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Kolumne LomoAbies nordmanniana maxima

Unser Kolumnist und sein Sohn haben bei ihrem Weihnachtsbaumverkäufer einen Ruf zu verlieren. Wegen ihrer Wahl schimpfte sogar das Christkind.

Für den «Lomo» und seinen Sohn ist die Tanne dann gross genug, wenn sie kaum mehr durch den Netztrichter passt. Im Bild: Der Weihnachtsbaum-Verkauf der Familie Osterwalder beim Schützenhaus.
Für den «Lomo» und seinen Sohn ist die Tanne dann gross genug, wenn sie kaum mehr durch den Netztrichter passt. Im Bild: Der Weihnachtsbaum-Verkauf der Familie Osterwalder beim Schützenhaus.
Foto: Madeleine Schoder

Ich schreibe diese Kolumne einhändig, weil sich meine Linke noch immer vom gestrigen Weihnachtsbaumtransport erholen muss. Es ist ja bei uns Tradition, dass jeweils mein jüngerer Sohn und ich gemeinsam Auswahl, Kauf und Beförderung der Tanne erledigen, und ich muss gestehen, dass der Sohn und ich uns dabei gegenseitig etwas gar stark verstärken.

Wir beide lieben es bezüglich Weihnachtsstimmung nämlich üppig, und unser Wohnzimmer hat eine ungewöhnlich hohe Decke – was das zur Folge hat, können Sie sich denken. Ausserdem haben wir unterdessen bei unserem Baumverkäufer einen Ruf zu verteidigen, und das kam so: Kurz vor Weihnachten vor vier Jahren war es, da machten wir uns auf, den Baum unserer Träume zu suchen, und wir hatten ihn auch bald erspäht, aber ein anderes Duo aus älterem Herren und jungem Mann stand bereits vor der Tanne und werweisste.

Da sagte der Ältere zum Jüngeren, dass der Baum wohl doch allzu gross sei, und sie entschieden sich zu unserer Freude für das immer noch imposante, aber doch etwas kleinere Modell. Mein Sohn und ich waren erleichtert, und der Verkäufer war erstaunt und fragte zweifelnd, ob wir denn tatsächlich Platz hätten für eine solche Tanne, während er diese mit Mühe durch seinen Netztrichter zu bugsieren versuchte.

Zu Hause konnten wir stolz verkünden, dass wir nun genau jenen Baum in der Stube hätten, der fürs Stadthaus zu gross gewesen sei.

Mein Sohn strahlte und nickte. Beim Heimtransport mit Unterstützung unseres Kistenvelos sahen wir dann die anderen beiden noch mal, wie sie ihren Baum von Hand über die Strasse trugen. Ob die beiden einen langen Heimweg haben, fragte ich mich, bis mir klar wurde, dass die beiden gar nicht, wie von uns angenommen, Vater und Sohn, sondern offenbar nur Arbeitskollegen waren.

Und sie trugen die Tanne auch nicht etwa zu sich nach Hause, sondern ins Stadthaus. Daraufhin sahen mein Sohn und ich denn auch unseren Baum mit nur noch leuchtenderen Augen an. Und zu Hause konnten wir stolz und ohne zu übertreiben der Gattin und dem Bruder verkünden, dass wir nun genau jenen Baum in der Stube hätten, der fürs Stadthaus zu gross gewesen sei.

Nur das Christkind, welches ja bei uns jeweils den Baum schmückt, hat später in der folgenden Nacht ein bisschen geschimpft beim schwierigen Versuch, Glaskugeln an die obersten Zweige zu hängen. Aber für irgendwas hat man ja schliesslich Flügel. Frohe Weihnachten!