Kim Jong-un ist wegen Trump wieder in China

Der nordkoreanische Machthaber ist überraschend in sein Nachbarland gereist. Mit Xi Jinping will er sich vor dem Treffen mit Trump abstimmen.

Nordkoreas Machthaber bleibt bis Donnerstag in China: Der gepanzerte Sonderzug von Kim Jong-un trifft in Peking ein. (Video: Reuters/AFP)

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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist überraschend zu einem mehrtägigen Staatsbesuch nach China gereist. Kim besuche das Nachbarland bis Donnerstag auf Einladung des chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Dies meldeten nordkoreanische und chinesische Staatsmedien am Dienstag. Bei seiner vierten Visite bei dem grossen Nachbarn will sich Kim mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping vor seinem geplanten zweiten Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump abstimmen. Der Besuch erfolgt vor dem Hintergrund der stockenden Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea über eine atomare Abrüstung des isolierten stalinistischen Staates, der unter massiven internationalen Sanktionen leidet.

Nachdem ein mysteriöser Sonderzug am Montagabend über die Grenze bei Dandong nach China gefahren war, bestätigten beide Regierungen am Dienstag den Besuch, der bis Donnerstag dauern wird. In sozialen Medien kursierten am Vormittag Videos von einem Autokonvoi mit einem hohen Staatsgast und einer Motorradstaffel, der vom alten Pekinger Bahnhof durch die Innenstadt rollte.

Denkwürdiger Tag

Nordkoreas Machthaber feiert an diesem Dienstag auch Geburtstag. Es wird angenommen, dass er 35 Jahre alt wurde. Sein Geburtsjahr ist unklar. Die Geburtstage der früheren Machthaber Kim Il Sung und Kim Jong-il - sein Grossvater und Vater - werden in Nordkorea immer gross gefeiert. Bei dem jungen Führer ist das heute anders.

Er wird bei seiner Reise von seiner Frau Ri Sol Ju sowie dem Chefunterhändler für die Verhandlungen mit den USA, Kim Yong Chol, begleitet, wie die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete. In seiner Delegation sind auch Aussenminister Ri Yong Ho und Verteidigungsminister No Kwang Chol.

Südkoreas Regierung begrüsste den China-Besuch Kims. Ein Beamter des Aussenministeriums äusserte in Seoul die Hoffnung, dass die Gespräche in Peking zu einer vollständigen atomaren Abrüstung und der Schaffung eines permanenten Friedens auf der koreanischen Halbinsel beitragen könnten, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Wilde Spekulationen

Das vierte Treffen von Kim mit Xi erfolgt vor seinem geplanten zweiten Gipfel mit US-Präsident Trump, das in Kürze stattfinden soll. Über den Ort werde noch verhandelt, sagte Trump am Sonntag. «Es wird möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft verkündet.» Trotz der mangelnden Fortschritte bei der Abrüstung versicherte Trump, der Dialog laufe gut. Es gibt Spekulationen, dass der Gipfel in Vietnam stattfinden könnte. Auch war in US-Berichten von Indonesien oder der Mongolei die Rede. Ein Termin steht allerdings auch noch nicht fest.

Bei ihrem historischen ersten Gipfel im Juni in Singapur hatten sich Trump und Kim allgemein auf das Ziel einer atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel geeinigt. Doch konkrete Zusagen, bis wann das nordkoreanische Atomwaffenarsenal abgerüstet werden soll und wie die Gegenleistungen der USA aussehen könnten, blieben bisher aus.

Nordkorea will vor allem eine Lockerung der internationalen Sanktionen. Als grösster Handelspartner spielt China bei der Umsetzung der Strafmassnahmen eine Schlüsselrolle. Trump hatte am Sonntag noch einmal bekräftigt, dass die Sanktionen voll aufrechterhalten werden, bis Fortschritte bei der Abrüstung gemacht werden.

Verhältnis auf Tiefpunkt

Der erneute Besuch des Machthabers in Peking demonstriert die starken Beziehungen zwischen Nordkorea und China. Beide hatten im Korea-Krieg (1950-53) Seite an Seite gegen die USA und Südkorea gekämpft und feiern in diesem Jahr den 70. Jahrestag der Aufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen. Mit den Atom- und Raketentests Kims war das Verhältnis 2017 zwar auf einen Tiefpunkt gefallen, erholte sich Anfang 2018 aber schnell, als Kim seine Annäherung an Südkorea einleitete und seine Provokationen einstellte.

In seiner Neujahrsansprache vor einer Woche hatte Kim aber mit einer Abkehr vom Annäherungskurs gedroht, falls die USA an ihren Sanktionen festhalten. Er bekräftigte zwar die Absicht zur atomaren Abrüstung und Fortsetzung der Gipfeldiplomatie mit den USA, warf aber Washington vor, Zusagen nicht einhalten zu wollen und Pyongyang einseitige Abrüstungsschritte abzupressen.

«Falls die USA ihre vor der ganzen Welt gemachten Versprechen nicht erfüllen, unsere Geduld falsch einschätzen und an Sanktionen und Druckmitteln festhalten, um Dinge einseitig zu erzwingen, werden wir wahrscheinlich keine andere Wahl haben, als einen neuen Weg auszuloten», hatte Kim gesagt. Er forderte, dass die USA ihre Militärmanöver mit Südkorea beenden und keine strategischen Waffen auf die koreanische Halbinsel gebracht werden dürften. (chk/sda)

Erstellt: 08.01.2019, 07:28 Uhr

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