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22-Jährige wird bei Notruf ausgelacht und stirbt

Ihr Fall hat in Frankreich Empörung ausgelöst: Eine junge Französin wird vom Notruf nicht ernstgenommen und erleidet kurz später einen Herzinfarkt.

«Natürlich wirst du irgendwann sterben, wie alle anderen auch»: Nach Musengas Tod wurde die Notdienst-Mitarbeiterin suspendiert.
«Natürlich wirst du irgendwann sterben, wie alle anderen auch»: Nach Musengas Tod wurde die Notdienst-Mitarbeiterin suspendiert.
Facebook/Justice pour Naomi Musenga

In Frankreich hat der womöglich vermeidbare Tod einer jungen Frau juristische Konsequenzen: Die 22-Jährige starb, nachdem sie den Notruf wählte und dort nicht ernst genommen wurde. Die Staatsanwaltschaft leitete am Mittwoch Ermittlungen ein, die verantwortliche Notdienst-Mitarbeiterin wurde vorläufig suspendiert. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn zeigte sich im Kurzbotschaftendienst Twitter «zutiefst betroffen».

Naomi Musenga hatte Ende Dezember wegen starker Bauchschmerzen den Notruf gewählt, wie elsässische Medien jetzt berichteten. Auf der dreiminütigen Aufzeichnung ist zu hören, wie Musenga starke Schmerzen beklagt und sich sorgt, dass sie sterben könnte.

Am anderen Ende der Leitung antwortet eine Frau: «Natürlich wirst du irgendwann sterben, wie alle anderen auch.» Ausserdem ist zu hören, wie sie sich mit einem Kollegen über Musengas Anruf amüsiert. Sie rät der jungen Frau, sich einen Arzt über einen kostenpflichtigen Notdienst nach Hause zu bestellen.

Ein Mitschnitt des Anrufs Musengas beim Notdienst. Quelle: Facebook/Justice pour Naomi Musenga

Mangel an Personal und Ressourcen

Fünf Stunden später ruft Musenga erneut an und wird von einem Notarzt in ein Krankenhaus in Strassburg gebracht. Wenig später erleidet sie einen Herzinfarkt und stirbt. Einem Bericht der französischen Tageszeitung «Le Monde» zufolge ergab eine Autopsie, dass multiples Organversagen der Grund für ihren Tod war.

Das Krankenhaus erklärte, die Mitarbeiterin des Notdienstes sei vorläufig suspendiert worden. Die bisherigen Erkenntnisse liessen diese Entscheidung zu, auch wenn der Ermittlungsausgang noch offen sei. Die Strassburger Staatsanwaltschaft leitete polizeiliche Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung ein.

Der Fall befeuerte die Debatte über das französische Gesundheitswesen. Schon seit Wochen beklagen Ärzte und Krankenpfleger, dass es zu wenig Personal und Ressourcen gebe. Am kommenden Dienstag demonstrieren in Paris Krankenhaus-Mitarbeiter gegen die schlechten Bedingungen.

AFP/sep

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