Pentagon testet Hightech-Ballone für die Massenüberwachung

Das US-Militär hat eine Alternative zu Drohnen entdeckt – sie ist günstiger, länger einsetzbar und liefert mehr Daten. Bürgerrechtler reagieren besorgt.

Das Pentagon arbeitet an einem weiteren Schritt zur Totalüberwachung: Die Google-Tochterfirma Loon arbeitet bereits mit Stratosphären-Ballonen. Foto: Alphabet X

Das Pentagon arbeitet an einem weiteren Schritt zur Totalüberwachung: Die Google-Tochterfirma Loon arbeitet bereits mit Stratosphären-Ballonen. Foto: Alphabet X

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Kampf gegen Bedrohungen für die innere Sicherheit testet das Pentagon eine neue Technik. Zur breitflächigen Überwachung von Menschen und Fahrzeugen sollen Hightech-Ballone eingesetzt werden, wie der «Guardian» berichtet. Die mit Solarstrom betriebenen Ballone verfügen über raffinierteste Radarsysteme und leistungsstärkste Videokameras. Ihre Überwachungsarbeit verrichten die Fluggeräte in Höhen von bis zu 20 Kilometer.

Unterhalb ihrer jeweiligen Position in der Stratosphäre können die Hightech-Ballone in einem 40 Kilometer breiten Streifen auf der Erde alles beobachten und aufnehmen, was sich bewegt. Beim Probetrieb des US-Verteidigungsministeriums sind bis zu 25 Ballone im Einsatz. Die Teststrecke ist etwa 400 Kilometer lang. Sie erstreckt sich über sechs Bundesstaaten: Süd-Dakota, Minnesota, Iowa, Wisconsin, Missouri und Illinois.

Der Testbetrieb begann im Juli und dauert bis September. Verlaufen die ersten Tests erfolgreich, dürfte die Zahl der eingesetzten Hightech-Ballone ansteigen. Schliesslich sollen Fahrzeugbewegungen flächendeckend erfasst werden können. Nebenbei könnte die gesamte Kommunikation über Mobilfunk im Einzugsgebiet unter dem Ballon mitgeschnitten werden. Das wird aber wohl schon von Geheimdiensten erledigt.

«Hochproblematisch» aus Sicht der Privatsphäre

Bürgerrechtler reagierten besorgt über die Pentagon-Pläne mit Hightech-Ballonen. Jay Stanley (American Civil Liberties Union) sagte, es sei verstörend, dass solche Tests durch das Militär zugelassen worden seien. Anlagen, die einzelne Fahrzeuge beschatten könnten, dürften nicht zur grossflächigen Überwachung von Städten eingesetzt werden.

Selbst bei einem Probebetrieb würde eine Unmenge an Daten und Informationen gesammelt. Man könne beispielsweise exakt feststellen, wer zur Moschee oder zur Alzheimer-Klinik fahre. Laut Stanley ist das «hochproblematisch» aus der Sicht der Privatsphäre. Ähnlich äussern sich auch andere US-Bürgerrechtler. Ihrer Ansicht nach stellt die neue Ballon-Technik einen weiteren Schritt zu einer Totalüberwachung dar.

Die Überwachungsballone des Pentagons werden von der US-Firma Raven Aerostar hergestellt. «Wir verbinden, schützen und retten Leben», heisst der Slogan auf der Website des Hightech-Unternehmens, das bereits eine Google-Tochterfirma mit ähnlichen Ballonen beliefert. Google Loon verwendet Ballone für die Internet- und Mobilfunkversorgung. Der Vorteil solcher Ballone sind die langen Flugzeiten. So sollen diese Fluggeräte mehr als einen Monat durchgängig in der Luft bleiben können.

Die Stratosphären-Ballone der Firma Raven Aerostar. Quelle: Youtube/Raven Aerostar

In Militärkreisen gelten die Ballone nicht nur als lang einsetzbare, sondern auch als kostengünstige Alternative zu den bisherigen bemannten Überwachungsflugzeugen. Und die Ballon-Technik wird von verschiedenen Seiten laufend verbessert. Ein Forschungsinstitut des Pentagons hat bereits einen speziellen Windsensor für die Navigation der Ballone entwickelt. Die Ballone sollen sich störenden Windverhältnissen anpassen, damit sie dauerhaft ein bestimmtes Gebiet beobachten können.

Der Auftraggeber im Pentagon ist die Abteilung «Southern Command» («Südliches Kommando»). Diese verantwortet Katastrophen- und Geheimdienst-Operationen sowie Sicherheitskooperationen in Süd- und Mittelamerika und in der Karibik. Eine Hauptaufgabe ist, Drogentransporte in die USA zu erkennen und abzufangen. Die neue Ballon-Technik soll auch im Kampf gegen den Drogenhandel zum Einsatz kommen. (vin)

Erstellt: 05.08.2019, 21:32 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!