Hunderte Migranten besetzen Pariser Ruhmeshalle

Die «Schwarzwesten» fordern bessere Lebensbedingungen für papierlose Einwanderer. Die Polizei räumte das Panthéon – offenbar mit Gewalt.

Bei der Aktion gab es Zusammenstösse zwischen Polizisten und Protestierern. Foto: Reuters

Bei der Aktion gab es Zusammenstösse zwischen Polizisten und Protestierern. Foto: Reuters

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Sie protestierten in der Ruhmeshalle, weil sie nicht mehr in Zelten schlafen wollten: Mehrere hundert Migranten haben am Freitagnachmittag das Pariser Panthéon besetzt. Sie forderten bessere Lebensbedingungen und Unterkünfte für Geflüchtete ohne Papiere und verlangten ein Gespräch mit Frankreichs Premier Édouard Philippe. Sie verurteilten, dass Tausende Wohnungen in Paris leer stünden, während sie selbst in Zelten an der Autobahn schlafen müssten. «Papiere und Unterkünfte für alle», hiess es in einem auf Twitter verbreiteten Schreiben der Gruppierung, die zu dem Protest aufgerufen hat.

In Paris leben zahlreiche Migranten in Zeltstädten, weil es nicht genug Unterkünfte für Migranten gibt. Das besetzte Panthéon steht als grosse leere Halle sinnbildlich für fragwürdige Prioritätensetzung. In der ursprünglich als Kirche geplanten Ruhmeshalle werden seit der Französischen Revolution wichtige Vertreter des Landes wie Victor Hugo, Émile Zola, Voltaire oder Rousseau geehrt.

«Wir haben keine Papiere, sind ohne Stimme, ohne Gesicht für die Französische Republik», hiess es in der Erklärung. «Wir werden unsere Würde verteidigen!» Neben den desolaten Lebensbedingungen und der Wohnungspolitik wird in der Erklärung die frühere Verwicklung Frankreichs in Sklaverei, die aktuelle Beteiligung des Landes an Kriegen auf fremdem Boden, die Ausbeutung von Ländern des globalen Südens und angebliche Korruption französischer Behördenmitarbeiter kritisiert.

Die Gruppierung, die für radikale Forderungen bekannt ist, nennt sich «Gilets noirs», «Schwarzwesten», angelehnt an die «Gelbwesten» die seit Ende 2018 gegen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und soziale Ungerechtigkeit im Land demonstrieren.

Die «Gilets noirs» machen regelmässig mit Aktionen auf sich aufmerksam. Bei ihrer Besetzung forderten sie die Freilassung von Kameraden, die aufgrund solcher Aktionen oder wegen ihres Status inhaftiert sind.

Französischen Medien zufolge waren 50 bis 60 Polizisten in Schutzausrüstung im Einsatz. Sie begannen am Freitagnachmittag damit, die nationale Ruhmeshalle zu räumen. Die Räumung selbst sei Le Monde zufolge ruhig verlaufen. Im Internet kursierende Videos zeigen, wie Menschen, offenbar nach dem Ende der Besetzung, auf der Strasse eingekesselt und von Polizisten mit Schlagstöcken geschlagen werden.

Weitere Bilder zeigen, dass nach dem Einsatz zahlreiche Protestierer von Sanitätern behandelt wurden, die verletzt oder bewusstlos zu sein schienen. Der Polizei zufolge waren 200 bis 300 Menschen an der Panthéon-Besetzung beteiligt, Le Monde sprach von bis zu 700. (anf/sz.de/jsa/fie)

Erstellt: 12.07.2019, 22:42 Uhr

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