Glattfelden

Anwohner schiessen Eier auf parkierte Autos

Im Quartier Zweidlen-Station tobt ein wüster Kleinkrieg unter Nachbarn. Anwohner der Rheinsfelderstrasse wollen die verzögerte Tempo-30-Zone mit versetzt parkierten Autos vorwegnehmen. Dies treibt andere zur Weissglut.

Parkverbot-Schilder an der Rheinsfelderstrasse sollen Anwohner davon abhalten, ihre Autos an den Strassenrand zu stellen. So wollten Befürworter der Tempo-30-Zone den Verkehr verlangsamen (Bild in der Box rechts).

Parkverbot-Schilder an der Rheinsfelderstrasse sollen Anwohner davon abhalten, ihre Autos an den Strassenrand zu stellen. So wollten Befürworter der Tempo-30-Zone den Verkehr verlangsamen (Bild in der Box rechts). Bild: zvg

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Es ist ein beschauliches Wohnquartier im Glattfelder Ortsteil Zweidlen. Rundherum Wäldchen und Felder und auf der anderen Seite der Zuglinie fliesst gemächlich der tiefgrüne Rhein vorbei. Doch von Frieden ist hier zurzeit wenig zu spüren. Die Anwohner liefern sich einen erbitterten Kampf um die Umsetzung der Tempo-30-Zone an der Rheinsfelderstrasse.

Eier fliegen, Tritte werden ausgeteilt und die Leserbriefe in der Lokalzeitung Glattfelder sind gehässig.Die Temporeduktion wurde an der Gemeindeversammlung vom Juni 2016 mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Doch da sie mehr als ein Jahr später noch immer nicht realisiert worden ist, wurden einige Anwohner allmählich ungeduldig. Sie begannen, ihre Autos gezielt auf der Rheinsfelderstrasse zu parkieren, sodass der Verkehr abgebremst wird. Verboten ist dies eigentlich nicht.

Dennoch brauchte es andere Leute aus der Nachbarschaft dermassen in Rage, dass sie die Autos mit Eiern und Tritten attackierten.

Nun hat der Gemeinderat die Notbremse gezogen. In einer Sondersitzung hat er ein temporäres Parkverbot beschlossen und dies mit Schildern signalisieren lassen. «Es war teilweise gefährlich», erklärt Gemeindepräsident Ernst Gassmann. Zum Beispiel sei es bei einer unübersichtlichen Ausfahrt aus einer Tiefgarage beinahe zu Unfällen gekommen, weil der Verkehr den parkierten Autos ausweichen musste.

Der Gemeinderat könne die Massnahme lediglich für zwei Monate beschliessen, erklärt Gassmann. Bis dahin sollte aber die Bewilligung vom Kanton eingetroffen sein, womit das Projekt endlich umgesetzt werden kann, hofft er.

Mit Einsprachen verzögert

Dass es so lange gedauert hat, ist Einsprachen aus der Nachbarschaft geschuldet. Eine davon stammt von SVP-Präsident Tommy Hafner. Er wandte sich gegen die geplanten Inselchen am Strassenrand, um die der Verkehr künftig einen Bogen machen müsste. Erhebungen in der Strassenmitte – auch unter dem Begriff Kissen bekannt – hält er für geeigneter, wie er erklärt. «Sie würden das Postauto und landwirtschaftliche Fahrzeuge weniger behindern.»

Ein genereller Gegner von Tempo-30-Zonen sei er aber nicht, betont Hafner. In den anderen Quartierstrassen von Zweidlen-Station war er sogar unter den Initianten von Tempo 30. Nur bei der Rheinsfelderstrasse hielt er die Massnahme von Anfang an für unnötig.

Zugezogene verdächtigt

Befürworter werfen Hafner nun gezielte Verzögerungstaktik vor. Deutlich verstimmt sind sie auch, weil er hinter der «kindischen Zwängerei» Zugezogene vermutet. «Kein Einheimischer würde sich ein solches Verhalten anmassen», schreibt der Quartierbewohner im Glattfelder.

Die Eierwerfer seien dann wohl auch Zugezogene, kontert Eveline Kainhofer ihrerseits in einem Leserbrief. «Einmal war sogar mein Auto zerkratzt», erzählt das Mitglied der Interessengemeinschaft Zweidlen-Station. Der Sachschaden habe sich auf 2000 Franken belaufen. Kainhofer vermutet, dass der gleiche Mann dafür verantwortlich ist, der jeweils schimpfend durchs Quartier geht und ihrer Autotür auch schon Tritte verpasst hat. Beweisen kann sie es aber nicht.

Bei den Eierwürfen würden jeweils Autos in Dreierkolonnen durch das Quartier fahren, erzählt Kainhofer. Die Geschosse fliegen dann aus dem mittleren Fahrzeug, bei dem man die Nummer nicht ablesen kann.

Gefährlich sei die Parkiererei nicht, betont sie. Man stelle die Autos genau dort ab, wo später die Inselchen hinkommen sollen. «Ich verstehe nicht, dass man sich deswegen so aufregen kann.»

Das Eingreifen der Behörden will die Interessengemeinschaft aber akzeptieren. «Wir werden nichts Illegales machen», stellt Kainhofer klar. Sie hofft, dass der Kanton nun bald grünes Licht für die Tempo-30-Zone gibt. «Wir sollten den nachbarschaftlichen Kleinkrieg möglichst schnell beenden.» (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 18.08.2017, 15:52 Uhr

Parkierte Autos am Strassenrand: Einige Anwohner wollen das schlicht und einfach nicht akzeptieren. (Bild: zvg)

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