diskutieren nun, inwiefern ein Dach gestaltet werden kann, das gesetzeskonform ist und dennoch den Kindergärtlern Schutz bietet. Dies bedingt aber sicher eine mobile Konstruktion und nicht mehr ein fixes Dach», sagt Patscheider. Auch für Kreisforstmeister Hanspeter Reifler ist eine einvernehmliche Lösung möglich. «Das Dach muss weg. Das Waldsofa kann bleiben», sagt er. Der Ball sei jetzt bei der Kreisschulpflege. Diese müsse eine Lösung ausarbeiten. So könnte die Causa «bedecktes Waldsofa» trotzdem wieder auf einen grünen Zweig kommen – für alle Parteien.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.01.2017, 19:02 Uhr

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Spaziergänger meldeten es dem Kreisforstmeister: Der Unterschlupf des Waldkindergarten Rychenberg ist eine «illegale Baute». Nun soll das Dach entfernt werden. Was halten Sie davon?

Ein Schildbürgerstreich sondergleichen! Lasst doch den Kindern ihre Bleibe!

 
74.1%

Gesetz ist Gesetz - und daran müssen sich auch die Kindergärten halten.

 
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