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Keine AusstellungAm besten legen wir uns hin

Das «Hospiz der Faulheit» denkt im Kunstkasten um statt nach und landet in der Leere.

«Bedienung!» würde man rufen, wenn man sich in einem alten Spielfilm befände.
«Bedienung!» würde man rufen, wenn man sich in einem alten Spielfilm befände.
Bild: Helmut Dworschak

Kunst setzt den Willen des Betrachters zum Mittun voraus. Ohne seine Einfälle bleibt das Werk leer. Die Leere ist natürlich auch ein Ergebnis. Man kann es dabei belassen oder sie mit Informationen füllen, wie es die Leute tun, die sich mit ihren Headsets vor die Kunst hinstellen und sich anhören, was anderen dazu eingefallen ist.

Das «Hospiz der Faulheit», ein Dreierteam mit der Künstlerin Jana Vanacek, dem Webdesigner Adrian Demleitner und dem Fotografen Daniel Drognitz, hatte eigentlich über das Nichtstun nachdenken wollen, sich dann aber für die Leere entschieden. Die Umstände hätten, so ist auf der Website des Kunstkastens zu lesen, «ein Umdenken erfordert». Das Resultat ist ein leerer Kasten, der nachts pink leuchtet (und daher nicht leer sei), mit einem fadenscheinigen Begleittext über die Sorge, das Schweigen, einen plötzlich leeren Himmel (keine Kondensstreifen!) und die Leere im Kunstkasten.

Verweigerung

Diese Leere sei eine «Enthaltung», heisst es dort. Man könnte problemlos eine Verweigerung darin erkennen. Zumal Vanaceks Motto, wie auf ihrer Website zu lesen ist, «I would prefer not to» lautet: Es stammt aus Melvilles «Bartleby, der Schreiber», einer Erzählung über einen Angestellten, der mit dem Satz wiederholt klarmacht, dass er das, was man von ihm verlangt, nicht tun wird. Eine interessante Devise, da viele anscheinend gerade alles tun, was man von ihnen verlangt! Oder auch nicht, wer weiss, vielleicht täuscht der äussere Anschein, vielleicht ist dieser Anschein nur ein mediales Produkt. Wenn etwas gerade deutlich zu spüren ist, dann ist es die Ahnung, dass man mit seinen Ansichten falschliegen könnte und jedenfalls damit nicht weiterkommt.

In der Lage ist dann also Faulsein gar kein so schlechter Einfall. Zumal man sich ein Hospiz, das sich dieser einzigartigen Daseinsform widmet, nicht unbequem vorstellen wird. Der Lage entsprechend, weder sitzend noch stehend, wird man darin wohnen, sondern liegend. Ein Hospiz ist zwar kein Hotel, sondern vermutlich eher eine Art Berghütte, vielleicht mit Sicht auf die Eigernordwand, aber irgendein Personal wird ja wohl vorhanden sein. «Bedienung!» würde man rufen, wenn es sich um einen alten Spielfilm handelte. Die Versorgung mit allem und vor allem mit Wein und Wodka wäre gewährleistet in einem Hospiz, dessen Insassen sich der Faulheit hingeben. Und warme Bäder zur Erholung. Denn, da sollte man sich nichts vormachen, Faulsein ist auf Dauer anstrengend.

Umständehalber sollte noch erwähnt werden, dass es sich nicht lohnt, über die vom Hospiz der Faulheit vertretene Vision der Leere nachzudenken. Auch das Umdenken sollte man lassen, es ist mit zu viel Bewegung verbunden, und das schadet der Faulheit. Was nottut, ist ein Handeln, das der Liege entspricht, und es ist klar, dass man sich eine solche auch jederzeit online bestellen kann.

Kunstkasten, Katharina-Sulzer-Platz, bis 21. Juni.