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Corona-Krise und BegrenzungsinitiativeAbschottung löst das Problem der Arbeitslosigkeit nicht

In der Krise drohen 100’000 Menschen ihre Stelle zu verlieren. Das wird den Befürwortern der Begrenzungsinitiative in die Karten spielen. Doch der Bruch mit der EU droht das Problem der Arbeitslosigkeit noch zu verschärfen.

Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren wie hier in Zürich werden wegen der Krise mehr zu tun bekommen.
Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren wie hier in Zürich werden wegen der Krise mehr zu tun bekommen.
Foto: Dominique Meienberg

Angst lässt sich politisch gut bewirtschaften. Und in diesen Zeiten haben die Menschen allen Grund, sich um ihren Arbeitsplatz zu sorgen. Bis zu 100’000 Menschen könnten als Folge der Corona-Krise ihren Job verlieren, zeigen Schätzungen.

Das Anschwellen der Arbeitslosenzahlen könnte in den Herbst fallen. Und damit just in das Umfeld der Abstimmung zur Begrenzungsinitiative. Diese fordert, das Abkommen zur Personenfreizügigkeit mit der EU zu kündigen.

Für die Befürworter der Begrenzungsinitiative ist es vollkommen naheliegend, ihr Ansinnen mit den steigenden Arbeitslosenzahlen zu begründen. Warum soll die Schweiz ungebremste Zuwanderung von Arbeitskräften aus der EU zulassen, wenn immer mehr Schweizer ihre Stelle verlieren?

Was auf den ersten Blick einleuchtend klingt, ist auf den zweiten Blick eine gefährliche Milchbüchleinrechnung: Zum einen fehlen nach wie vor qualifizierte Kräfte, etwa in der Pharmaforschung. Kommen die Menschen nicht in die Labore in der Schweiz, gehen die Labore dahin, wo sie die gesuchten Kräfte finden. Nur weil die Schweiz die Grenzen dichtmacht, werden die Arbeitslosenzahlen nicht kleiner.

Im Gegenteil: Der Bruch mit der EU droht der Exportwirtschaft nachhaltigen Schaden zuzufügen. Nach der Corona-Krise ist das das Letzte, was der Schweizer Maschinenbau jetzt braucht.

Die Schweizer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind in der Regel gut qualifiziert. Ihre Chancen, bei einem Aufschwung wieder einen Job zu finden, sind intakt. Doch es ist auch wahr, dass nach der Finanzkrise zum Beispiel in der Maschinenbauindustrie Tausende Stellen dauerhaft verschwunden sind.

Es gibt keine Garantie mehr, sein Leben lang denselben Beruf auszuüben. Hier hilft Weiterbildung. Und hier kann ebenfalls der Staat helfen. Aber auch Arbeitgeber sind gefragt: Sie müssen sich flexibel zeigen und Menschen mit Brüchen in ihrem Lebenslauf eine Chance geben. Damit ist den Menschen mehr gedient, als das Land abzuschotten.