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Landluft-KolumneAlle
Vögel sind
noch weg

Flugzeuge am Boden und zurückkehrende Zugvögel

Die Landluft-Kolumne
Die Landluft-Kolumne
Cartoon: Ruedi Widmer

Blauer Himmel über Brütten, die knutschgrünen Wiesen mit Löwenzahn gelb gepunktet. Wilde Kirschbäume am Waldrand, wie weisse Wölkchen verfangen darin. Die Starkstromleitungen hängen wie leere Notenlinien in der Luft. Bunte Stille, leere Luft.

Dann dieses tiefe, schon fast vergessene Geräusch. Ein schwerer Vogel quält sich hoch in die Luft, gleissend im Sonnenlicht. Die App auf dem Smartphone zeigt an: Es ist das einzige Passagierflugzeug im Schweizer Luftraum zurzeit, auf der Reise nach Fernost. Holt es fernab gestrandete Touristen heim?

Optisch und akustisch – der weisse Vogel hat die Landluft für sich allein. Bremsen, vom Velo steigen und «em Flugi» nachschauen. Eigentlich etwas, was Kinder tun. Oder der Grossvater in den 1950er-Jahren vom Balkon aus, als der Himmel noch fast flugzeugleer war. Wenn alle Silbervögel weg sind, zieht der eine Vogel alle Aufmerksamkeit auf sich.

Leere, Stille und Abwesenheit von Gewissheit: Ist etwas nicht mehr da, wird etwas anderes raumfüllend, erzeugt ein übermässiges Echo. Eine einzelne Stimme wird unerhört hörbar, die auf leerer Bühne herunterfallende Stecknadel scheppert. Und Unsinn breitet sich ungehindert aus. Etwa über die Herkunft des – Sie wissen schon.

Blauer Himmel über dem Auenwald, das knallgrüne Blätterdach mit einem gelben Punkt: Der Pirol ist zurück aus Afrika. Selbstständig zurückgeflogen ist der flötende Vogel, die laute Zwitscherkonkurrenz im Regenwald zurückgelassen. Sich tropisch-pompöse Töne gewohnt, übertönt er die leiseren der hiesigen Vögel mit links. Er ist unüberhörbar, sein Echo ist gross. Die Bühne gehört dem schlauen Vogel ganz allein.