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Bezirksgericht AndelfingenAuf der letzten Fahrt geblitzt

Bei einem Überholmanöver auf der Weinlandstrasse von Adlikon nach Andelfingen wurde ein 58-jähriger Motorradfahrer geblitzt. Vor Gericht musste er sich wegen 57 km/h zu viel auf dem Tacho verantworten.

Das Motorrad hatte er schon verkauft – bei der letzten Fahrt damit wurde er geblitzt. Das kostet den Beschuldigten 2700 Franken.
Das Motorrad hatte er schon verkauft – bei der letzten Fahrt damit wurde er geblitzt. Das kostet den Beschuldigten 2700 Franken.
Foto: Nathalie Guinand

Seit 40 Jahren fahre er Töff. Nie sei etwas passiert, kein einziger Unfall, und gerast sei er schon gar nicht. «Nur Parkbussen bekam ich», sagte der 58-Jährige, der als Chef eines kleinen Familienbetriebs in der Baubranche in der Region oft mit dem Lieferwagen unterwegs ist.

Und dann passierte es doch. Im Oktober, als er mit einem Freund eine Ausfahrt an den Rheinfall machen wollte. Auf der Weinlandstrasse, von Adlikon her kommend in Fahrtrichtung Andelfingen, erwischte ihn die Lasermessung. Irgendwo im Bereich nach der Kurve müsse es gewesen sein, sagte er. «Die Polizisten sagten mir, sie hätten sich erst eine Minute vorher dort aufgestellt», meinte der Beschuldigte mit leichtem italienischen Akzent. Sie erwischten ihn auf der letzten Fahrt mit diesem Motorrad: «Ich hatte den Töff verkauft, am nächsten Morgen wurde er vom Käufer abgeholt. Pech gehabt, meinten auch die Polizisten.»

Er verwarf mehrmals die Hände, regte sich auf – über sich selbst und sein Verhalten. «Ich habe vor dem Gerichtstermin eine Woche lang nicht geschlafen», sagte er mehrmals im Verlauf der rund zweistündigen Verhandlung vor dem Bezirksgericht Andelfingen am Montagnachmittag.

«Klöpft und tätscht»

Der Beschuldigte schilderte die Ereignisse, die Gegenstand der Verhandlung waren, so: Er sei hinter zwei Autos hergefahren, die immer wieder Gas gaben, sobald er näher kam. Wie laut der Auspuff dabei gewesen sei, machte er nach. Es habe laut «klöpft und tätscht». Das habe ihn genervt und irgendwann habe er selbst Gas gegeben, um zu überholen. Er geriet in der 80er-Zone mit 141 Stundenkilometern in die Lasermessung. «Schlauer wäre es gewesen, langsamer zu fahren und so Abstand zu den Autos zu gewinnen», musste er zugeben.

Abzüglich der Sicherheitsmarge fuhr er 57 km/h zu schnell. Bei allem Pech hatte er auch Glück: 3 km/h mehr und er wäre unter die Kategorie «Raser» gefallen.

Eine symbolische Strafreduktion

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren beantragt. Dazu eine Busse von 1000 Franken.

Es blieb bei den 1000 Franken plus 1100 Franken für das Vorverfahren und 600 Franken Entscheidungsgebühr. Allerdings reduzierte der Einzelrichter die bedingte Freiheitsstrafe auf sieben Monate. «Dies soll zum Ausdruck bringen, dass wir ihrem bisherigen Verhalten und ihrer Aussage Gewicht verleihen und nicht nur der Geschwindigkeit als solche.»

«Ich habe einen Seich gemacht und das wird nicht mehr passieren», beteuerte der Beschuldigte und akzeptierte das Urteil. Ein Motorrad fahre er momentan nicht, «vielleicht ist damit jetzt ganz Schluss». In der Verhandlung meinte er, jeden Moment könne sein Telefon klingeln und er werde zum zweiten Mal Grossvater. Statt eines Töffs würde er in Zukunft lieber mehr mit dem Kinderwagen herumfahren.