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Gastrokolumne AngerichtetEssen wie im Film

Zugänglich, aber kein Mainstream: Anja Holenstein und Florian Moser bieten in ihrem Restaurant «Les Wagons» eine Küche, die sich von der Qualität guter Produkte leiten lässt. Und das in filmreifer Kulisse.

Fast schon mediterran glänzt das «Les Wagons» in der Abendsonne.
Fast schon mediterran glänzt das «Les Wagons» in der Abendsonne.

Sie sind sogar noch besser geworden, Florian Moser und Anja Hollenstein – die beiden, die vor 7 Jahren mit der Idee auf sich aufmerksam machten, eine ausrangierte Uetlibergbahn in ein Bistro zu verwandeln, und das – sorry, Zürich – in Winterthur. Der Rest der Geschichte ist stadtbekannt, seit 2015 steht das «Les Wagons» entlang der benutzten Geleise am Lagerplatz. Der Platz davor hat sich in dieser Zeit gewandelt: Heute stehen bepflanzte Industriecontainer herum, eine grosse brunnenartige Pfütze lädt zum Planschen. Und dann sind da die Anrainer. Der Skillspark, das Independent-Kino Cameo und das Kraftfeld mit seiner ironiegetränkten Magie, mit einem Kassenhäuschen und einer Disco-Kugel im Freien. Und mit diesem Plakat, das ein UFO zeigt und dazu den Satz: «I want to believe.»

Es ist die Filmkulisse eines Arthouse-Movies. Und hier also kann man essen gehen, sich den magischen Realismus auf dem Teller einverleiben. Die Küche im «Les Wagons» trägt den Dimensionen Rechnung. Es gibt keine lange Karte, sondern ein Menü, das alle paar Tage wechselt, dazu kleine Teller für alle, die nur etwas zum Apéro wollen. Die Gänge lassen sich alle separat bestellen. Die offenen Weine sind mit Sorgfalt gewählt, ebenso die Drinks, man kann nichts falsch machen. Die Beschränkung ist auch Ideologie. Etwas richtig machen, statt vieles halbherzig, das ist die Handschrift einer Küche mit Anspruch. Gekocht wird saisonal mit Zutaten aus fairer und biologischer Produktion, insbesondere auch beim Fleisch.

Bunt und blumig: Biosalat mit Kräutern.
Bunt und blumig: Biosalat mit Kräutern.

Spielen wir die Gänge durch: Der Biosalat mit Kräutern kommt mit Croutons, knackig und knusprig, er ist schön bunt, mit Blüten dekoriert, das Dressing zurückhaltend. Auf dem anderen Teller liegen drei reife Melonenschnitze, garniert mit Lavendel und Haselnusskrokant. Dazu ein milder Ziegenkäse, der gut mit der Süsse harmoniert. Den Hauptgang, ein Ratatouille mit Pfirsichen und Büffel-Burrata, bestellen wir in der Version mit Fleisch, einem schön zarten, dünn geschnittenen Rindsschulterbraten. Unter der Süsse der Pfirsiche und des eingekochten Gemüses setzt ein kräftiger Venere-Reis einen Kontrapunkt. Zum Dessert gibts dann eine Aprikosencreme oder Vanilleglace mit süssen Oliven – eine Ausmarchung, in der die luftige Creme als Erste durchs Ziel geht.

Fruchtiges Ratatouille auf herzhaftem Venere-Reis mit zartem Schulterbraten.
Fruchtiges Ratatouille auf herzhaftem Venere-Reis mit zartem Schulterbraten.

Das Menü gibt es so noch vom kommenden Donnerstag bis Samstag jeweils abends ab 16 Uhr, aus dem Take-away-Fenster auch zum Mitnehmen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Dann geht das Bähnli respektive die Crew drei Wochen in die Sommerpause und kommt am 13. August zurück. Das selbst gebaute Perron, das Bähnli und der Lagerplatz leuchten dann in der Spätsommersonne besonders schön. Der Scheurebe, ein trockener Weisser – ohnehin ein Tipp – wird golden glänzen im Glas.

* Restaurant Les Wagons, Lagerplatz 17a, 8400 Winterthur, 052 508 50 17

Geschmackssache: Süsse Oliven auf Vanilleglace oder luftige Apricosencreme?
Geschmackssache: Süsse Oliven auf Vanilleglace oder luftige Apricosencreme?
Fotos: Deborah Stoffel