Mit Pfeil und Bogen gegen die Polizei

Den vierten Tag in Folge haben Demonstranten das Zentrum Hongkongs zum Erliegen gebracht. Ein 70-jähriger Mann ist nach einem Steinwurf gestorben.

Ein Demonstrant mit brennendem Pfeil und Bogen an der Polytechnischen Universität: Laut Polizei seien Beamte damit beschossen worden. (14. November 2019)

Ein Demonstrant mit brennendem Pfeil und Bogen an der Polytechnischen Universität: Laut Polizei seien Beamte damit beschossen worden. (14. November 2019) Bild: Miguel Candela/Keystone

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Wie bereits von Montag bis Mittwoch blockierten Demonstranten in Hongkong bereits im morgendlichen Berufsverkehr Strassen und störten den U-Bahn-Verkehr. Bei den Protesten ist ein 70-jähriger Mann ums Leben gekommen. Er war am Mittwoch von einem Stein am Kopf getroffen worden und erlag am Donnerstag seinen lebensgefährlichen Verletzungen, wie das behandelnde Spital mitteilte.

Der Gesundheitszustand des Patienten habe sich «kontinuierlich verschlechtert», erklärte ein Sprecher des Prince-of-Wales-Spitals in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Am Donnerstagabend sei der Mann dann gestorben. Es ist bereits der zweite Todesfall innerhalb einer Woche. Am vergangenen Freitag war ein 22-jähriger Student gestorben, der bei gewaltsamen Zusammenstössen mit der Polizei von einem Parkhaus gestürzt war.

Die Massenproteste in Hongkong dauern inzwischen seit sechs Monaten an. Am Donnerstag schafften Tausende Menschen in der Finanzmetropole es nicht rechtzeitig zur Arbeit. Mehrere U-Bahn-Stationen und Haltestellen blieben komplett geschlossen. Erneut kam es zu Ausschreitungen zwischen radikalen Demonstranten und der Polizei, die bei Zusammenstössen an einer Universität Tränengas einsetzte. Die Beamten seien zuvor mit Pfeil und Bogen beschossen worden, teilte die Polizei mit.

Ein Polizist schiesst auf einen Demonstranten (11. November 2019). Videoquelle: Facebook

Die Hochschulen der Stadt waren in dieser Woche zu einem neuen Brennpunkt der seit über fünf Monaten andauernden Proteste geworden. Wegen vorangegangener schwerer Kämpfe auf ihrem Campus hatte die Chinese University of Hongkong am Mittwoch den Unterricht für den Rest des Jahres gestrichen.

Die meisten Mitarbeiter verliessen das Gelände. Auch am Donnerstag verschanzten sich dort Studenten und bereiteten sich auf neue Auseinandersetzungen mit der Polizei vor. Auch andere Universitäten sagten den Unterricht ab.

Hinter den seit Montag andauernden Blockaden verbirgt sich eine neue Taktik der Demonstranten, die hoffen, die Stadt lahmzulegen und so den Druck auf die Regierung weiter zu erhöhen. Zuvor hatten sich die Proteste vor allem auf die Wochenenden konzentriert.

Die Demonstranten blockieren die Haupstrassen der Metropole mit allem, was sie finden. (13. November 2019) Foto: Laurel Chor/Getty Images

Die Gewalt in Hongkong war seit Beginn der Woche eskaliert. Am Montag hatte ein Polizist einem jungen Demonstranten in den Bauch geschossen. Am gleichen Tag setzte ein radikaler Demonstrant einen Regierungsanhänger in Brand, der sich auch am Donnerstag noch in einem kritischen Zustand befand.

Die Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungsregion richten sich gegen die Regierung: Die Hongkonger kritisieren unter anderem den wachsenden Einfluss Chinas auf die ehemalige Kronkolonie. Seit der Rückgabe an China 1997 wird Hongkong nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert.

Die Demonstranten fordern freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 4000 Festgenommenen. Auch der Rücktritt von Regierungschefin Carrie Lam gehört zu ihren Forderungen. (sda)

Erstellt: 14.11.2019, 15:55 Uhr

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