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ZoomAbschied von der Landwirtschaft

1999: Die Wüthrichs lassen ihre Zuckerrüben seit 1996 von einem anderen Bauern mit einem Vollernter ausfahren, die Ernte nach alter Methode mit viel Handarbeit ist für sie zu anstrengend geworden. Seit der Zuckerrübenverlad auf die Bahn in Kerzers eingestellt worden ist, müssen die Bauern ihre Rüben selbst in die Zuckerfabrik nach Aarberg bringen. Dazu braucht es grosse Wagen und entsprechende Traktoren, wie sie Wüthrichs nicht haben. Ihr Kontingent von 50 Tonnen wird nach der Pensionierung unentgeltlich an einen anderen Bauern übergehen. Zuckerrübenkontingente sind nicht verkäuflich, werden aber halblegal gegen Milchkontingente getauscht.
Ruth Wüthrich bringt zusammen mit ihrer Enkelin Meme die Abendmilch in die Käserei. Seit den 1970er-Jahren ist die Milchproduktion kontingentiert. Wüthrichs dürfen pro Jahr 43000 kg abliefern. Bei einem Milchpreis von 77 Rp./kg ergibt dies ein Bruttoeinkommen von Fr. 33110.– im Jahr. Das restliche Einkommen erzielen sie aus dem Verkauf von Tieren und dem Ackerbau. In ihren besten Jahren resultierte aus Milchwirtschaft und Viehverkauf ein Bruttoeinkommen von Fr. 60000.– und Fr. 20000.– aus dem Ackerbau.
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2000: Morgens und abends werden die Kühe gemolken. Während Hans Wüthrich melkt, mistet Ruth Wüthrich den Stall, versorgt die Tiere mit Futter, trägt die Milch aus dem Stall und bringt sie später in die Käserei. Andere Bauern machen die Stallarbeit alleine. Hans jedoch will seine Kühe individuell melken. Da sie an den einzelnen Zitzen unterschiedlich lange Milch geben, sitzt er dabei und entfernt die Saugvorrichtungen der Melkmaschine einzeln, sobald der Milchfluss versiegt. Es schadet den Eutern, wenn die Maschine an den leeren Zitzen saugt. Beim Melken wird es ihm nie langweilig. Er chräbelet und streichelt seine Kühe, damit sie ruhig bleiben und nicht die Milchkanne umwerfen. Er lässt seine Gedanken schweifen, denkt an seine Zeit auf der Alp und schmiedet Verse, die er später notiert.
Der Stall ist frisch geweisselt. Kühe werden keine mehr einziehen, der Stall wird Ruth und Hans Wüthrich in Zukunft als Brennholzlager dienen.
3 Kommentare
    Karl-Heinz Failenschmid

    Brennholz lagern im Stall geht schon, aber es trocknet dort nicht mehr nach.

    Übrigens: eine ähnliche landwirtschaftliche Situation mit Fleisch- und Milchschwemme und niedrigen Erzeugerpreisen hatten wir 1929 auch schon mal.