Putins «unbesiegbare Rakete»

Russland hat ein Hyperschall-Waffensystem getestet. Das «Neujahrsgeschenk an die Nation», wie Russlands Präsident sagte, löst weltweit Besorgnis aus.

Raketentest mit Hyperschall-Marschgleitkörper «Avantgarde». Quelle: Russia Today


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Wladimir Putin zeigte sich sehr zufrieden nach dem Raketentest. «Russland hat eine neue strategische Waffe bekommen, die erste ihrer Art in der Welt», sagte der Kreml-Chef bei einem Treffen mit Regierungsmitgliedern in Moskau. «Sie wird die Verteidigung unseres Landes in den nächsten Jahrzehnten sicherstellen.» Putin sprach von einem neuen Raketentyp mit Hyperschallgeschwindigkeit, «der für Luft- und Raketenabwehrmittel des wahrscheinlichen Gegners nicht verwundbar ist».

Die Interkontinentalrakete mit dem neuartigen Hyperschallwaffengleiter «Avantgarde» kann mit konventioneller Sprengtechnik oder auch Atomsprengköpfen ausgerüstet werden. Gemäss dem Kreml können die neuen «Avantgarde»-Geschosse mit 20-facher Schallgeschwindigkeit in der Atmosphäre fliegen. Dabei sollen sie in der Lage sein, im Flug senk- und waagerechte Manöver zu machen. Die für die angegriffene Seite kaum berechenbare Manövrierbarkeit ist das Besondere an dem neuen Waffensystem. Angeblich kann dieser Raketentyp von Abwehrsystemen nicht abgefangen werden.

Bei einem Test am Mittwoch war eine «Avantgarde»-Rakete von einer Basis in Dombarowski südlich des Urals abgefeuert worden, wie der Kreml verlauten liess. Auf einem Testgelände im etwa 6000 Kilometer entfernten Kamtschatka sei ein Ziel sehr genau getroffen worden. Vom Start der Rakete gibt es TV-Aufnahmen, nicht aber vom super schnellen Waffengleiter, was das Interessante gewesen wäre. Putin feierte den Test als «grossen Erfolg» und «exzellentes Neujahrsgeschenk an die Nation».

Russland ist den USA um Jahre voraus

Mit seinem Hyperschall-Raketensystem hat Russland nach eigenen Angaben die USA hinter sich gelassen. Die regierungsnahe Nachrichtenwebsite Sputnik News zitierte in einem Bericht Konstantin Siwkow, Waffenexperte und Präsident der Moskauer Akademie für geopolitische Probleme. Russland sei mit dem «Avantgarde»-System den USA fünf bis sechs Jahre voraus. Ein amerikanisches Pendant befinde sich erst in der Entwicklung. Die neue Waffe mit Überschallgeschwindigkeit soll bereits im kommenden Jahr in den Dienst gestellt werden, wie Präsident Putin erklärte.

Alles nur russische Propaganda? Offenbar nicht. So warnte im vergangenen Frühling John Hyten, Befehlshaber des Strategischen Kommandos der USA, in einem CNN-Bericht vor der Bedrohung durch hypersonische Raketen Russlands, aber auch Chinas. «Wir haben zurzeit keine Verteidigung, die den Angriff einer solchen Waffe verhindern könnte», sagte der Viersterne-General. Hyten reagierte auf Äusserungen des russischen Präsidenten.

Putin hatte Anfang März «Avantgarde» vorgestellt und dieses als «unbesiegbar» bezeichnet. Schon damals hatten die Aufrüstungspläne des Kremls internationale Besorgnis ausgelöst. Nach dem russischen Raketentest reagierten US-Experten mahnend, aber auch zurückhaltend. Offen sei zum Beispiel die Frage, ob das «Avantgarde»-Raketensystem tatsächlich bald einsatzbereit sei. In diesem Sinne äusserte sich etwa Joseph Trevithick, Waffenexperte der Forschergemeinschaft von GlobalSecurity.org, in einem Beitrag für den Blog «TheWarZone».

Neues Wettrüsten schon im Gange

Russland und die USA liefern sich längst ein neues Wettrüsten. US-Präsident Donald Trump hat im Oktober den Rückzug seines Landes aus dem INF-Abrüstungsvertrag von 1987 angekündigt. Putin drohte mit der Entwicklung neuer Atomraketen, sollten die USA ihre Ankündigung umsetzen. Die USA werfen Russland vor, gegen den INF-Vertrag zu verstossen. Der 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion geschlossene Abrüstungsvertrag sieht die Abschaffung aller bodengestützten, nuklear bestückbaren Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite über 500 Kilometer vor. (vin)

Erstellt: 27.12.2018, 19:24 Uhr

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