Kinder unter 5 Jahren auch nach Frist von Eltern getrennt

Trotz gerichtlicher Frist haben US-Behörden erst vier von 102 Migrantenkinder unter fünf Jahren mit ihren Familien wiedervereint.

Geglückte Zusammenführung: Der dreijährige José aus Honduras wird am 10. Juli 2018 in Phoenix zu seinem Vater gebracht.

Geglückte Zusammenführung: Der dreijährige José aus Honduras wird am 10. Juli 2018 in Phoenix zu seinem Vater gebracht. Bild: Ross D. Franklin/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Streit um die Trennung von Flüchtlingsfamilien an der Südgrenze der USA gibt es weiter Probleme: Auch nach Ablauf einer gerichtlichen Frist sind zahlreiche Kinder unter fünf Jahren nicht mit ihren Eltern zusammengekommen.

Vier von 102 dieser Kinder in Obhut des Gesundheitsministeriums seien bis Dienstagmittag (Ortszeit) wieder mit Familienmitgliedern zusammengebracht worden, teilte das Heimatschutzministerium (DHS) mit. In 50 weiteren Fällen sollte die Zusammenführung möglicherweise noch vor Ablauf der Frist am Dienstag geschehen.

In 20 weiteren Fällen sei das aus logistischen Gründen nicht rechtzeitig möglich gewesen - meist, weil die Eltern aus den USA abgeschoben wurden. DHS teilte weiter mit, einige Eltern seien «wegen Aspekten, die während krimineller Hintergrundprüfungen aufgedeckt wurden, ungeeignet für eine Zusammenführung».

Dazu gehörten beispielsweise Gewalt gegen Kinder, Kinderschmuggel oder Drogenvergehen. In einigen Fällen habe sich herausgestellt, dass sich Personen fälschlich als Eltern eines Kindes ausgegeben hätten.

Gericht fordert Erklärung

Ein Gericht in Kalifornien hatte die Behörden am Montag aufgefordert zu erklären, wie viele Kinder «wegen legitimer logistischer Hindernisse, die die fristgerechte Erfüllung unmöglich machen», nicht mit einem Elternteil zusammengeführt werden können. US-Medienberichten zufolge erkannte das Gericht an, dass dafür in einigen Fällen über die Frist hinaus Zeit notwendig sei.

US-Präsident Donald Trump sagte am Dienstag in Washington zu den Familientrennungen: «Ich habe eine Lösung: Sagt den Leuten, dass sie nicht illegal in unser Land kommen sollen.» Er fügte hinzu: «Wir haben Gesetze. Wir haben Grenzen.»

Aufenthaltsort der Eltern unklar

Besonders in einem Fall spiegelt sich das Chaos wieder, das die Trennungen verursacht haben - und die Überforderung der Behörden. «Ein Kind kann derzeit nicht zusammengeführt werden, weil der Aufenthaltsort des Elternteils seit mehr als einem Jahr unklar ist», teilte das Ministerium mit. Es gebe Hinweise darauf, «dass das Elternteil und das Kind US-Bürger sein könnten».

Die Trennungen sind Teil der «Null-Toleranz-Politik» Trumps, mit der die US-Behörden illegale Einwanderer an der Südgrenze zu Mexiko zurückhalten wollen. Trump hatte die Praxis zwar vorübergehend beendet - jedoch nur, um Eltern und Kinder gemeinsam einzusperren. Ein neues Migrationsgesetz scheiterte bislang an Widerständen im Parlament. Insgesamt wurden in den vergangenen Wochen mehr als 2500 Minderjährige von ihren Familien getrennt. Nach Angaben der Behörden sind 102 davon jünger als fünf Jahre.

Strassenproteste gegen Einwanderungspolitik

Ende Juni hatte das Gericht in Kalifornien angeordnet, dass Kinder, die an der Grenze von ihren Eltern getrennt wurden, bis zum 26. Juli wieder mit ihnen zusammengeführt werden müssen. Für Kinder unter fünf Jahren galt eine Frist bis Dienstag. Vorläufig stoppte das Gericht zudem die Praxis der Familientrennungen. Ausnahmen soll es nur geben, wenn Eltern als ungeeignet angesehen werden, die Kinder zu betreuen.

Am vergangenen Samstag waren Zehntausende Menschen in Dutzenden US-Städten auf die Strasse gegangen, um gegen Trumps Einwanderungspolitik zu demonstrieren. Die Demonstranten, darunter zahlreiche Politiker der oppositionellen Demokraten, wandten sich unter dem Motto «Familien gehören zusammen» vor allem gegen das Trennen von Flüchtlingsfamilien. (sep/sda)

Erstellt: 11.07.2018, 08:29 Uhr

Artikel zum Thema

Trump-Regierung trennt 2300 Kinder von Eltern

Im letzten Monat sind an der US-Grenze zu Mexiko täglich 66 Migrantenkinder von ihren Eltern getrennt worden, wie das Heimatschutzministerium bekannt gab. Mehr...

Familientrennung: Richter ordnet rasche Wiedervereinigung an

Die Trump-Regierung ist dazu aufgefordert worden, getrennte Kinder innert 30 Tagen wieder mit ihren Eltern zusammenzubringen. Mehr...

Trump will illegale Migranten ohne Verfahren ausweisen

Der US-Präsident twittert wieder gegen Einwanderer: «Wir können nicht zulassen, dass all diese Leute in unser Land einmarschieren.» Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!