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Der InnenministerAlain Berset und der Weltrekord

Wenn der Gesundheitsminister an Medienkonferenzen die Corona-Krise als Marathon bezeichnet, fragt man sich: Was weiss er über Marathon? Viel, sehr viel.

Ist hier zwar am Hornussen, versteht aber vor allem viel von der Leichtathletik: Alain Berset.
Ist hier zwar am Hornussen, versteht aber vor allem viel von der Leichtathletik: Alain Berset.
KEYSTONE

Sie machen den Vergleich immer wieder, wenn die Regierungsmitglieder mittwochs und freitags vor laufender TV-Kamera den Stand der Corona-Krise analysieren: Es sei ein Marathon, hat Gesundheitsminister Alain Berset schon mehrfach betont, und andere warfen ein, dass man noch nicht einmal bei der Hälfte angelangt sei. Marathon? Schmunzelnd hat man sich schon gefragt: Weiss denn jemand wirklich Bescheid über diese Langdistanz?

Ja! Wer wüsste es besser als Alain Berset? In einem langen Interview mit «Le Matin» hat der heute 47-Jährige vor zwei Jahren viel über seine zweite Leidenschaft neben der Politik erzählt. Den Sport, die Leichtathletik, den 800-m-Lauf, wie ihn diese Schule fürs spätere Leben geformt habe. Wie er einst Juniorenmeister geworden war, wenig talentiert, aber fleissig und strebsam. Und wie er den Marathon quasi mit der Muttermilch eingeflösst bekam. Er als Baby auf einer Decke dabei war, als die Eltern in Magglingen trainierten. Dass seine Mutter 1987 Schweizer Meisterin in 2:50 Stunden wurde, und dass der Vater Murten–Freiburg auf der alten Strecke in 55 Minuten schaffte.

«Verflucht, war der schnell!»

Kurz: Die Leichtathletik bestimmte das Leben der Bersets. Der Filius wählte die 800 m, weil er für den Sprint nicht schnell genug war und die Langdistanzen ihm nicht wirklich zusagten. An Vorbildern mangelte es ihm nicht: «Sebastian Coe natürlich», sagt er, der heutige Weltverbandspräsident, der den Weltrekord 18 Jahre lang hielt. Aber auch Pierre Délèze, den Schweizer Rekordhalter über 1500 m, mit dem er damals auch ab und zu trainierte.

Emotionaler Höhepunkt seiner 9-jährigen Sportkarriere, die er schliesslich für den Beruf aufgab, aber war Athletissima, das Lausanner Weltklassemeeting 1994. «Es war jener Abend, als Leroy Burrell Weltrekord lief. Ich war in den nationalen Serien über 800 m gestartet, und als ich mich wieder einigermassen erholt hatte und noch immer auf der Bahn unten war, preschte Burrell in 9,85 ins Ziel. Verflucht, war der schnell, das war stark!»

Tempi passati. In seinem zweiten Leben hat Alain Berset zum Marathon gefunden – zumindest an den Corona-Medienkonferenzen.

18 Kommentare
    liselotte griva

    grossen dank an herrn bundesrat berset❗