Rapperswil-Jona

«Für mich wars das»

Schon als kleiner Junge träumte er von Olympia. Es sollte ein Traum bleiben. Nationalrat Marcel Dobler konnte sich nicht für die olympischen Winterspiele in Südkorea qualifizieren. Nun erklärt der Joner den Rücktritt vom Spitzensport.

Die Enttäuschung wiegt schwer: Marcel Dobler muss die Olympischen Winterspiele vor dem Fernseher ­mitverfolgen. Bei den Leistungstests des Swiss-Sliding-Verbandes konnte er nicht überzeugen.

Die Enttäuschung wiegt schwer: Marcel Dobler muss die Olympischen Winterspiele vor dem Fernseher ­mitverfolgen. Bei den Leistungstests des Swiss-Sliding-Verbandes konnte er nicht überzeugen. Bild: Keystone

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Wenn am Freitag die 23. Olympischen Winterspiele eröffnet werden und die knapp 3000 Athleten aus 92 Nationen im südkoreanischen Pyeongchang gemeinsam ins neu erbaute Olympiastadion einlaufen, dann wird sich das auch der Joner Nationalrat Marcel Dobler (FDP) nicht entgehen lassen. Einziger Wermutstropfen: Dobler muss die Eröffnungsfeier vor dem Fernseher mitverfolgen. Sein grosses Ziel, selber als Athlet nach Südkorea zu reisen, hat er verfehlt. An den Leistungstests des Swiss-Sliding-Verbandes, die kurz vor Weihnachten stattgefunden haben, konnte sich Dobler nicht für das Olympia­kader qualifizieren. Die Enttäuschung darüber ist noch immer riesig: «Ein Traum ist geplatzt.»

Rückblick: 2015 wird der ehemalige Schweizer Meister im Zehnkampf für die FDP in den Nationalrat gewählt. Kurz zuvor erlebte der Joner an der Schweizer Meisterschaft in St. Moritz seine Premiere im Bobsport und machte die Elitepiloten ein erstes Mal auf sich aufmerksam. Denn der grossgewachsene, über 100 Kilo schwere Mann verfügt über die idealen Voraussetzungen für den Anschieberjob.

Bubentraum Olympia

Fortan fährt er als solcher im Bob von Pius Meyerhans mit und straft all jene Lügen, die behaupteten, Politik und Spitzensport liessen sich nicht vereinen. Im April 2017 setzt der zweifache Familienvater alles auf eine Karte und wechselt für seinen Bubentraum einer Olympiateilnahme ins Bobteam der Emmentaler Nachwuchshoffnung Clemens Bracher.

Dobler unterstützt Bracher fortan auch bei der Sponsorensuche. «Ein Bobpilot ist nicht nur Sportler, sondern zugleich auch Unternehmer. Um die Verpflichtung von Anschiebern und Sponsoren und die Anschaffung des Materials muss er sich selber kümmern», erklärt Dobler. Als Nationalrat und Mitgründer der Firma Digitec verfüge er über viele Kontakte, die er als potenzielle Sponsoren mit Bracher habe zusammenführen können.

Nur die Besten dürfen mit

Anfang Dezember gewinnt Bracher mit Anschieber Michael Kuonen sein erstes Weltcuprennen im Zweierbob. Kurz darauf wird er an den Europameisterschaften Zweiter in dieser Disziplin. Im Viererbob läuft es nicht ganz so gut. Dennoch wird Bracher Ende Jahr Schweizer Meister. Mit im Bob sitzt bei diesem Triumph auch Dobler. Klar also, dass die Verantwortlichen von Swiss Olympic den Emmentaler auch für den olympischen Bewerb mit dem grossen Schlitten selektionieren.

Weil die Olympischen Spiele allerdings ihren eigenen Regeln folgen, wird nicht automatisch das ganze Bobteam selektioniert, sondern nur der Pilot selber. Die Anschieber müssen sich an einem separaten Leistungstest beweisen. Die besten sechs werden dann den beiden Bobpiloten zugewiesen. Wobei die ersten drei dem Team zugeteilt werden, welches nach Ansicht von Swiss Olympic die besseren Chancen hat. Ein siebter Mann wird zudem als Ersatz mit nach Südkorea reisen.

«Es hat nicht sollen sein»

Marcel Dobler schliesst jene Tests als Achter ab. «Am Tag X war ich nicht bereit», resümiert er. Das sei eben der Sport. «Er folgt seinen eigenen Gesetzen.» Nach der Nichtselektion trifft Dobler eine folgenschwere Entscheidung: «Für mich wars das. Ich werde mich per sofort aus dem aktiven Spitzensport zurückziehen.»

Der 37-Jährige tut dies ohne Groll: «Es hat nicht sollen sein.» Nun sei er auf der Suche nach einer neuen unternehmerischen Herausforderung. Bis sich etwas Passendes findet, werde er sich gemeinsam mit seinen Kindern die olympischen Wettkämpfe anschauen. Und seinem ehemaligen Teamkollegen Clemens Bracher beide Daumen drücken. «Im Zweierbob traue ich ihm ein Diplom zu. Und wer weiss, was sonst noch möglich ist.»

Erstellt: 07.02.2018, 17:18 Uhr

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