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FCW nach dem 1:1 gegen KriensAuf der Suche nach dem Rhythmus

Das 1:1 gegen den SC Kriens zum nächsten «Neustart» war weder ein schlechtes Resultat noch eine schlechte Leistung. Jetzt geht es darum, möglichst rasch wieder den Rhythmus eines Spitzenteams zu finden.

Granit Lekaj (links) war mitschuldig am Krienser Ausgleich zum 1:1.
Granit Lekaj (links) war mitschuldig am Krienser Ausgleich zum 1:1.
Foto: Heinz Diener

Ein Heim-1:1 gegen den SC Kriens zum «Re-Start» ist für den FCW kein Wunschresultat, zumal er schon früh 1:0 führte und damit eigentlich fertiggebracht hatte, was sich Trainer Ralf Loose als Erstes wünschte: «Wichtig wird gegen Kriens sein, gleich gut ins Spiel zu kommen», sagte er vor dem Anpfiff. Das erschien ihm allein deshalb besonders wichtig, weil der FCW ja nicht im Ruf steht, jeweils zu Beginn einer Halbsaison gut zu starten. Und eine Art Start war für ihn ja auch dieser Match nach einer Woche selbst ohne Freundschaftsspiel. Das war immerhin eine Zeit, in der alle andern Vereine der Liga zwei bis vier Ligaspiele machten, die Krienser beispielsweise das ursprünglich geplante Vollprogramm von vier Auftritten.

Dass sich aus dem resultatmässig wie spielerisch erstaunlich guten Beginn dann kein Sieg entwickelte, war zwar eine leise Enttäuschung. Nach dem Ausgleich der Krienser in der 30. Minute war der FCW nämlich nicht mehr zu Zwingendem fähig. Es liess sich also ein Unentschieden nicht mehr vermeiden. Allzu viel Unzufriedenheit herrschte darob zumindest beim Führungspersonal nicht; nicht bei Loose, den die Gesamtleistung seiner Mannschaft unter den herrschenden Umständen zufriedenstellte. Auch nicht bei Leiter Sport Oliver Kaiser, der «mit dem Punkt sehr wohl leben» konnte. Denn es war ein Unentschieden gegen einen Gegner, der dem FCW auf der Schützenwiese schon wiederholt ins Blumenbeet trampelte. Oder anders formuliert: Von vier Heimspielen gegen die Luzerner seit deren Rückkehr in die Challenge League hat der FCW keines gewinnen können. Der einzigen «Heimsieg» in dieser Zeit war im Juli das 4:0 auf dem Utogrund.

Aussenverteidiger, «Sechser»

Es dachten zwar auch Loose und Kaiser, der FCW hätte wohl gesiegt, wäre er (noch oder schon wieder) im Rhythmus gewesen wie vor der Zwangspause, die er nach dem 1:0 in Thun antreten musste. Die Thuner übrigens haben seit jener Niederlage dreimal gewonnen, am Samstag 3:0 gegen Wil, und nur dann zweimal 1:1 gespielt, als sie sich in der Nachspielzeit den Ausgleich geradezu selbst einbrockten. So stilsicher wie damals im Berner Oberland ist der FCW an diesem Freitagabend jedenfalls nicht aufgetreten.

Der eine oder andere hatte schon ziemlich Mühe, den Stand von damals schon wieder zu erreichen. Vor allem gilt das für die Aussenverteidiger Adrian Gantenbein und Granit Lekaj. Sie gestanden ihren Gegnern in der Stockhorn Arena nichts zu, dem SC Kriens aber das 1:1. Oder es gilt für die Besetzung des zentralen Mittelfelds. Topmann Ousmane Doumbia war schon in Thun nicht mehr verfügbar, sondern ein FCZler; Remo Arnold, im Prinzip als «Sechser» auch gesetzt, war am Freitag aus gesundheitlichen Gründen noch nicht wieder verfügbar. Und der erstmals als – gar alleinige – «Sechs» aufgestellte Gabriel Isik hatte Mühe, sich zurechtzufinden. Seine Stärken liegen zu sehr in der reinen Defensive, als dass er als Mittelfeldspieler und damit erst noch in ungewohnter Rolle reüssiert hätte. Vielleicht wäre es nur schon besser gewesen, Loose hätte einen zweiten «Sechser» aufgestellt, Gezim Pepsi etwa. Aber es gibt auch sonst andere Varianten: Der Vorarlberger Anes Omerovic könnte mal eine Chance verdienen. Lekaj kanns auch im zentralen Mittelfeld, zumal mittlerweile mit Andreas Wittwer eine neue Alternative als Linksverteidiger verfügbar ist.

Derlei Gedanken wird sich Loose gewiss machen zwischen den Heimspielen gegen Kriens und schon am Dienstagabend gegen das bisher auffallend starke Stade Lausanne-Ouchy. Die Waadtländer haben – wie sonst nur noch der FCW – erst ein Spiel verloren, einfach mit zwei Unentschieden mehr in der Bilanz als die Winterthurer. In den Gedanken Looses spielt überdies eine Rolle, dass er nicht nur zufrieden war, wie seine Mannschaft gegen Kriens begonnen hatte, sondern auch mit der Mentalität, wie sie in der Endphase doch noch den Sieg erzwingen wollte.

Ein Trio beim Arzt

Am meisten aber beschäftigt den Trainer, dass er wieder ein Trio von Spielern hat, die verletzt sind. Der eine ist Torhüter Raphael Spiegel, der wegen neuerlicher Probleme im Adduktorenbereich schon für den Match gegen Kriens Forfait gab. Er wird am Montag genau untersucht, es scheint erneut ein längerer Ausfall zu drohen. Dann bliebe der Berner Dario Marzino im Tor. Immerhin, er scheint sich den Bedingungen in der Liga immer besser anzupassen.

Zweiter Problemfall ist Jung-Stürmer Sayf Ltaief mit seiner Schulter. Schon im Cup-Viertelfinal Anfang August gegen den FC Bavois war er früh und dann für geraume Zeit ausgefallen; am Freitag war sein Auftritt gegen Kriens schon nach zwei, drei Minuten zu Ende. Wieder kugelte er eine Schulter aus. Jetzt ist zu beantworten, wie dieses Problem medizinisch angegangen war.

Der dritte Ausfall des Freitags betraf, allerdings erst kurz vor Schluss, Gantenbein. Es sah danach aus, als zwängen ihn Krämpfe zur Aufgabe. In seinem Fall ist am Montag genau zu ermitteln, ob es nur Krämpfe waren. Immerhin, Arnold trainiert seit Samstag wieder; Linksverteidiger Pascal Schüpbach wird in den nächsten Tagen wieder zu Trainings auf der Schützenwiese erwartet. Und eben, Wittwer und Omerovic, zusammen mit Innocent Emeghara die letzten Neuerwerbungen, stehen bereit. Das tut natürlich auch „Inno“, im Gegensatz zu den andern für die Offensive zuständig. Allein, er scheint den Trainer noch nicht wirklich überzeugt zu haben.

Klar ist, dass das Programm mit lauter englischen Wochen bis Weihnachten jedem im Kader seine Chance bieten wird – wie das schon im Juni und Juli war und auch von welchen wie Gantenbein oder Ltaief genutzt wurde. Und der Rhythmus könnte bald so schnell sein, dass es der Spiele zu viel und nicht zu wenige sind. Im Sommer hat sich der FCW nach kurzer Anlaufzeit ja erstaunlich gut gefunden. Ein 1:1 gegen Kriens ist jedenfalls noch kein Grund zu zweifeln – weniger als das 1:4 in Vaduz beim letzten «Re-Start» Mitte Juni. Denn es war ein durchaus vertretbares Resultat gegen einen guten Gegner. Gewonnen hat an diesem Wochenende ja nur Thun. Und der Leader nach Minuspunkten heisst weiterhin … FCW.