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Landluft-KolumneAllerhand
Handfestes
fürs 2021

Seit bald einem Jahr waschen wir wie wild unsere Hände. Bis sie rot sind.

Wenns Kühe durch die Luft wirbelt, dann ist Landluft-Zeit.
Wenns Kühe durch die Luft wirbelt, dann ist Landluft-Zeit.
Illustration: Ruedi Widmer

«In China grassiert die Angst vor einem neuen Erreger von Lungenentzündung»: Dieser Satz ist am Sonntag ein Jahr alt. Er stand am 10. Januar 2020 im «Landboten», ausgerechnet auf Seite 13. Und weiter hiess es über das nahende Unglück: «Es ist ein Coronavirus – ein Verwandter des Sars-Virus, das 2002 und 2003 über 700 Menschen das Leben kostete.» Und heute, ein Jahr später? Der häufigste Glückwunsch fürs 2021: «Es kann ja nur besser werden.»

Lange bevor das Coronavirus die Weltbühne betrat, fiel mir einst ein Aushang auf einer Toilette auf. «How to Handwash?» als Überschrift. Und darunter die petzende Frage, übersetzt: «Wäscht die Person neben Ihnen ihre Hände?» Dann eine Anleitung in 13 (!) Schritten mit Abbildungen, wie ich meine Hände zu waschen habe. Die Prozedur dauere 40 bis 60 Sekunden, stand da. Laut den Vereinten Nationen sei das Händewaschen der kosteneffektivste Weg zur weltweiten Krankheitsbekämpfung. Auch von der Infektion der Atemwege war da zu lesen. Aber eben: Vor einem Jahr beachtete kaum jemand den Zettel. Und überhaupt: Man(n) lässt sich doch von der UNO nicht sagen, wie nach dem Pinkeln die Pfoten zu waschen sind!

Und heute? Kein Händeschütteln mehr. Waschen der Hände, bis sie rot sind. So rot wie der rote Lederhandschuh von Roman Signer im Andelfinger Schlosspark. Dort plant der Schweizer Künstler eine Installation im Mülibach. Der «Händsche», an einem Gestell montiert, wird den Bach lieb tätscheln. Feins Bächli! Doch er wird Kalk ansetzen, schwerer werden und irgendwann erschöpft im Bachbett liegen bleiben. Wie werden Archäologen das Gebilde in ferner Zukunft wohl deuten?