Freienstein-Teufen

5G-Antenne in schützenswerten Areal geplant

In Freienstein wurde direkt neben dem Shedbau des Spinnerei Areals am Shedweg ein Baugespann für eine 5G-Antenne der Swisscom errichtet. Die Anwohner sind empört.

Die entrüstete Bevölkerung hat eine Totenkopf-Puppe an das Baugespann gehängt.

Die entrüstete Bevölkerung hat eine Totenkopf-Puppe an das Baugespann gehängt. Bild: Sibylle Meier

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Die Debatte rund um die Einführung des neuen Mobilfunknetzes der 5. Generation ist schon lange entfacht. Genauso wie das Rennen der Mobilfunkanbieterinnen um den Spitzenplatz bei 5G. Die Swisscom hat in der Nacht auf gestern ihr 5G-Netz an 102 Standorten in den ersten 54 Ortschaften live geschaltet. Bis Ende des Jahres will sie die gesamte Schweiz abdecken.

Doch um den neuen Mobilfunkstandard anbieten zu können, müssen auch die Antennen aus- und teils neu gebaut werden. Doch dies stösst auf Kritik. Das Kantonsparlament in Genf beispielsweise, hat einen Vorstoss gut geheissen, der vorerst den Bau von 5G-Antennen verbietet, bis unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse über mögliche Gesundheitsschäden vorliegen. Auch im Unterland wehrt man sich gegen den Bau der neuen Antennen.

Bevölkerung ist entrüstet

In der Gemeinde Freienstein-Teufen sorgt derzeit ein Baugespann für eine geplante 5G-Antenne bei der Bevölkerung für Unmut. Das Gespann, das seit Anfang April steht, befindet sich auf dem Areal der ehemaligen Spinnerei Blumer Söhne & Cie AG (BSC). Viele der historischen Gebäude dort stehen unter Denkmalschutz.

Die Bevölkerung ist entrüstet. Das ist an der Totenkopf-Puppe, die von Anwohnern an das Baugespann gehängt wurde, bereits von weitem ersichtlich. Emu Rämi, die in einem der benachbarten Gebäude, direkt neben der geplanten Antenne wohnt, hat gesundheitliche Bedenken: «In dem Baurechtsentscheid, den ich angefordert habe, steht, dass hier die höchste in der Schweiz gesetzlich erlaubte Strahlenbelastung herrschen wird.»

Doch nicht nur die Gesundheit sei gefährdet, sondern auch das Dorfbild. «Die Antenne ist etwa 35 Meter hoch, und man sieht sie vom gesamten Dorf aus. Wir können nicht verstehen, warum an einer solchen Stelle eine Mobilfunkantenne gebaut werden soll. Das passt absolut nicht ins Dorfbild und abgesehen davon, sind rundherum in unmittelbarer Nähe Wohnhäuser.» Zudem ist sie der Meinung, dass das vom Glasfasernetz bereits erschlossene Freienstein auf die 5G-Technologie verzichten kann.

Auch Hans Seiterle, ebenfalls Einwohner von Freienstein und ehemaliger Hochbauvorstand im Gemeinderat, kann den geplanten Bau nicht verstehen. Ihn stört vor allem, dass die Antenne in einem Gebiet gebaut werden soll, das umgeben von schützenswerten Gebäuden ist. «Als ich noch als Hochbauvorstand tätig war, musste ich den Anwohnern gar Vorschriften machen, welche Dachziegel sie verwenden und wie breit die Sprossen an den Fenstern sein dürfen. Dass nun eine 35 Meter hohe Antenne keine Bewilligung braucht, kann ich nicht verstehen.»

Die Gemeinde relativiert

Markus Lienhard, Leiter Bau und Planung in der Gemeinde, stellte bereits aufgrund der vielen erhaltenen Anrufe fest, dass der geplante Bau die Bevölkerung bewegt. «Die Anwohner haben Flugblätter verteilt und sammeln Unterschriften. Daher rufen mich Leute an und wollen wissen, welche Möglichkeiten sie haben.» Er erklärt den Sachverhalt so: Das Baugesuch wird nach dem «ordentlichen Verfahren» abgehandelt. Das bedeutet, dass die Bewohner im Mitteilungsblatt vom 12. April und im Amtsblatt über das Bauvorhaben informiert wurden.

«Da aber auch solche, die diese Zeitungen nicht lesen darauf aufmerksam werden, muss ein Baugespann aufgestellt werden, dessen Masse eins zu eins mit dem geplanten Original übereinstimmen muss», erklärt Lienhard. Das einzige, was die Bewohner zurzeit machen können, ist den baurechtlichen Entscheid zu verlangen. «In diesem Entscheid sind auch die Rechtsmittel aufgeführt, die einem zur Verfügung stehen», sagt Lienhard.

«Die Anwohner haben Flugblätter verteilt und sammeln Unterschriften. Daher rufen mich Leute an und wollen wissen, welche Möglichkeiten sie haben.»Markus Lienhard, Leiter Bau und Planung

Sowohl Rämi als auch Seiterle haben diesen Entscheid bereits angefordert - obwohl er 50 Franken kostet. Denn nur wenn man ihn anfordert, kann man innert 30 Tagen Rekurs einreichen. Da es sich bei dem geplanten Bau um eine Antenne handelt und diese aufgrund der Strahlungen nicht nur einen optischen Einfluss auf das Leben in Freienstein haben würde, sind in diesem Fall Betroffene im Umkreis von einem Kilometer Einsprache berechtig. Der definitive Entscheid wird gemäss Lienhard erst in zwei bis drei Monaten erwartet.

Auf Wunsch von Swisscom

Dass die Antenne nun genau im Spinnerie-Areal gebaut werden soll, liegt vor allem an der Swisscom, die bis zum Redaktionsschluss keine Stellung zum Thema nahm. Die Gemeinde hat mit der Mobilfunkanbieterin ein sogenanntes Dialogmodell vereinbart. Dieses besagt, dass die Anbieterin die Gemeinde jährlich darüber informiert, ob, was und wo sie ausbauen oder neubauen will. Freienstein-Teufen wurde vor Weihnachten über das Vorhaben der Swisscom informiert. Anschliessend hatte die Gemeinde die Möglichkeit, im Umkreis von 200 Metern einen alternativen Standort zu finden.

«Es ist aber schwierig, in diesem Umkreis eine weniger schlechte Lage zu evaluieren», sagt Lienhard. Zudem könne man zwar Vorschläge machen, diese seien aber nicht zwingend zu berücksichtigen und müssten durch den Mobilfunkanbieter erneut geprüft werden. Wenn die Gemeinde den Bau verhindern wollte, müsste sie das begründen. «Wenn nun die die kantonale Denkmalplege sagt, dass dem Bau nichts im Weg steht, wird es schwierig zu begründen, warum dem nicht so ist», erklärt Lienhard. Denn die gleichen Rechte wie die Bevölkerung hätte auch die Gesuchsstellerin.

Gemäss Christian Muntwyler von dem Amt für Raumentwicklung der Kantonalen Denkmalpflege ist Freienstein aber nicht im Inventar der schutzwürdigen Ortsbilder von überkommunaler Bedeutung aufgeführt.

Erstellt: 17.04.2019, 18:04 Uhr

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