Eglisau

Auch auf dem Rhein gelten Regeln

Manche Bootsbesitzer und Wasserratten haben die Rheinsaison eingeläutet. Damit es nicht zu Unfällen kommt und die Natur nicht leidet, erklärt Walter Forrer vom Verein Viva Eglisau die Regeln auf dem beliebten Fluss.

Rheinaufwärts dürfen Boote höchstens 10 und abwärts 20 km/h fahren. Neben diesen Verkehrsregeln ist es geboten, Anstandsregeln wie diese zu beachten: Boote sollten in der Nähe von Ruderern keine Wellen erzeugen.

Rheinaufwärts dürfen Boote höchstens 10 und abwärts 20 km/h fahren. Neben diesen Verkehrsregeln ist es geboten, Anstandsregeln wie diese zu beachten: Boote sollten in der Nähe von Ruderern keine Wellen erzeugen. Bild: Sibylle Meier

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Zwei Ruderboote mit jeweils vier Ruderern fahren in der Mitte des Rheins aufeinander zu – das eine Boot ist Richtung Tössegg unterwegs, das andere Richtung Eisenbahnviadukt. Als einer der Ruderer die gefährliche Situation bemerkt, ruft er «Achtung», jedoch ist es da schon zu spät, die Boote sind seitlich kollidiert und einer der jungen Ruderer ist ins Wasser gefallen.

Der Unfall geht zum Glück glimpflich aus: der junge Mann klettert zurück ins Boot und weiter geht die Fahrt. «Genau wegen solcher Situationen gilt die Regel, mit dem Ruderboot am Ufer rheinaufwärts zu fahren und in der Mitte abwärts», sagt ein Ruderlehrer, der an diesem Abend in der letzten Woche mit seinen Schülern die Szene beobachtet hat. Die Ruderer, die zusammengestossen sind, sassen in Booten ohne Steuermann.

Nicht zu nah ans Schilf

Auf solche Regeln will auch Walter Forrer vom Verein Viva Eglisau aufmerksam machen. Nicht nur gilt es, Unfälle zu vermeiden, sondern auch die Natur zu schützen und auf die anderen Rheinnutzer Rücksicht zu nehmen. Der Verein hat Leitsätze festgelegt, nach denen sich die Rheingänger richten sollen. Die erste Version dieser Regeln ist vor einigen Jahren am ersten «Runden Tisch Rhein» entstanden, wo Viva Eglisau die zerstrittenen Rheinparteien zusammengebracht hat. Sie sind auf Flyern abgedruckt und finden sich auch auf einem Schild in der Lochmühle in Eglisau.

Auf einer Ausfahrt von Eglisau Richtung Tössegg konkretisiert Walter Forrer die auf dem Flyer teils allgemein gehaltenen, gebotenen Verhaltensweisen. Er weist darauf hin, dass die Boote nicht zu nah ans Schilf im Naturschutzgebiet fahren sollten: «Es könnte brütende Taucherli haben, man sollte sie nicht aufschrecken.» Kurz nachdem Forrer dies gesagt hat, ist ein Taucherli, also ein Blesshuhn, zu sehen.

Es hat sich auf einem Ast vor dem Schilf ein Nest gebaut und brütet nun dort. Der Schwan tut es ihm gleich. Er hat sein Nest zwei Meter neben ihm erstellt. Auch andere Vögel finden es offensichtlich gemütlich im Schilf: Etwa zehn Wildenten-Küken schwimmen vom Städtli her rheinaufwärts und verschwinden eins nach dem anderen im Schilf. «Das sind unglaublich viele Junge, dafür dass die Wildente so viele Feinde hat», sagt Forrer.

«Rheinaufwärts ist eine Geschwindigkeit von 10 und rheinabwärts von 20 Kilometern pro Stunde erlaubt», fährt er fort mit den Regeln. Schwimmer sollten möglichst am Ufer bleiben und unbedingt auf sich aufmerksam machen, wenn ein Schiff naht. «Vom Schiff aus ist es praktisch unmöglich, die Schwimmer zu sehen», stellt Forrer fest.

Besonders Schwimmer, die in der Nacht unterwegs seien, sollten sich bewusst sein, dass sie nicht wahrgenommen werden. Auch gilt es laut dem Eglisauer Anstandsregeln einzuhalten: So sollen die motorisierten Boote darauf achten, keine Wellen zu erzeugen, wenn Ruderer in der Nähe sind.

Vorsicht vor Gummibooten

«Immer mehr Leute nutzen den Rhein als Erholungsraum», sagt Forrer. Als er 1965 nach Eglisau zog, habe es noch keinen einzigen Bootsplatz auf der Seite der Lochmühle gegeben. «Nur wenige Eglisauer hatten damals eigene Schiffe.» Die Bootsplätze seien mittlerweile so begehrt, dass die Eglisauer etwa 18 Jahre auf einen Bootsplatz warten müssen.

So ist geschicktes Handeln gefragt: «Ich kenne Einwohner, die ihre Kinder bei der Geburt auf die Warteliste setzen liessen und ihnen so einen Bootsplatz sicherten, wenn sie volljährig wurden», sagt Forrer schmunzelnd.

Das Baden in Seen und Flüssen sei immer mehr zu einem Trend geworden. Der Druck auf den Rhein werde auch dadurch verstärkt, dass für wenig Geld Gummiboote erstanden werden könnten. Und genau von diesen gehe oft Gefahr aus: «Viele Gummibootbesitzer lassen sich rücksichtslos von Ellikon hinabtreiben und weichen nicht aus, weshalb es immer wieder zu heiklen Situationen kommt.» Päpstlicher als der Papst wolle man nicht sein mit den Regeln, jedoch gelte es, Rücksicht zu nehmen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 26.05.2017, 14:19 Uhr

REGELN UND LEITSÄTZE FÜR DIE RHEINNUTZER

Der Verein Viva Eglisau hat auf dem Flyer «Schenken Sie dem Rhein 10 Minuten?» folgende Verhaltensregeln und Leitsätze für die Rheinnutzer formuliert:


  • Schön ist es, wenn der Rhein so bleibt, wie er ist

  • Langsam fahren und geniessen

  • Starker Wellenschlag gefährdet die Brutstätten der Wasservögel

  • Sportruderer und Fischer werden bei ihrem Hobby durch Wellenschlag gestört. Möglichst weiträumig umfahren. Durch Zuruf können Sportruderer vor einem Kollisionskurs gewarnt werden

  • Auch Schwimmer tragen Verantwortung

  • Wenn wir unsere Abfälle mitnehmen, bleiben sie nicht liegen

  • Laute Musik hallt weiter als man denkt

  • Fische hören so gut wie Hunde. Rudern und treiben lassen stresst diese Wasserbewohner nicht

  • Alcylat-Benzin schont Mensch und Natur

  • Abgestorbene Bäume am Ufer sind gefährlich, da sie jederzeit umstürzen können

Walter Forrer, Viva Eglisau

Zu nah ans Schilf sollten die Boote nicht fahren. Dort könnten sie die Tiere aufschrecken: Ein Blesshuhn (links) und ein Schwan brüten zwischen Eglisau und der Tössegg. (Bild: Sibylle Meier)

Schon mancher Bootsbesitzer hatte an den warmen Tagen der vergangenen Woche sein Gefährt eingewassert und war rheinabwärts Richtung Eglisau unterwegs. (Bild: Sibylle Meier)

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