Freienstein-Teufen

Auf der Suche nach dem Paradies zum Sterben

Fabian Biasios Vater starb im Spital mit Blick auf einen Parkplatz. Drei Jahre später bereiste der Fotograf und Filmer Australien und Indien, um das Palliative-Care-Paradies zu suchen. Jetzt kommt der Film.

Auch im vermeintlichen Sterbeparadies Australien ist der Tod ein Tabu. Eine 84-Jährige spricht in Fabian Biasios Film trotzdem darüber.

Auch im vermeintlichen Sterbeparadies Australien ist der Tod ein Tabu. Eine 84-Jährige spricht in Fabian Biasios Film trotzdem darüber. Bild: PD

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Palliative Care kommt dann zum Zug, wenn ein Mensch unheilbar krank ist und keine heilende Behandlung mehr möglich ist oder gewünscht wird. Ziel dieser medizinischen Disziplin ist, Patienten bis zum Tod eine gute Lebensqualität zu ermöglichen.

Als Fabian Biasios Vater 2015 von seinem Lebensmittelpunkt, der Karibik, in die Schweiz zurückkehrte, war dem Fotografen und Filmer schnell klar: Er kommt nicht einfach zu Besuch – er kommt zum Sterben. Die Angehörigen haben sich für den Vater einen würdevollen und schönen Tod gewünscht. Doch es kam anders: Weil er bereits zu schwach war, um in ein Hospiz überführt zu werden, starb er im Spital – mit Blick auf einen Parkplatz. Fabian Biasio erinnert sich, wie er in den letzten Stunden vor seinem Tod die zuschlagenden Autotüren gehört habe.

Seither hat das Thema Sterben den 44-Jährigen nicht mehr losgelassen. So beschloss er drei Jahre später, mit der Kamera das Palliative-Care-Paradies zu suchen, und nahm als Ausgangspunkt den Tod seines Vaters. Dieser hatte ihm damals auch gestattet, ihn auf dem Sterbebett zu fotografieren. «Es wäre doch ein Paradies, wenn die Menschen so sterben könnten, wie sie möchten: mit liebevoller Betreuung, ohne Zeitdruck, ohne die Frage nach dem Geld. Das wäre das Palliative-Care-Paradies», eröffnet Fabian Biasio seinen rund eineinhalbstündigen Film, der vom Fachverband Palliative.ch ermöglicht worden ist.

Australien anders als Indien

Zu Beginn seiner dreiwöchigen Reise erfährt Fabian Biasio am Palliative-Care-Weltkongress, dass Australien und England in diesem Bereich führend seien. Aber auch Dänemark und Afrika werden genannt. Er entscheidet sich für Australien, wo er in Queensland ein Sterbehospiz besucht, das von der öffentlichen Hand und mit Spenden finanziert wird.

Die Patienten filmen darf er hier nicht. Nur eine Frau ist bereit, ihm Auskunft zu geben. Die 84-Jährige, welche an einem Hirntumor leidet, hat sich bewusst gegen eine Behandlung entschieden. Auch eine mobile Pflegefachfrau kann Fabian Biasio mit der Kamera begleiten. Die Frage, ob er in Australien das Sterbeparadies gefunden habe, muss er im Film allerdings mit Nein beantworten. Denn auch hier im palliativ fortschrittlichen Australien sei das Thema Sterben ein Tabu.

Seine Recherche führt ihn weiter nach Indien. In Kerala, im Süden des Landes, gibt es in jedem Dorf ein Palliative-Care-Angebot. Die Einrichtungen sind auf private Initiativen hin entstanden und werden über Spenden finanziert. Hier darf Fabian Biasio kranke und sterbende Menschen filmen – anders als in Australien werden sie in Indien nicht versteckt.

Seine Reise führt ihn weiter in die älteste Stadt Indiens: Nach Varanasi kommen Hunderte Menschen hinduistischen Glaubens zum Sterben. Von hier kommt auch der Begriff und Filmtitel «Sub Jayaga»: Er bedeutet so viel wie «Alles wird vergehen». Wenn ihre Asche hier in den Ganges gestreut wird und gen Ozean treibt, sind sie vom Kreislauf der Wiedergeburt befreit, so die Überzeugung der Hindus.

Fabian Biasio nimmt die Zuschauer weiter mit in ein Altersheim und ein Sterbehotel und zeigt, wie hier das Sterben durch religiöse Rituale und spirituelle Musik, weniger aber durch medizinische Betreuung begleitet wird.

Film und Diskussion

Ob Fabian Biasio auf seiner Reise das Paradies zum Sterben gefunden hat, erfährt man am Dienstag, 10. Dezember, um 20 Uhr im Neuen Kino in Freienstein. Im Anschluss an die Vorführung hat das Publikum Gelegenheit, mit Fabian Biasio und Mirko Thiene, dem Leiter des Kompetenzzentrums Palliative Care des Spitals Bülach, zu diskutieren. Am Dienstag, 14. Januar 2020, wird «Sub Jayega» um 19 Uhr im Kino Bambi in Bülach gezeigt – ebenfalls mit anschliessender Fragerunde.

Erstellt: 03.12.2019, 15:42 Uhr

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