Zum Hauptinhalt springen

September-Neuheiten7 Highlights vom Apple Event – und 3 Enttäuschungen

Neue Uhren, Tablets, Abos und Software-Updates gab es am Dienstagabend zu sehen. Hier sind die wichtigsten Ankündigungen und Nebenschauplätze.

Für einmal virtuell statt wirklich: Apples Chief Operating Officer Jeff Williams zeigt die neue Apple Watch.
Für einmal virtuell statt wirklich: Apples Chief Operating Officer Jeff Williams zeigt die neue Apple Watch.
KEYSTONE

Wer – wie der Autor – dachte, mal zur Abwechslung einen Apple Event nicht vor Ort sondern aus der Stube zu verfolgen, würde eine entspannte Angelegenheit, wurde am gestrigen Dienstag eines Besseren belehrt. Die wegen Corona virtuell abgehaltene Veranstaltung war rasend schnell und liess kaum Zeit zum Durchatmen (der Ticker zum Nachlesen).

Der Event respektive der voraufgezeichnete Film war aber nicht nur rasend schnell, er war auch kurz. Gerade mal eine Stunde brauchten Apple-Chef Tim Cook und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um zwei neue Uhren, zwei Tablets, ein Fitness-Abo und ein Abo-Paket vorzustellen.

Neue iPhones waren nicht dabei. Aber das war schon im Vorfeld vermutet worden (der Artikel dazu: «Ein iPhone-Event ohne iPhone»). Wie gut es Apple gelungen ist, die verwöhnte Kundschaft zu vertrösten, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Fest steht nun ohne wenn und aber: die iPhones haben heuer tatsächlich Verspätung.

Neuheiten hat Apple aber offensichtlich dennoch genug. Mindestens um eine Stunde damit zu füllen. Das waren die Highlights:

Software kommt sofort

Mini-Apps, Widgets und endlich Ordnung auf dem Homescreen: iOS 14 bringt einige markante Verbesserungen.
Mini-Apps, Widgets und endlich Ordnung auf dem Homescreen: iOS 14 bringt einige markante Verbesserungen.

Für gewöhnlich kommen Apples grosse Software-Updates fürs iPhone und die anderen Geräte Ende September zusammen mit den neuen iPhones. Nicht so dieses Jahr. iOS 14 kommt bereits heute als Gratis-Update auf alle Geräte die schon iOS 13 haben. Auch watchOS 7 und iPadOS 14 sind schon startklar. Einen solchen Blitzstart hat kaum jemand kommen sehen.

Uhren-Preise

Von billig bis teuer: Die Apple Watch gibts künftig in drei Preisklassen.
Von billig bis teuer: Die Apple Watch gibts künftig in drei Preisklassen.

Apple hat gleich zwei neue Apple-Watch-Reihen vorgestellt. Zum einen die preisgünstige Apple Watch SE (ab 299 Franken) und zum anderen die Apple Watch Series 6 (ab 419 Franken) mit allen technischen Neuerungen (Details in einem ausführlichen Test). Wenn man da noch die weiterhin erhältliche Apple Watch Series 3 (ab 219 Franken) hinzunimmt, deckt Apple nun Preise von etwas über 200 Franken bis zu Preisen über 1500 Franken ab. Da sollte sich für jedes Budget eine Apple Watch finden. Kein anderer Anbieter hat ein so breites Portfolio.

Armbänder und Zifferblätter

Die Qual der Wahl: Neue Zifferblätter und Armbänder für die Apple Watch.
Die Qual der Wahl: Neue Zifferblätter und Armbänder für die Apple Watch.

Wer Freude an Uhren hat, kennt den Trick schon lange: Es muss nicht immer eine neue Uhr sein, häufig reicht schon ein neues Armband. Den Trick kennt offensichtlich auch Apple. Nebst den neuen Uhren hat die Firma auch zahlreiche neue Armbänder vorgestellt. Und anders als bei mechanischen Uhren kann man bei Digitaluhren auch leicht das Zifferblatt tauschen. Auch dafür hat Apple wieder zahlreiche neue Zifferblätter vorgestellt. Manche an Uhren-Klassiker angelehnt, andere verspielt und künstlerisch.

Fitness+

Das Fitnessstudio kommt ans Handgelenk: Fitness+.
Das Fitnessstudio kommt ans Handgelenk: Fitness+.

War die Apple Watch ursprünglich als elegante Computer-Uhr mit ein paar Fitnessfunktionen gedacht, entwickelt sie sich Jahr für Jahr mehr zum Fitness- und Gesundheitsgerät. Dem trägt Apple mit einem speziellen Fitness-Abo mit Trainings und Anleitungen Rechnung. In die Schweiz kommt der Dienst vorerst noch nicht. In den USA kostet er 10 Dollar im Monat oder 80 Dollar pro Jahr. Ähnlich wie etwa die Hometrainer-Firma Peloton setzt also künftig auch Apple auf ein Fitness-Abo als Alternative oder Ergänzung zum Gang ins Fitnessstudio.

Family Setup oder Kinder-Tracker

Die Apple Watch wird zum Kinder-Tracker.
Die Apple Watch wird zum Kinder-Tracker.

Als noch nicht so ganz klar war, ob sich Smartwatches durchsetzen werden, wurde immer wieder das Beispiel Asien herbeigezogen. Dort haben sich Armbanduhren als Kinder-Tracker bewährt. Eltern wissen wo ihr Kind ist und das Kind kann damit die Eltern anfunken und auch sonst allerhand Kleinigkeiten erledigen, ohne dass es dafür ein Smartphone braucht. Auch hierzulande sieht man solche Tracker immer häufiger. Apple will da nun auch mitmischen und die Apple Watch als Alternative zum ersten Handy und eben als Kinder-Tracker (Apple nennt es freilich nicht so, sondern Family Setup) ins Rennen schicken. Zum Start seien in der Schweiz Swisscom und Sunrise dabei. Wie das Angebot funktioniert und was es kostet, wird ein Test zeigen. Einen Pluspunkt hat Apple aber auf sicher: Eltern dürften einer Apple Watch deutlich eher vertrauen als einem Kinder-Tracker eines unbekannten Herstellers.

Das iPad

Bewährt, praktisch, unscheinbar: das neue iPad.
Bewährt, praktisch, unscheinbar: das neue iPad.

Der unterschätzte Star am Apple Event war das neue iPad. Das sieht aus wie immer und macht einen unscheinbareren Eindruck. Aber der Schein trügt. Das Einsteiger-iPad ist für 350 Franken für fast alle Bedürfnisse gut genug. Entsprechend gut gefiel vor einem Jahr schon das Vorgängermodell (zum Test: «Das neue Einsteiger-iPad im Alltagstest»). Kritisieren konnte man damals einzig, dass Apple einen ziemlich alten Prozessor verbaut hat. Der A10-Prozessor wurde 2016 zusammen mit dem iPhone 7 lanciert. Nicht dass das iPad vom letzten Jahr deswegen leistungsschwach gewesen wäre. Das Risiko bei einem so alten Prozessor ist allerdings jeweils, dass das Gerät früher von Updates abgeschnitten wird. Nun steckt im neuen iPad ein deutlich schnellerer A12 Prozessor, wie er erstmals 2018 im iPhone XS verbaut wurde. So sich Apple keine Patzer leistet, dürfte das neue iPad in Sachen Preis und Leistung im Test sehr gut abschneiden.

iPad Air

Viele Farben und ein frontfüllenden Bildschirm: das iPad Air.
Viele Farben und ein frontfüllenden Bildschirm: das iPad Air.

Apple hat nicht nur das Einsteiger-iPad auf den neusten Stand gebraucht sondern auch das Mittelklasse-Modell, das iPad Air. Und das ist eine richtige Wundertüte geworden. Denn da steckt Apples allerneuster Prozessor, der A14 drin. Ein Test wird zeigen wie Leistungsfähig das Mittelklasse-iPad damit ist. Aber man darf schon jetzt gespannt sein, wie gut es mit den deutlich teureren Pro-iPads mithalten kann, die einen älteren Prozessor verwenden. Auch sonst dürfte das neue iPad Air manche Kundin und manchen Kunden eines teuren iPad Pro abfangen. Das Tablet bietet fast alles was die teureren Pro-iPads bieten. Verzichten muss man einzig auf die hohe Bildwiederholfrequenz des Bildschirms, ein paar zusätzliche Kameras und auf Gesichtserkennung. Dafür bekommt man einen Fingerabdrucksensor im Power-Knopf und deutlich mehr Farboptionen. Und ja, es ist mit dem Magic Keyboard kompatibel (zum Artikel: «Diese iPad-Tastatur kostet mehr als ein iPad»).

Aber was wären Highlights ohne Enttäuschungen. Abgesehen davon, dass der Event kurz und längst nicht alle durch die Gerüchteküche geisternden Produkte (neue Kopfhörer, smarte Schlüsselanhänger, neue Lautsprecher und natürlich iPhones) gezeigt wurden, haben wir deren drei ausgemacht.

Weniger hochwertige Materialien

Ob eine davon noch Saphirglas über dem Bildschirm hat?
Ob eine davon noch Saphirglas über dem Bildschirm hat?

Bei der Apple Watch wurde das Keramik-Modell aus dem Sortiment gekippt. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Keramik-Option ein Jahr pausiert und dann zurückkommt, dennoch ist es schade, dass dieses elegante Uhren-Material gestrichen wurde.

Noch nicht ganz klar ist, was aus dem Saphirglas-Bildschirm wurde. Bislang hatten die teureren Apple-Uhren aus Stahl, Titan und Keramik jeweils robustes Saphirglas. Nun ist davon nichts mehr zu lesen. Hat Apple das aus der Uhrmacherei bekannte Glas eingespart oder ersetzt? Hoffentlich lässt sich das in den nächsten Tagen klären. Auch hier wäre es sehr schade, wenn Apple (ohne guten Ersatz) darauf verzichten würde.

Update: Was das Glas angeht gibt es gute Nachrichten. Die Titan- und Stahl-Uhren haben auch weiterhin Saphirglas über dem Display. Es ist aber schon auffällig, dass Apple das nicht mehr so offensiv kommuniziert wie früher. Da werde ich beim nächstjährigen Modell ein Auge drauf haben.

Kein Befreiungsschlag

Kommt nicht ohne iPhone aus: die Apple Watch Series 6.
Kommt nicht ohne iPhone aus: die Apple Watch Series 6.

Wer gehofft hat, dass die Apple Watch künftig entweder mit Android oder ganz unabhängig von einem verbundenen Smartphone funktioniert, wurde einmal mehr enttäuscht. Die Apple Watch ist und bleibt ein Anhängsel des iPhones.

Speicher-Knauserei

Die unterschiedlichen Apple-One-Abos und ihre US-Preise.
Die unterschiedlichen Apple-One-Abos und ihre US-Preise.

Nach Jahren der Spekulationen hat Apple endlich das grosse Abo-Bundle vorgestellt. Es heisst Apple One. Doch von One kann keine Rede sein. Es gibt unterschiedliche Varianten für eine und mehre Personen und mit unterschiedlichen inkludierten Diensten. Welche davon schlussendlich in die Schweiz kommen und zu welchem Preis werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Schon jetzt ist aber enttäuschend, dass Apple an den iCloud-Speichergrössen nichts geändert hat. Gratis gibt es nach wie vor nur 5 GB. Und auch in den Abos sind nur knappe 50 GB (für eine Person) und 200 GB (für eine Familie) dabei. In Zeiten von iPads mit 1000 GB und iPhones mit 500 GB ist das ausgesprochen knauserig.

19 Kommentare
    Dieter Riga

    Da wartet man fast ein Jahr auf die Apple Watch 6 und was geschieht? Eine Design-Katastrophe mit dehnbarem Armband ohne Schnalle. Also keine Möglichkeit, das Armband ohne Druckstellen zu tragen. Sieht obendrein aus wie eine Kinderuhr aus dem Kaugummiautomat. Bleibt zu hoffen, dass die Armbänder der Watch 5 kompatibel sind.